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Politisches Frühstück

Was Frauen auf der Karriereleiter ausbremst

Aus ganz persönlicher Erfahrung hat Sonja Fritze beim politischen Frauenfrühstück am Sonntag über Barrieren bei der beruflichen Entwicklung von Frauen berichtet. Davon gebe es zahlreiche – ob auf Arbeitgeberseite, im gesellschaftlichen und sozialen Umfeld oder bei den Frauen selbst.

Sonja Fritze (Mitte mit schwarzem Kostüm) zwischen Stadträtinnen und anderen Teilnehmerinnen des politischen Frauenfrühstücks im Hans-Klenk-Haus.Foto: Andreas Becker
Sonja Fritze (Mitte mit schwarzem Kostüm) zwischen Stadträtinnen und anderen Teilnehmerinnen des politischen Frauenfrühstücks im Hans-Klenk-Haus. Foto: Andreas Becker

Das Frühstück am Internationalen Frauentag in der Cafeteria des Hans-Klenk-Hauses der Arbeiterwohlfahrt hat Tradition. Und es findet statt – ob in Zeiten der Angst vor dem Coronavirus oder an einem Sonntag. „Wir können uns schließlich nicht aussuchen, wann uns die Frauenrechte gut reinlaufen und wann nicht“, sagte Alexandra Metzger, Awo-Mitarbeiterin und SPD-Stadträtin, die die Gesprächsrunde moderierte.

Zu Gast waren neben Sonja Fritze Vertreterinnen der im Gemeinderat vertretenen Parteien, wie Arezzo Shoaleh (Grüne), Uschi Traub (CDU), Margit Liepins (SPD), Gabriele Moersch (FW) und Stefanie Knecht (FDP). Der Frauentag habe angesichts der Benachteiligung von Frauen in der Wirtschaft nach wie vor Berechtigung gab Judith Raupp, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ludwigsburg, zu bedenken. Sie berichtete von den Erkenntnissen der Allbright-Stiftung, nach der Männer vor allem Männer rekrutieren, die ihnen ähnlich sind. Das wird auch als Thomas-Kreislauf bezeichnet.

Eine gute Ausbildung ist das A und O

Wie sich dieser durchbrechen lässt, berichtete Sonja Fritze, die Mathematik, Maschinenbau sowie Informatik studiert hat. Bei Bosch trägt sie die Verantwortung für 400 Mitarbeiter, die meisten sind Männer. „Ich bin stolz darauf, das erreicht zu haben“, so die 52-Jährige, die verheiratet ist und zwei erwachsene Söhne hat. Ihr Ehemann habe sie nicht nur unterstützt, sondern aktiv gepusht. „Die größte Barriere war die, dass ich nicht wusste, wie Karriere funktioniert“, erzählte Sonja Fritze, die aus einfachen Verhältnissen stammt. Viele Frauen ihrer Generation seien oft zu zurückhaltend und zu bescheiden. Sie würden darauf warten, auch im Beruf wachgeküsst zu werden.

Das funktioniere allerdings nicht, wenn man beruflich voran kommen möchte. „Wenn ich nicht sage, was ich möchte, versteht mein männlicher Vorgesetzter mich nicht“, gab sie zu bedenken.

Sie appellierte an die anwesenden Mütter und Großmütter, mit Töchtern und Enkelinnen auch mal über deren Karrierepläne zu reden. „Wenn sie Kunstgeschichte studieren, werden Sie nicht CEO bei einem technischen Unternehmen“, machte sie deutlich. Eine gute Ausbildung sei das A und O, um Karriere zu machen, hinzu komme eine große Portion Leistungsbereitschaft. „Man muss gesehen werden und bekannt sein“, so ihr Tipp. Außerdem riet sie dazu, Netzwerke zu knüpfen, sich in der Mittagspause nicht nur zu den Kolleginnen zu setzen, sondern die Nähe zu Vorgesetzten zu suchen.

Fritze machte keinen Hehl daraus, dass es seinen Preis hat, beruflich erfolgreich zu sein. Man müsse länger in der Firma bleiben und nach Möglichkeit Teilzeitarbeit und längere Auszeiten vermeiden. Allerdings setze das auch gesellschaftliche Veränderungen voraus, wie längere Kita-Öffnungszeiten. Sie trat für eine ganz bewusste Frauenförderung ein und forderte, neue Rollenbilder von intelligenten, erfolgreichen Frauen zu schaffen. „Weg mit den Barbies, her mit den Angies“, so ihr Appell. Vor allem dürften Frauen nicht resignieren und keinesfalls zu früh aufgeben.

Was die Politik tun kann, damit beschäftigten sich die Gemeinderätinnen. Arezzo Shoaleh trat für eine verbindliche Frauenquote bei der Besetzung von Führungskräften in Unternehmen ein. „Für Frauen ist es eine große Herausforderung das zu erreichen, was Männer erreichen“, gab sie zu bedenken. Deutschland benötige Fach- und Führungskräfte sowie Kinder, so Uschi Traub. Die Politik sei gefordert, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, forderte die Gemeinderätin und plädierte dafür, Mädchen technische Themen schmackhaft zu machen.

Familien müssen sich organisieren

Weil Frauen oftmals weniger verdienen als Männer, würden sie in der Familienzeit zu Hause bleiben, gab Gabriele Moersch zu bedenken. Sie habe jedoch bei der jüngeren Generation eine Bewusstseinsänderung festzustellen, so die Mutter von vier erwachsenen Töchtern und einem Sohn. Margit Liepins berichtete über das aktuelle Auswahlverfahren für die Besetzung der vierten Bürgermeisterstelle bei der Stadt. Kritik übte sie daran, dass eine Bewerberin von einem Gemeinderat in nicht-öffentlicher Sitzung gefragt worden sei, wie sie die Betreuung ihrer drei Kinder während der abendlichen Sitzungen regeln wolle.

Stefanie Knecht bestätigte, dass es wichtig sei, bei dem Thema Beteiligung von Frauen dran zu bleiben. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf funktioniert nur, wenn die Familien das organisieren. Man muss die Männer mitnehmen“, betonte Judith Raupp.

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