Logo

Filmfestival

Welten im Miniaturformat

Filmamateure Unterer Neckar tun sich zusammen und zeigen beim Regionalwettbewerb 16 Produktionen

Die Jury schaut genau hin (von links): Philipp Rösner, Wolfgang Görner, Eva Schulmayer, Lutz Schulze und Bergit Bergmann. Foto: Oliver Bürkle
Die Jury schaut genau hin (von links): Philipp Rösner, Wolfgang Görner, Eva Schulmayer, Lutz Schulze und Bergit Bergmann. Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Hobbyfilmern geht es nicht anders als anderen Menschen, die künstlerisch oder dokumentarisch tätig werden. Die eigene Arbeit ist zwangsläufig eine Interpretation der eigenen Umwelt. Und so spiegelt sich in den 16 Beiträgen des Regionalwettbewerbs, den der Ludwigsburger Filmclub (LFC) gemeinsam mit den Filmclubs der Region „Unterer Neckar“ veranstaltet, bei aller thematischen Vielfalt häufig das lokale Umfeld wider, das sich im Film zu einer ganz eigenen Welt verdichtet.

Besonders deutlich wird dieses Prinzip im Film „Ein Tagesausflug“ von Wolfgang Flumm (Kornwestheimer Filmamateure). Der Film ist an seiner eigenen Spur-N-Eisenbahnanlage entstanden und erzählt von einer fiktiven Ausfahrt, die eine Reisegruppe rund um die schwäbische Kleinstadtidylle zu einem Eisenbahnmuseum führt. Die erstaunlich detailliert ausgestaltete Modellbaulandschaft wirkt in vielen Einstellungen hyperrealistisch; fast so, als würde man durch eine zu starke Brille schauen.

„VfR Murrhardt“ hat Sascha Ebert vom LFC seinen Wettbewerbsbeitrag genannt. Bei einem Ausflug in den Schwäbisch-Fränkischen Wald hat der junge Mann Eindrücke in der beschaulichen 14000-Einwohner-Stadt gesammelt und auf dem Rudi-Gehring-Gedächtnisturnier gefilmt, zu dem der VfR Murrhardt alljährlich befreundete Vereine aus dem In- und Ausland einlädt. Zudem sich Ebert mit dem VfR-Jugendleiter Michael Döz über die Nachwuchsarbeit des Vereins unterhalten.

Manche schaffen es bis zum Landesfilmfestival

Eberts Film ist im ersten von drei Blöcken mit jeweils fünf oder sechs Filmen zu sehen. Die von der fünfköpfigen Jury am besten bewerteten Streifen schaffen es bis zur nächsten Wettbewerbsebene und sind beispielsweise im März beim Landesfilmfestival in Waiblingen oder im November bei der Videografika in Winterbach zu sehen.

Nach jedem Vorführungsblock gilt es, sich dem Urteil der Jury stellen. Es könne durchaus vorkommen, dass ein Film in der Besprechung nicht so gut wegkomme, kündigt der Juryvorsitzende Lutz Schulze schon mal vorsorglich an. „Da kann auch Kritik dabei sein, die nicht so angenehm ist.“

Seinen Kollegen Wolfgang Görner etwa stört an „Der VfR Murrhardt“, dass der interviewte Jugendleiter nicht in die Kamera, sondern auf den Fragesteller schaut. Beim Besuch des Bürgermeisters auf dem Fußballplatz habe der Filmemacher die Sache besser gelöst. „Da finden sich Totalen, Großaufnahmen, Perspektivwechsel.“ Es sei nicht genug auf die in verschiedenen Szenen gefilmten Jugendfußballer eingegangen worden, kritisiert Jurorin Eva Schulmeyer, „da hätte ich mir mehr gewünscht“. Auch mal ein Kind zu interviewen hätte den Film aufgelockert, stimmt Bergit Bergmann zu. Die Hobbyfilmer müssen hart im Nehmen sein.

Der Streifen habe einen roten Faden, räumt Görner ein, nachdem er „Ein Tagesausflug“ gesehen hat. Allerdings habe Flumm unter die Bilder seiner Modelleisenbahn den Ton einer anfahrenden Lok gelegt, obwohl die Modelleisenbahn doch mit kontinuierlichem Tempo durch die Modellbaulandschaft rolle – auf Filmemacher lauern viele Fehler.

Kein sanfter Kurs bei der Film-Jury

Die zum Teil durchaus harsche Kritik sei erwünscht, betont ein Mitglied des LFC, der in diesem Jahr keinen eigenen Beitrag für den Regionalwettbewerb eingereicht hat. Zeitweilig habe die Jury einen sanfteren Kurs gefahren, damit sei es nun aber vorbei. „Und das ist auch gut so“, meint der Hobbyfilmer. „Die sollen sagen, was Sache ist, dann ist der Lerneffekt höher.“

Autor: