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Kleingärten

Wer ins Grüne will, muss warten

Wohnung und Häuser sind in Ludwigsburg gefragt wie noch nie. Parallel zur Nachfrage nach Immobilien sind auch Gartengrundstücke und Schrebergärten sehr beliebt. Ab ins Grüne ist die Devise – nicht nur für junge Familien, die in einer Etagenwohnung leben. Doch die Wartezeiten sind lang: Die Stadtverwaltung spricht von 15 Jahren.

Die neue Kleingartenanlage Römerhügel in Ludwigsburg. Archivfoto: Ramona Theiss
Die neue Kleingartenanlage Römerhügel in Ludwigsburg. Foto: Ramona Theiss
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Abschied und Neubeginn: Alma Motz erntet Tomaten in der neuen Parzelle am Römerhügel. In der Frommannkaserne rotten die Hütten vor sich hin. Fotos: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Gärtnern ist wieder angesagt. Nicht nur in den großen Metropolen bauen Hobbygärtner auf öffentlichen Flächen Gemüse an. Der Trend hat auch Ludwigsburg längst erreicht. An besonders prominenter Stelle wurden in diesem Sommer gegenüber dem Schillerplatz vor der Kreissparkasse auf gestapelten Holzpaletten Tomaten und Mangold angepflanzt. Urban Gardening heißt der Trend zum gemeinschaftlichen Gärtnern in der Stadt.

Weniger Passanten und dafür mehr Anbaufläche bieten Kleingärten. Ebenso wie beim modernen Urban Gardening zählt auch in der Kleingartenanlage die soziale Komponente. „Es ist nach wie vor die Gemeinschaft, die es attraktiv macht“, sagt Norbert Heselmann, der Vorsitzende des Vereins der Gartenfreunde Ludwigsburg. Während in manchen Regionen Deutschlands Parzellen nicht wieder verpachtet werden können und ganze Kleingärtenanlagen nach Leerstand umgewidmet werden, gehen beim Vorsitzenden der Gartenfreunde regelmäßig neue Mitgliedsanträge ein. Die Gärten, die nicht vom Verein verwaltet und vergeben werden, verpachtet die Stadt. Doch die Interessenten für Kleingärten werden in Ludwigsburg auf eine Geduldsprobe gestellt.

„Man muss schon mit mehreren Jahren Wartezeit rechnen“, sagt Norbert Heselmann. Wie lange sich ein Einzelner der aktuell etwa 80 Anwärter genau gedulden muss, könne er jedoch nicht sagen. „Wir wissen nie, wie viele Kleingärtner zum Jahresende aufhören.“ Der Verein der Gartenfreunde ist für die Verpachtung verschiedener Kleingartenanlagen in der Stadt zuständig (siehe unten). Die über die Stadt verteilten Einzelgärten werden direkt übers Rathaus verpachtet. Im Fachbereich Liegenschaften führt man eine lange Liste an Interessenten. „Die Wartezeit beträgt derzeit zirka 15 Jahre“, sagt Karin Brühl, Sprecherin der Stadt Ludwigsburg.

Ein Blick ins Archiv unserer Zeitung zeigt: Die Situation hat sich deutlich zugespitzt. „Interessenten müssen zwei Jahre lang Geduld haben“, hieß es noch 2006 in einem Zeitungsbericht über die Beliebtheit von Kleingärten in Eglosheim. Die Nachfrage nimmt zu.

Die zunehmende Urbanisierung Ludwigsburgs sorgt dafür, dass vor allem Mehrfamilienhäuser gebaut werden. Das typische Einfamilien- oder Doppelhaus ist aus Sicht der Stadtverwaltung ein Auslaufmodell. Eine Parzelle in der Kleingartenanlage oder ein Gartengrundstück ist im Zuge dieser Entwicklung ein niederschwelliges, weil vergleichsweise kostengünstiges Angebot. „Bevor ein Garten weiter vergeben wird, ermitteln wird den Wert“, so der Vorsitzende. Dieser bemisst sich beispielsweise nach dem Baumbestand in der Parzelle und dem Zustand der Hütte. Die Ablöse liegt laut Heselmann zwischen 600 und 2500 Euro. Hinzu kommt der jährliche Mitgliedsbeitrag im Verein der Gartenfreunde in Höhe von 60 Euro.

Am Dienstag wird die neue Kleingartenanlage am Römerhügel eingeweiht. Sie hat nicht dazu beigetragen, dass mehr Menschen in der Stadt Zugang zu eigenem Grün finden. Im Gegenteil: Die neue Anlage weist 105 Parzellen auf, die inzwischen aufgegebene Frommannkaserne hatte 152 Parzellen. Ein Teil der älteren Pächter hat den Umzug gescheut – auch weil er mit erheblichen Kosten verbunden war.