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Warum Blumen Schelle in Ludwigsburg nach über 120 Jahren schließt

Nach über 120 Jahren ist Schluss. Blumen Schelle in der Myliusstraße wird am Samstag, 26. März, den letzten Tag geöffnet haben. Dann schließt sich die Ladentür für immer. Für Inhaberin Nicole Schelle geht damit auch ein Stück Familiengeschichte zu Ende.

Nicole Schelle an der Türe ihres Geschäfts in der Myliusstraße. Foto: Holm Wolschendorf
Nicole Schelle an der Türe ihres Geschäfts in der Myliusstraße. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. „Es ist traurig“, sagt Nicole Schelle. Viele Kunden haben sich inzwischen bei ihr verabschiedet. Viele Tränen sind schon geflossen. Doch so sehr es schmerzt, es sei die richtige Entscheidung. Es sind gesundheitliche Gründe, die die Floristin mit Meisterbrief zum Aufhören bewegt haben. „Meine Mitarbeiter sind im Rentenalter, der Lehrling hat ausgelernt. Es ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt.“

Urgroßvater war königlicher Hoflieferant

Es war Nicole Schelles Urgroßvater August, der 1898 in der Robert-Koch-Straße eine Gärtnerei eröffnete. Seit etwa 1900 existiert der Blumenladen in der Myliusstraße 4. Blumen Schelle, das war ein Begriff in Ludwigsburg. Wenn Prinzessin Pauline einen Strauß brauchte, ging sie zu Blumen Schelle – damals noch in der Rosenstraße. August Schelle war königlicher Hoflieferant. Er wusste, was der Prinzessin und den anderen Dame am Hofe gefiel.

Die Gärtnerei zog in die Rosenstraße um. Während des Krieges wurden hier statt Blumen Obst und Gemüse angebaut, das im Laden verkauft wurde. Die Gärtnerei gibt es nicht mehr. Statt Gewächshäusern stehen hier Wohnhäuser.

Die ganze Familie steht hinter der Entscheidung

Das Geschäft zu schließen, ist eine Entscheidung, die die ganze Familie trägt, erzählt Nicole Schelle. Ihre Eltern, die das Geschäft 1979 übernommen und viele Jahre geführt hatten, sind ebenso damit einig wie die Kinder, die ihre eigenen Wege eingeschlagen haben.

Viele Frischblumen stehen nicht mehr im Ladengeschäft. Auch von den Keramik-Artikeln ist nicht mehr allzu viel da. „Wir haben alles auf die Straße gestellt, es sieht hier schon sehr leer geräumt aus“, sagt die Chefin. Es falle ihr schwer, das anzusehen. „Ich bin hier im Laden aufgewachsen.“ Nun wird in der Myliusstraße ein neues Kapitel aufgeschlagen. Was der Blumen Schelle nachfolgt, ist noch nicht bekannt.

Vom ersten Strauß für die Mutter bis hin zum Grabschmuck

Nicht nur Prinzessin Pauline war dem Geschäft treu. Viele der Kunden kamen seit Jahrzehnten, um sich hier Blumen zu kaufen. „Zuerst kommen sie, um ein kleines Blümchen zum Muttertag zu kaufen, später einen Strauß für die Freundin. Dann machen wir die Dekoration für die Hochzeit, und sehr oft tragen wir diese Menschen mit unseren Blumen zu Grabe“, erzählte Senior-Chefin Ruth Schelle einmal im Gespräch mit unserer Zeitung. Manch einer hat Blumen im Vorbeigehen gekauft. Auf dem Weg vom oder zum Bahnhof. Andere haben für einen ganz speziellen Anlass gekauft, wie zum Beispiel der Mann, der für einen Heiratsantrag rote Rosen aus einem Flugzeug hat regnen lassen.

Am Samstag wird Blumen Schelle das letzte Mal geöffnet haben. Für viele Kunden Gelegenheit, Abschied zu nehmen.

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