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Info: Sexuelle Übergriffe

Wie ein Skandal seinen Lauf nimmt

Mai 2014: Durch eine Klageandrohung von Detlev Zander werden Fälle von Kindesmissbrauch der 1960er und 1970er Jahre in den Korntaler Kinderheimen publik. Die Evangelische Brüdergemeinde stellt Zander zunächst als unglaubwürdig dar.

Ludwigsburg. Herbst 2014: Bei Opfertreffen gibt es Schilderungen körperlichen und sexuellen Missbrauchs von mindestens einem Dutzend früherer Heimkinder. Heute geht Zander von rund 300 Fällen aus.

Dezember 2014: Die Brüdergemeinde will die Landshuter Erziehungswissenschaftlerin Mechthild Wolff mit der Aufarbeitung beauftragen.

Sommer 2015: Die ehemaligen Heimkinder spalten sich in zwei Gruppen auf: das Netzwerk Betroffenenforum um Zander und die AG Heimopfer, in der sich seine Kritiker versammeln, die ihm undemokratisches Verhalten vorwerfen.

Februar 2016: Zanders Gruppe erklärt den Aufarbeitungsversuch mit Mechthild Wolff für gescheitert. Die Evangelische Brüdergemeinde verspricht einen Neustart und stellt Missbrauchsopfern Entschädigungszahlungen in Aussicht.

Sommer 2016: Die Brüdergemeinde beauftragt die Mediatoren Elisabeth Rohr und Gerd Bauz mit dem Versuch, alle Parteien wieder an einen Tisch zu holen. Zander erklärt das für überflüssig: Er dringt auf die Einsetzung eines „Chefaufklärers“ nach dem Vorbild der Regensburger Domspatzen.

Januar 2017: Die Betroffenengruppen sprechen sich für den Regensburger Anwalt und Domspatzen-Chefaufklärer Ulrich Weber aus.

Februar 2017: Der designierte Aufklärer Weber steht doch nicht mehr zur Verfügung. Er begründet seine Entscheidung mit inhaltlichen Differenzen mit der auftraggebenden Brüdergemeinde. Berichte rücken ihn auch in die Nähe des Regensburger Korruptionsskandals.

21. März 2017: Die Auftraggebergruppe will nächste Woche ihren Aufklärer benennen. Ex-Heimkind Zander ruft zum Boykott auf. Er ist in dem Gremium nicht mehr vertreten. (red)