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Eglosheim

Was steckt hinter dem rätselhaften Anschlag auf die Park-Apotheke in Eglosheim?

Warum wurde auf die Park-Apotheke in Eglosheim ein schwerer Brandanschlag verübt? Die Inhaber und die Polizei stehen vor einem großen Rätsel. Und im Stadtteil ist man schockiert.

Das Geschäftshaus mit Wohnungen in Eglosheim. Seit dem Anschlag ist die Apotheke geschlossen. Der Täter legte das Feuer über einen Lüftungsschacht am Seiteneingang. Foto: Ramona Theiss
Das Geschäftshaus mit Wohnungen in Eglosheim. Seit dem Anschlag ist die Apotheke geschlossen. Der Täter legte das Feuer über einen Lüftungsschacht am Seiteneingang. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Am Tag nach Weihnachten macht sich ein etwa 25 Jahre alter Mann gegen 7.20 Uhr auf den Weg zur Park-Apotheke in der Geisinger Straße in Eglosheim. Es ist Montagmorgen und der Unbekannte, der von Zeugen als schlank, etwa 180 cm groß, mit hellen kurzen Haaren beschrieben wird, trägt eine brennende Fackel bei sich. Am Hintereingang der Apotheke hebelt er einen Lüftungsschacht auf und wirft einen mit Brandbeschleuniger bearbeiteten Gegenstand in die Apotheke. Es entwickelt sich ein kleines Feuer, das sich allerdings nicht weiter ausbreitet. Trotzdem evakuiert die Feuerwehr mehrere Wohnungen im Umfeld.

Schaden im sechsstelligen Bereich

Die Folgen dieser unerklärlichen Tat sind den Betroffenen erst in den vergangenen Tagen klar geworden. Aufgrund der Rauchentwicklung in der Apotheke müssen die Medikamente wohl komplett entsorgt werden. Die Polizei geht mittlerweile von einem Schaden in sechsstelliger Höhe aus – also mehr als 100000 Euro. Obwohl es nur ein kleines Feuer war, sind alle Räume betroffen. Seit dem Vorfall ist die Park-Apotheke geschlossen.

Hüsniye Inaloglu, die die Apotheke gemeinsam mit ihrem Mann betreibt, weiß noch nicht, wie es weitergeht. Es kann noch einige Tage dauern, aber auch Wochen, bis die Apotheke wieder öffnet, sagt Murat Inaloglu im Gespräch mit unserer Zeitung. Zumindest das Labor der Apotheke – dort ist der Brandsatz gelandet – muss komplett renoviert werden. „Überall riecht es verbrannt. Auch im Verkaufsraum“, sagt Inaloglu.

Wer tut der Familie, die sich seit vielen Jahren in Eglosheim engagiert, so etwas an? „Wir haben überhaupt keine Erklärung für das.“

Das Ehepaar hat die Apotheke 2014 übernommen. Das Ladengeschäft liegt in einem großen Wohn- und Geschäftshaus, durch dessen Untergeschoss sich eine kleine Ladenpassage zieht. Über den Geschäften befinden sich mehrere Wohnungen. Man kann erahnen, was passiert wäre, wenn das Feuer in der Apotheke voll ausgebrochen wäre. Dann hätte es Tote geben können. Das ist auch der Grund, warum die Polizei wegen schwerer Brandstiftung ermittelt.

Hüsniye und Murat Inaloglu haben sich in den vergangenen Jahren darum bemüht, das Umfeld ihrer Apotheke und des gesamten Gebäudekomplexes, der mitten in einem großen Wohnquartier liegt, aufzuwerten. Sie haben sich um Behindertenparkplätze und Sitzgelegenheiten gekümmert. Murat Inaloglu könnte sich auch Obst- und Gemüsestände auf dem kleinen Platz vor dem Geschäftshaus vorstellen, um diesen städtischen Raum mehr zu beleben. Die Apotheker sind zudem Sponsor des TSV Ludwigsburg. Die eigenen Kinder spielen dort Hockey.

Gibt es einen politischen Hintergrund?

2018 haben sie die leerstehende Volksbankfiliale in dem Geschäftshaus gekauft. Seither ist die Park-Apotheke dort untergebracht. Auf der bisherigen Fläche – am anderen Ende der Passage – haben die Inaloglus ein Corona-Schnelltestzentrum eröffnet.

Die Park-Apotheke ist die einzige Apotheke im neuen Teil Eglosheims. Tausende Menschen leben im Einzugsbereich. Viele davon sind im Seniorenalter und auf eine wohnortnahe Apotheke angewiesen. „Der Anschlag trifft uns sehr“, sagt eine Anwohnerin. Auch für sie ist das Motiv ein großes Rätsel.

War es am Ende eine Tat mit rechtsradikalem Hintergrund? Die Polizei verneint. Auch andere politische Motive werden zum derzeitigen Ermittlungsstand ausgeschlossen, so ein Sprecher gegenüber unserer Zeitung. Wie viele Hinweise sie schon bekommen hat und ob dabei eine heiße Spur ist, gibt die Polizei nicht bekannt. Nur so viel: „Die Ermittlungen zu einem möglichen Tatverdächtigen laufen nach wie vor. Wir können uns mit Rücksicht darauf aber nicht weiter dazu äußern.“

Für Hüsniye und Murat Inaloglu wäre es eine große Erleichterung, wenn der Täter gefunden und sein Motiv geklärt wird. Sie wurden nicht nur in ihrer wirtschaftlichen Existenz angegriffen. „Meine Frau hat seither Angst“, sagt Murat Inaloglu. „Wir verstehen die Welt nicht mehr. Wir sind doch nur Apotheker.“

Info: Personen, die verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben oder Hinweise zum Täter geben können, werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizei, (0800) 1100225, zu melden. Neben der genannten Personenbeschreibung ist Folgendes über den Mann bekannt: Er soll ein weißes, offenbar schmutzigen T-Shirt und eine Jeans getragen haben.

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