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Infrastruktur

Wandelt sich auch der Bahnhofsbau?

Auf der politischen Agenda in Ludwigsburg nehmen auch 2019 Verkehrsprojekte einen großen Platz ein. Gleich zum Jahresanfang sollen sich die Stadträte mit den Plänen für den neuen Zentralen Omnibusbahnhof beschäftigen. Doch was passiert mit dem Bahnhof, wenn der ZOB umgestaltet wird?

Der Bahnhof gehört nicht zu Ludwigsburgs schönsten Orten. Vor allem die Gaststätte (rechts) ist vielen ein Dorn im Auge. Archivfoto: Ramona Theiss
Der Bahnhof gehört nicht zu Ludwigsburgs schönsten Orten. Vor allem die Gaststätte (rechts) ist vielen ein Dorn im Auge. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Planwerkstatt, Machbarkeitsstudie, Ideenwettbewerb – der Zentrale Omnibusbahnhof hat schon viele Experten beschäftigt. Auch wenn es bei der Planung in erster Linie um Busbuchten, die optimale Anordnung der Haltestellen und die Durchfahrt einer Stadtbahn geht, steht immer eine Frage im Raum: Was passiert eigentlich mit dem Bahnhofsgebäude?

1987 bejubelten die Ludwigsburger den Abriss des historischen Bahnhofsbaus, der als heruntergekommen und unmodern galt. Jahrzehnte später hadert man hingegen mit dem 1992 eingeweihten Nachfolge-Gebäude, oft despektierlich als „Einkaufszentrum mit Gleisanschluss“ tituliert. Der Ludwigsburger Bahnhof war einst ein Pilotprojekt: Erstmals hatte die Bahn einem Privatinvestor ein Gelände in Erbpacht überlassen, um ein Bahnhofsgebäude zu errichten.

Die Dibag Industriebau AG ist nach wie vor Eigentümerin des Gebäudes. In der Stuttgarter Niederlassung verfolgt man alle Pläne der Stadtverwaltung. Dass in dem von der Stadt initiierten Ideenwettbewerb für das Bahnhofsareal auch der Abriss des Bahnhofsgebäudes vorgeschlagen wurde, bringt Sven Kübler nicht aus der Ruhe. Er leitet die Stuttgarter Niederlassung der Dibag. „Projektentwicklung ist unser tägliches Geschäft“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Gedankenspiele um Modernisierungen, Umbauten oder Neubauten gehören selbstverständlich dazu – allerdings müsse alles im Einvernehmen mit den Mietern geschehen. Und die sehen den Bahnhof längst nicht so negativ, wie dies in der Öffentlichkeit oder der Kommunalpolitik oft der Fall ist. „Alle unsere Mieter sind zufrieden mit ihren Geschäften“, sagt Kübler. Betrachtet man die Frequenz am Bahnhof, fällt es nicht schwer, dies zu glauben. Auch die Gespräche unserer Zeitung mit Einzelhändlern zeigen: Die Umsätze sind bei vielen sehr gut.

Sven Kübler ist seit 2002 für den Bahnhof verantwortlich. Aktuell beschäftigt ihn, wie es auf der großen Einzelhandelsfläche weitergeht, die seit Ende 2015 vom Spielzeuggeschäft Toys‘R‘us gemietet ist. Auf der rund 3000 Quadratmeter großen Fläche hatte die Elektronik-Kette Saturn bis zu ihrem Umzug in den neu eröffneten Marstall eine Filiale betrieben. In den kommenden Wochen werde sich entscheiden, ob Toys‘R‘us am Standort bleibt oder die Fläche anderweitig genutzt wird.

Insgesamt zeigt er sich mit der Entwicklung zufrieden: „Alle Neuvermietungen der vergangenen Jahre haben den Bahnhof aufgewertet.“ Der Kiosk in der Unterführung, in dem regelmäßig Alkohol verkauft und getrunken wurde, ist beispielsweise verschwunden. „Wir sind noch nicht ganz am Ziel“, räumt er aber ein.

Die oft geäußerte Pauschalkritik am „Einkaufszentrum mit Bahnanschluss“ kann Sven Kübler jedoch nicht nachvollziehen. „Handel ist die lebhafteste Nutzung, die man sich für einen Bahnhof vorstellen kann.“ Er sieht es als Vorteil, die Flächen durch Handel zu beleben, statt große, leere Verkehrswege zu haben. Dass das Publikum ganz gemischt ist, verstehe sich von selbst: „Es ist und bleibt ein Bahnhof, der den ganzen Blumenstrauß der Gesellschaft abbildet.“

Die Sicherheitspartnerschaft, bei der Stadt, Bahn und die Dibag an einem Strang ziehen, bewertet er als sehr positiv. Auch die Videoüberwachung im Bahnhofsgebäude habe die Sicherheit erhöht: „Die monatlichen Berichte der Staatsanwaltschaft werden seitdem merklich dünner.“ Als „neue Herausforderung“ bezeichnet er den freien Internetzugang rund um das Bahnhofsgebäude, der vor allem von jungen Migranten genutzt wird. Die Zahl der Internetnutzer sei doch beachtlich, Menschentrauben, die die Eingänge blockieren, an der Tagesordnung. „Wir werden in diesem Jahr auch darüber reden müssen, wo die höhere Präsenz bei den Sicherheitskräften herkommt“, so Kübler mit Blick auf den Sicherheitsdienst und dessen Kosten.

Wenn es um den neuen ZOB geht, ist er noch zurückhaltend. Er verweist darauf, dass die Dibag immer wieder Modernisierungen vorgenommen habe und in zeitgemäße Dinge investiere – wie beispielsweise das Beleuchtungskonzept, das das Sicherheitsgefühl verbessert hat. Und wenn in einigen Jahren der ZOB barrierefrei umgebaut wird? „Bei einer Neuordnung des Quartiers werden auch wir unsere Rolle wahrnehmen“, sagt Sven Kübler. Das klingt wie ein Versprechen.

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