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Wenn das WM-Fieber in der Firma grassiert

Unternehmen in der Region setzen auf flexible Arbeitszeitlösungen – Fußballevents und Übertragungen am Arbeitsplatz sind eher die Ausnahme

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Fußballvergnügen während der Arbeitszeit: Die meisten Firmen haben dafür recht kulante Regelungen. Foto: Birgit Ebner

Kreis Ludwigsburg. Für Fußballfans hat am Donnerstag die schönste Zeit des Jahres begonnen. Blöd ist es allerdings, wenn der Anpfiff der Lieblingsmannschaft in die Arbeitszeit fällt. Viele Unternehmen haben sich auf die Fußballweltmeisterschaft eingestellt, einige veranstalten sogar kleine Fußballfeste mit Übertragungen. Anders als bei der WM in Brasilien vor vier Jahren finden die meisten Spiele aufgrund der Zeitverschiebung nicht erst abends, sondern nachmittags mitten in der Arbeitszeit statt.

Mann + Hummel: „Einen gerechten Spagat zwischen Fußballbegeisterung und den Lieferverpflichtungen unseren Kunden gegenüber kann es kaum geben, da beim Filterhersteller Mann + Hummel in Ludwigsburg im Dreischichtbetrieb gearbeitet wird. Freizeit können sich die Mitarbeiter für die Fußballspiele jedoch verschaffen. Urlaubsanträge oder der Abbau von Überstunden bieten sich da an. Auch beim Tausch von Schichten gilt: im Kollegenkreis einigen und die abschließende Genehmigung beim Vorgesetzten einholen“, so Unternehmenssprecherin Miriam Teige.

Olymp: „Firmeninterne Übertragungen während der Betriebszeiten sind keine vorgesehen. Insbesondere deshalb, da die Spiele der Deutschen Fußballnationalmannschaft in der Gruppenphase entweder am Wochenende oder späten Nachmittag stattfinden, also während oder unmittelbar vor Beginn der arbeitsfreien Zeit“, so Mark Bezner, Geschäftsführender Gesellschafter des Hemdenherstellers Olymp in Bietigheim-Bissingen. Dasselbe treffe auf sämtliche Begegnungen der Achtel-, Viertel- und Halbfinals zu. Ohnehin sei davon auszugehen, dass die meisten Mitarbeiter dieses Ereignis vorzugsweise im Kreise von Familie oder Freunden erleben wollen und nicht unbedingt am Arbeitsplatz. „Anstelle der Möglichkeit, Spiele während der Arbeitszeit zu verfolgen – schließlich gibt es auch spannende Begegnungen ohne deutsche Beteiligung zu früheren Tageszeiten sowie Anhänger anderer Nationalteams unter der Belegschaft –, werden wir versuchen, etwaigen Urlaubsanträgen oder dem Wunsch nach Überstundenabbau weitestgehend zu entsprechen“, so Betzner. Allerdings müsse sich das mit den betrieblichen Belangen und Abläufen vereinbaren lassen.

Wüstenrot + Württembergische: Wie schon bei anderen sportlichen Großereignissen, ermöglicht der Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische seinen Mitarbeitern auch bei der aktuellen WM die Teilnahme am Public Viewing auf dem Firmengelände außerhalb der Arbeitszeit. „Das Spiel Deutschland gegen Korea am 27. Juni wird in den Betriebsrestaurants Ludwigsburg, Stuttgart und Karlsruhe auf einer großen Leinwand übertragen. Dazu gibt es für die Mitarbeiter kostenlos kühle Getränke sowie kleine Snacks“, so eine Sprecherin von W&W. Sollte es zu einem Achtelfinale mit deutscher Beteiligung kommen, plant das Unternehmen auch hier eine Übertragung in ihren Betriebsrestaurants.

Hainbuch: „Jeder Mitarbeiter kann sich in Absprache mit seinem Vorgesetzten die Spiele ansehen“, so Melanie Bernard, die Sprecherin von Hainbuch in Marbach. Allerdings müsse die Produktion das auch zulassen, was angesichts der aktuell starken Auslastung nicht immer gelingen kann. Wer Fußball schauen will, muss sich dafür ausstempeln, also Freizeit opfern. Ein Raum des Spannmittelherstellers verwandelt sich in ein WM-Studio, in dem alle Spiele übertragen werden.

Bosch: Der Bosch-Konzern setzt bei der WM auf individuelle Absprachen statt zentraler Events. In den vergangenen Jahren hätten viele Kantinen die Spiele der deutschen Mannschaft gezeigt. Mitarbeiter könnten sich nach Rücksprache mit ihren Vorgesetzten ausstempeln und ihre Schicht nach Spielende fortsetzen, so eine Sprecherin.

Daimler: Der Autobauer Daimler, einer der Hauptsponsoren der deutschen Nationalmannschaft, will möglichst vielen Fußballfans ermöglichen, sich die Spiele anzusehen. Bei vergangenen Turnieren endete deshalb die Spätschicht früher. Außerdem können die Mitarbeiter Urlaub nehmen.

Kreissparkasse Ludwigsburg: Dass die Mitarbeiter der Kreissparkasse Ludwigsburg sich während der Arbeitszeit Spiele ansehen können, ist nicht vorgesehen. Um das WM-Fieber trotzdem etwas zu schüren, bietet das Geldinstitut seinen Mitarbeitern ein WM-Tippspiel im Intranet an, bei dem attraktive Preise zu gewinnen sind.

VR-Bank Neckar-Enz: Etwas lockerer sieht man das Thema bei der VR-Bank Neckar-Enz. „Unser flexibles Arbeitszeitmodell ermöglicht es unseren Mitarbeitern, in Absprache mit dem Team die Arbeitszeit individuell gestalten zu können. Vergangene Großturniere haben gezeigt, dass dies gut funktioniert. Oftmals haben die Mitarbeiter sogar in Gemeinschaftsräumen die Spiele verfolgt und mitgefiebert“, so Pressesprecher Alexander Schmid.