Logo

Vorwürfe gegen die Poser-Szene: Partytreff ohne Corona-Regeln und mit viel Müll

Nicht nur für Ärger, auch für Entsetzen sorgt die Poser-Szene mit Treffen von Autofans und ihren getunten Fahrzeugen. Über Ostern waren bis zu 150 Fahrer samt Begleitung auf Parkplätzen beim Breuningerland zusammengekommen. Ein Zeuge spricht von Party ohne Rücksicht auf Corona-Regeln.

Symbolbild: dpa
Symbolbild: dpa

Ludwigsburg. Die Polizei war zur Kontrolle sowohl am Ostersamstag als auch am Ostersonntag ausgerückt, nachdem am späten Samstag mehrere Anrufer beim Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums über eine große Ansammlung von Personen und Fahrzeugen berichtet hatten.

Ein entsetzter Zeuge des Geschehens richtete sich am Dienstag in einem Schreiben an die Behörden und die Presse. „Was ich dort erleben durfte war in keinster Weise mit den notwendigen und geforderten Hygienemaßnahmen vereinbar. Junge Menschen, in großen Gruppen ohne Mund- und Nasenschutz, geschweige denn Abstand tummelten sich dort. Ich spreche nicht von vereinzelten Personen oder Gruppen, es handelte sich förmlich um eine große Party!“, so seine Schilderung.

Die Polizei bestätigte gestern, dass im Tammerfeld die Parkfläche des Einkaufszentrums sowie der benachbarten Fastfood-Restaurants am Osterwochenende zum Treffpunkt der Poserszene geworden sind. Nach den Anrufen am späten Samstagabend seien mehrere Streifenbesatzungen gegen 22.30 Uhr ausgerückt. „Bereits bei deren Eintreffen entfernte sich ein Großteil der Fahrerinnen und Fahrer in unterschiedliche Richtungen“, berichtet die Polizei von dem Einsatz.

Anders als von dem Zeugen das Geschehen bei dem Poser-Treff geschildert wird, konnte die Polizei allerdings beim Zeitpunkt ihrer Kontrolle keine Verstöße gegen die Corona-Verordnung feststellen, so deren Bericht. Die Vermutung bei der Polizei: Die Poser haben sich eine Art Warnsystem ausgedacht und geben sich Hupzeichen, wenn anrückende Polizeiwagen bemerkt werden.

Am Samstag jedenfalls habe man den Platz vollends geräumt, berichtet die Polizei weiter, und nur die Gäste der Schnellrestaurants durften bleiben.

Rund 150 Fahrzeuge und über 250 Personen trafen Polizeibeamte dann am Sonntagabend zur selben Zeit bei einer weiteren Kontrolle des Parkplatzes an. Dabei bemerkten sie das Hup-Warnsystem. Beim Eintreffen der Polizisten hätten sich die Menschen vor Ort an Abstands- und Kontaktbeschränkungen gehalten und auch Mund-Nasen-Schutz getragen, berichtet Polizeisprecher Peter Wiedenhorn. Angesichts der Polizeipräsenz habe sich der Platz gegen Mitternacht geleert.

„Solange Autofahrer im Umfeld von Restaurants mit Abholangebot parken, sich dann dort aufhalten und dabei nicht gegen Coronaregeln verstoßen, haben wir kaum eine Handhabe“, sagt Widenhorn.

Dennoch will die Polizei näher hinschauen. „Wir werden uns in nächster Zeit verstärkt um diesen Bereich kümmern,“ kündigte gestern der Leiter des Polizeireviers Ludwigsburg, Polizeioberrat Christian Zacherle. Dies nicht zuletzt wegen der Tatsache, dass die abendlichen Besucher den Platz offenbar stark vermüllt zurückließen.

Ein Einschreiten der Behörden fordert der Zeuge in seinem Schreiben – und hätte sich das schon früher gewünscht: „Warum ist dieser Ort keine Anlaufstelle für regelmäßige Kontrollen? Dieser Ort ist kein Geheimtreff, seit eh und je wird sich dort nachts getroffen und gefeiert.“ Sein Appell an die Behörden: „Ich bitte Sie inständig darum, bitte unternehmen Sie etwas! Wir haben uns alle an die Regeln zu halten, um endlich wieder in die Normalität zurückkehren zu können! Stellen Sie einen privaten Sicherheitsdienst ein, führen Sie regelmäßige Kontrollen durch oder sperren Sie eben über Nacht einen Großteil des Parkplatzes. So wie sich jetzt diese Situation dort zeigt ist es ein Hohn für die Verstorbenen, die gebeutelten Unternehmen, Pflegekräfte und alle, die am Kampf gegen Corona mitwirken.“