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Weißes Dinner legt eine Pause ein

Den Gastwirten ist der Aufwand zu hoch, der Gewinn ist dagegen zu gering

Ein Bild vom vorerst letzten Weißen Dinner aus dem Jahr 2018.Foto: Theiss
Ein Bild vom vorerst letzten Weißen Dinner aus dem Jahr 2018. Foto: Theiss

Ludwigsburg. Die weißen Kleider, Oberteile, Hosen und Hüte konnten in diesem Jahr im Schrank bleiben: Zumindest wurden sie nicht benötigt, um beim Weißen Dinner über die Eberhardstraße zu flanieren und zu feiern. Nachdem das Fest fünf Jahre auf große Resonanz gestoßen war, ist es in diesem Jahr ausgefallen. Gestorben ist die Veranstaltung nicht, vielmehr ist von einer Pause die Rede. „Wir wollen diese Veranstaltung auf jeden Fall wieder in Angriff nehmen“, betonte Benedikt Wegele vom Innenstadtverein Luis.

Es habe viele Nachfragen gegeben, warum dieses Fest in diesem Jahr nicht stattfindet. Doch es liegt nicht allein an Luis: Die Idee des Quartiersfestes bestehe darin, dass die Beteiligten sich zusammentun, Luis unterstütze nur, so Wegele. Als Punkte nannte er Versicherungen und die Straßenabsperrung in Absprache mit der Stadtverwaltung.

Doch woran ist die beliebte Veranstaltung gescheitert? Der Mehrzahl der bis dato beteiligten Gastwirte sei der Aufwand – sowohl personell als auch finanziell – schlicht und einfach zu groß gewesen, sagte Claudia Pelz auf Anfrage unserer Zeitung. Die Inhaberin der Werbeagentur Weadyou, die auf der Eberhardstraße ansässig ist. Sie war eine der Hauptinitiatorinnen dieses Events, das Axel Müller vom Innenstadtverein Luis ins Leben gerufen und mit Herzblut organisiert hat. Seit März dieses Jahres ist Claudia Pelz Beirätin des Innenstadtvereins Luis und als Quartiersbeauftragte für die Eberhardstraße tätig.

Als Geschäftsführerin von Weadyou habe sie nicht von dem Diner en Blanc profitiert, da sie keine Speisen oder Getränke angeboten habe, sagte sie. Es habe allerdings einen erheblichen Stundenaufwand der Organisation und Absprachen gegeben.

Hinzugekommen sei der Weggang von Axel Müller, der als Ideengeber dieses Events die organisatorischen Fäden gezogen hatte. „Alle Beteiligten haben sich deshalb darauf geeinigt, dieses Jahr zu pausieren“, so Pelz. Sie macht keinen Hehl aus ihrer Hoffnung, dass die Veranstaltung, eventuell auch mit verändertem Konzept, im nächsten Jahr wieder stattfinden wird.

Hoffen auf ein Umdenken

Hoffnung setzt sie auf den neuen Citymanager Markus Fischer, der am 1. Oktober bei Luis seine Tätigkeit aufnehmen wird. Er könnte als Moderator versuchen, möglichst viele Beteiligte an einen Tisch zu bringen und dazu beitragen, dass alle wieder an einem Strang ziehen. Es habe einen „lauten Aufschrei“ von Stammgästen dieser Veranstaltung gegeben. Claudia Pelz hofft, dass dieser die Gastwirte zum Umdenken bewegt.

Bei einem Nachtreffen, das im vorigen Jahr auf der Weinlaube stattgefunden hat, sei die Entscheidung gegen das Weiße Dinner im Jahr 2019 gefallen, so die Luis-Beirätin. Damals stellte sich heraus, dass die Mehrzahl der Gastwirte nicht mehr mitmachen wollen. Sie hätten argumentiert, dass die Kosten im Vergleich zu dem Gewinn zu hoch gewesen seien. Absperrung, Müllabfuhr, Toilettenwagen und Sicherheitskonzept würden schwer zu Buche schlagen. Finanziert wurde dieses Event unter anderem durch die Tische, die die Gastwirte bezahlt und an ihre Gäste gegen einen Verzehrgutschein vermietet hatten.

Claudia Pelz machte aber auch deutlich, dass die Last der Organisation und des Aufbaus letztendlich auf den Schultern zu weniger Leute gelegen habe. „Das muss anders laufen“, steht für sie fest. Auch der Name für diese Veranstaltung ist für sie nicht in Stein gemeißelt, zumal sich der Gedanke des Diners en blanc, bei dem die Gäste Getränke und Speisen selbst mitbringen, sich letztendlich nicht umsetzen ließ.

„Es hätte schon die eine oder andere Location gegeben“, bestätigte sie, dass das Parkdeck der Wilhelmgalerie und auch das Residenzschloss als Veranstaltungsort im Gespräch gewesen seien. Letztendlich seien diese Pläne wegen des hohen Organisationsaufwands gescheitert. Sie plädiert deshalb dafür, dieses Event auf der Eberhardstraße zu belassen. Ohne die Beteiligung der ansässigen Gastronomie werde das aber nicht funktionieren. „Wir können ja schlecht Foodtrucks aufstellen“, machte sie deutlich.

Der Zusammenhalt in der Bunten Eberhardstraße, als die sich die Straßengemeinschaft gerne bezeichnet, soll jetzt durch kleinere Events gestärkt werden. Zum einen findet ein monatliches Treffen statt, das für alle Beteiligte offen ist. Zusammen mit dem Café Bönne veranstaltet die Designagentur Weadyou am Donnerstag, 15. August, ab 18 Uhr eine After-Work-Party mit „chilliger Beathousemusik“, so Claudia Pelz. Beim Kastanienbeutelfest am Sonntag, 13. Oktober, soll ein Flohmarkt in den Innenhöfen entlang der Eberhardstraße stattfinden. „Das sind Sachen, die man ohne großen Aufwand und ohne Straßensperrung stemmen kann“, betonte die Quartiersbeauftragte.

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