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Fragen und Antworten

Was Sie über den Impfstopp von Astrazeneca wissen müssen

Vorerst sind alle Impftermine mit dem Vakzin von Astrazeneca deutschlandweit abgesagt. Nach dieser Nachricht erreichten einige Anrufe und E-Mails unsere Redaktion, denn auch in Ludwigsburg sind viele Fragen aufgetaucht. Wir haben die Antworten darauf.

Einige Stühle bleiben leer: Auch in Ludwigsburg fällt wegen des Impfstopps von Astrazeneca der Großteil der Termine aus. Foto: Martin Schutt/dpa
Einige Stühle bleiben leer: Auch in Ludwigsburg fällt wegen des Impfstopps von Astrazeneca der Großteil der Termine aus. Foto: Martin Schutt/dpa
Ludwigsburg.

Wie lange gilt der Impfstopp?

Der Bund nennt keinen genauen Zeitraum, in dem das Impfen mit Astrazeneca ausgesetzt wird. Man wartet auf die neue Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts.

Was bedeutet das für meinen Termin in dieser Zeitspanne?

Diese werden laut Sozialministerium in Baden-Württemberg bis einschließlich kommenden Montag alle abgesagt. Spätere Termine bleiben zunächst bestehen. Nicht von dem Stopp betroffen sind alle mit den Impfstoffen Biontech oder Moderna gebuchten Termine.

Mein Termin wurde abgesagt. Muss ich mich noch mal um einen Termin bemühen?

Alle Impfberechtigten, deren Termin abgesagt wurde, kommen auf eine interne Warteliste des Ludwigsburger Kreisimpfzentrums, so ein Sprecher des Landratsamtes. Die Mitarbeiter werden die Liste, sobald eine Freigabe für Astrazeneca vorliegt, abtelefonieren. Dies kann einige Zeit dauern, die Berechtigten bekommen jedoch ein Impfangebot. Das Vorgehen werde aktuell mit dem Land abgestimmt.

Ich habe erst später meinen Termin. Bleibt dieser gültig?

Ja, Stand jetzt bleiben in Baden-Württemberg alle Termine bestehen, die nach kommendem Montag sind. Je nachdem, wie lange es dauert, dass die Impfungen mit Astrazeneca wieder aufgenommen werden, könnten allerdings auch spätere Termine betroffen sein.

Was passiert jetzt mit dem Impfstoff?

Das Vakzin von Astrazeneca kann im Kühlschrank über mehrere Monate gelagert werden. Da die Aufforderung zum Impfstopp am Montag mitten im Impfbetrieb kam, waren in Ludwigsburg bereits Spritzen mit Astrazeneca aufgezogen. In diesem Fall ist der Impfstoff nur noch drei Stunden verwendbar. Die rund 100Spritzen mussten entsorgt werden, so der Sprecher des Landratsamtes.

Lesen Sie hier: Keine Impfstoffe im Kreis mit Astrazeneca

Ich gehöre zur Prioritätengruppe 2. Kann ich jetzt mit einem anderen Impfstoff geimpft werden?

Dadurch, dass es jetzt viel weniger Impfstoff gibt, werden nun die Personen aus der ersten Priorität bevorzugt. „Wir werden die stark verminderten Impfstoffmengen jetzt dazu nutzen, die besonders vulnerablen Menschen aus der ersten Priorität vorrangig zu impfen. Deshalb hat die Abarbeitung der Warteliste mit Menschen über 80 und über 65 aus Berufsgruppen aus der ersten Priorität jetzt absoluten Vorrang“, so Gesundheitsminister Manne Lucha.

Ich hatte bereits den Ersttermin mit Astrazeneca. Verliert der Impfstoff die Wirksamkeit, wenn der Zweittermin nach hinten verschoben wird? Und kann ich überhaupt noch mit einem anderen Impfstoff geimpft werden, sollte Astrazeneca gar nicht mehr verwendet werden dürfen?

Menschen, die nach einer ersten Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff wegen des vorläufigen Stopps keine zweite Dosis erhalten, müssen sich nach Ansicht von Experten zunächst keine Sorgen um fehlenden Immunschutz machen. „Nach allem, was wir wissen, ist es nicht problematisch, die zweite Impfung aufzuschieben“, sagte Stefan Kaufmann, emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin. Michael Lohoff von der Philipps Universität Marburg weist auf den hohen Schutz vor schweren Verläufen hin, der nach der ersten Impfung aufgebaut werde. „30 Tage nach der ersten Impfung haben wir einen sehr guten Schutz vor schweren Verläufen. Das ist schon mal super.“ Grundsätzlich sei eine zweite Impfung allerdings besser, um das Immunsystem neu zu stimulieren. Es sei denkbar, die zweite Impfdosis mit einem anderen Impfstoff vorzunehmen, sagte Kaufmann. „Wir haben im Zusammenhang mit den Corona-Impfstoffen wenig Erfahrung damit. Aus immunologischer Sicht spricht aber nichts dagegen.“

Ich wurde bereits mit Astrazeneca geimpft. Worauf muss ich jetzt achten?

Das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt: Wer vier bis 14 Tage nach einer Impfung mit Astrazeneca anhaltende Kopfschmerzen entwickelt oder punktförmige Hautblutungen bei sich entdeckt, sollte sich dringend in ärztliche Behandlung begeben.

Bei Einnahme der Antibabypille kann es auch zu Thrombosen kommen. Warum dann jetzt die Aufregung um Astrazeneca?

In sozialen Netzwerken werden aktuell die Thrombosefälle bei Astrazeneca (sieben von einer Million Menschen) mit denen bei der Antibabypille verglichen (800-1200 von einer Million Frauen). Für Antibabypillen seien Thrombosen als Nebenwirkung in der Patienteninformation aufgeführt, so das Bundesgesundheitsministerium. Jede Frau, die eine Verordnung über eine Antibabypille erhält, müsse vom verordnenden Arzt über das Risiko aufgeklärt werden. Für die Astrazeneca-Impfung ist die seltene Nebenwirkung einer Sinusvenenthrombose mit teils tödlichem Verlauf bisher nicht in der Patienteninformation aufgeführt. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach äußerte sich dazu am Dienstag wie folgt: „Die Thrombosen, die es nach Einnahme der Pille gibt, sind nicht in der Schwere vergleichbar mit den Thrombosen, über die wir hier sprechen.“

Was geschieht nun mit der eigentlich ab April geplanten flächendeckenden Impfung durch Hausärzte?

Man weiß es nicht. Es sei ja bisher nicht absehbar, bis wann die Impfungen mit Astrazeneca in Deutschland ausgesetzt bleiben werden und wie es weitergeht, erklärt ein Sprecher des Sozialministeriums. „Ob und welche Auswirkungen dies auf die geplante breitere Beteiligung der Praxen haben wird, lässt sich daher noch nicht abschätzen.“

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