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Sonderzahlung

Weihnachtsgeld auch in der Krise

Die tarifgebundenen Unternehmen in der Region überweisen den Betrag wie gewohnt meistens schon im November

53 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland erhielten im vergangenen Jahr zu Weihnachten eine Sonderzahlung. Foto: Monika Skolimowska/dpa
53 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland erhielten im vergangenen Jahr zu Weihnachten eine Sonderzahlung. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Ludwigsburg.. Im vergangenen Jahr konnten sich zu Weihnachten 53 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland über eine Sonderzahlung freuen, wie eine Onlinebefragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung mit über 139000 Teilnehmern ergab. „Am höchsten stehen die Chancen auf ein Weihnachtsgeld, wenn das Unternehmen an einen Tarifvertrag gebunden ist“, so das Fazit von Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs.

Dass beim Weihnachtsgeld zwischen tarifgebundenen und tarifungebundenen Firmen unterschieden werden muss, betonte auch Susanne Thomas von der Geschäftsstelle der Gewerkschaft IG Metall in Ludwigsburg. Abweichungen von der tarifvertraglich vereinbarten Höhe und Auszahlart bedürften der Zustimmung der Vertragsparteien. „Aktuell anhängige Verhandlungen bewegen sich eher auf dem Niveau von Personalabbau und Insolvenz als auf dem Niveau des Weihnachtsgeldes“, ergänzte Thomas.

Auszahlung wird nicht vorgezogen

Bei den Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie in Nordwürttemberg und Nordbaden bewegt sich das Weihnachtsgeld laut Tarifvertrag zwischen 25 Prozent eines Monatsverdienstes nach sechs Monaten Betriebszugehörigkeit und 55 Prozent nach 36 Monaten. Mehrere Politiker hatten diesen Herbst gefordert, das Weihnachtsgeld schon mit dem Oktobergehalt auszuzahlen, damit es dem Einzelhandel früher zugutekommt. Ein solcher Fall ist der IG Metall Ludwigsburg bislang aber nicht bekannt.

Auch der baden-württembergische Landesbezirk der Gewerkschaft Verdi geht nicht davon aus, dass das Weihnachtsgeld wegen der Coronapandemie früher kam. „Oft wird das Weihnachtsgeld ohnehin mit dem Novembergehalt ausgezahlt und ist damit schon bald fällig“, so Pressesprecher Andreas Henke. Das von Verdi tarifvertraglich geregelte Weihnachtsgeld falle je nach Branche sehr unterschiedlich aus: „In der Regel aber zwischen 50 und 100 Prozent eines Monatsgehaltes. Manchmal auch gestaffelt nach Entgeltgruppen, so dass die unteren Einkommen prozentual mehr bekommen.“

Wie eine Umfrage bei Unternehmen in der Region ergeben hat, bezahlen die meisten im November wie gewohnt Weihnachtsgeld. Wo ein Tarifvertrag besteht, ändert sich auch an der Höhe der Sonderzahlung durch die Coronakrise nichts. So wird etwa bei der Firma Lotter in Ludwigsburg das Weihnachtsgeld nach den bisherigen Regeln ausbezahlt. „Es gibt keine Veränderungen nach oben oder nach unten“, sagte Helmut Ernst, Geschäftsführer und Gesellschafter des Handelsunternehmens. Je nach Betriebszugehörigkeit reiche der Betrag von einem halben bis zu einem ganzen monatlichen Tarifgehalt. Beim Maschinen- und Anlagenbauer Dürr in Bietigheim-Bissingen beträgt das Weihnachtsgeld zwischen 25 und 60 Prozent eines Bruttomonatsgehaltes, je nach Tarif und Betriebszugehörigkeit. „Wir sehen weder die Möglichkeit noch die Notwendigkeit, etwas zu ändern“, so Pressesprecher Andreas Schaller.

Der Marbacher Hersteller von Spanntechnik Hainbuch hält es genauso. „Wir segeln nach dem Tarifvertrag der Metallindustrie und zahlen unseren Mitarbeitern jährlich im November ihr Weihnachtsgeld aus. Das entspricht einem halben Monatsgehalt“, antwortete die Geschäftsführende Gesellschafterin Sylvia Rall. Auch beim Bekleidungshersteller Olymp in Bietigheim-Bissingen gehen die Mitarbeiter nicht leer aus. „Wie all die Jahre zuvor wird die Olymp Bezner KG auch im anspruchsvollen Geschäftsjahr 2020 eine Weihnachtsgratifikation als zusätzliches Entgelt zum Monatsgehalt in gewohntem Umfang an ihre Mitarbeiter ausbezahlen“, sagte Olymp-Chef Mark Bezner. Das Weihnachtsgeld entspreche gemäß Tarif einem Monatslohn und werde als 13. Gehalt im November vergütet. Bei Bosch beträgt das Weihnachtsgeld gemäß Tarifvertrag bis zu 55 Prozent des Monatsgehalts, heißt es aus der Zentrale in Gerlingen.

Bei Kurzarbeit Reduzierung möglich

Die Mitarbeiter des Werkzeugmaschinen- und Lasertechnikherstellers Trumpf in Ditzingen erhalten zwei Sonderzahlungen. „Da wir ein unterjähriges Geschäftsjahr haben, zahlen wir die Gewinnbeteiligung im Oktober aus, zwei Monate später folgt das Weihnachtsgeld“, sagte Pressesprecher Athanassios Kaliudis. Das Weihnachtsgeld richte sich nach den Tarifvereinbarungen in der Metall- und Elektroindustrie. Auch die Mitarbeiter, die in Kurzarbeit waren, erhielten den vollen Betrag, obwohl das Unternehmen laut Tarif das Weihnachtsgeld anteilig kürzen könne.

Bei der Volksbank Ludwigsburg bekommen die Beschäftigten – ebenfalls gemäß Tarifvertrag – Mitte November ein 13. Monatsgehalt. Auch bei der Kreissparkasse Ludwigsburg sowie beim Finanzdienstleister Wüstenrot&Württembergische mit einem Standort in Ludwigsburg gibt es für die Mitarbeiter Sonderzahlungen entsprechend den Tarifen.

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