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Landesgartenschau

Wo ein Parkplatz zur grünen Oase wird

Showtime in Ludwigsburg! Die Bewertungskommission zur Vergabe der Landesgartenschauen hat sich gestern die Pläne für Ludwigsburg präsentieren lassen. Im Herbst soll entschieden werden, ob die Barockstadt den Zuschlag für die Ausrichtung einer Landesgartenschau bekommt oder nicht. „Ich glaube, dass wir die Kommission überzeugen konnten“, resümierte Oberbürgermeister Matthias Knecht.

Schnelles Grün: Mit Rollrasen auf dem Kopfsteinpflaster wird der Ehrenhof binnen kürzester Zeit zu einer grünen Oase inmitten der Stadt. Oberbürgermeister Matthias Knecht und sein Team wollen die Bewertungskommission von einer Landesgartenschau in Lu
Schnelles Grün: Mit Rollrasen auf dem Kopfsteinpflaster wird der Ehrenhof binnen kürzester Zeit zu einer grünen Oase inmitten der Stadt. Oberbürgermeister Matthias Knecht und sein Team wollen die Bewertungskommission von einer Landesgartenschau in Ludwigsburg überzeugen. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. „Bleibt das jetzt so?“ Die Frage drängt sich auf, denn den Ehrenhof (zwischen Stadtverwaltung und Scala) kennt man eigentlich nur als kleinen Innenhof-Parkplatz. Gestern allerdings war der Ehrenhof mit seinen alten Platanen eine grüne Oase in der Hitze der Stadt. Statt Kopfsteinpflaster Rollrasen, statt parkender Autos Europaletten mit Sitzkissen, statt Motorengeräusch Vogelgezwitscher (okay, das kam vom Band).

Mit dieser Metamorphose machte Ludwigsburg sein Konzept anschaulich: „Wir wollen das Grün zu den Menschen bringen und zeigen, dass man auch mit einfachen Mitteln einem Platz einen anderen Charakter geben kann“, so Bürgermeister Michael Ilk.

Während sich die Kommissionsmitglieder im Scala einen Bewerbungsfilm ansahen und anschließend eine kleine Tour durch die Stadt unternahmen, krempelten Mitarbeiter der Stadt sowie des Blühenden Barock die Ärmel hoch und den Ehrenhof um, so dass die Jury zum Abschluss einen völlig neu gestalteten, grünen Ehrenhof vorfand.

„Wir haben uns realitätsnah und geerdet präsentiert“, sagte Knecht. Das sei, so habe er es empfunden, ganz gut angekommen. Die Bärenwiese soll das Herzstück des bezahlten Bereichs der Gartenschau werden. Hier könnten zum Beispiel temporäre Gärten präsentiert werden und Veranstaltungsflächen Platz finden. Ergänzt wird diese Fläche durch Entsiegelungs- und Begrünungsmaßnahmen in der Innenstadt zum Beispiel auf dem Rathaushof, dem Schiller- und dem Arsenalplatz sowie durch einen grünen Ring, der die Stadt und ihre Stadtteile umschließt.

Bereits vor zwei Jahren hatte sich Ludwigsburg um die Austragung einer Landesgartenschau beworben, kam aber nicht zum Zug. Damals spielte die Untertunnelung der B 27 zwischen Schloss und Innenstadt eine zentrale Rolle. „Inzwischen haben wir intensive Gespräche mit dem Regierungspräsidium über eine mögliche Tunnelförderung geführt“, sagte Ilk. „Das Ergebnis ist ernüchternd.“ Ganz fallen lassen will Ludwigsburg diesen Plan zwar noch nicht, für die Landesgartenschau soll er aber keine Rolle spielen.

Die Entsiegelung von (Park-)Plätzen fordert eine Reduzierung des innerstädtischen Verkehrs. „Wir holen die Leute am Stadtrand ab“, sagte Ilk, zum Beispiel mit einem „Gartenschau-Bähnle“ oder Leihfahrrädern. Parken sollen Innenstadt-Besucher dann zum Beispiel in der Mörikestraße (Weststadt), auf dem Gelände des Autokinos (Süden), bei Ikea oder dem Breuningerland (außerhalb deren Öffnungszeiten, Norden) sowie auf dem Parkplatz des Ostfriedhofs (Osten). Diesen Ansatz verfolgt die Stadtverwaltung schon seit geraumer Zeit. Beim verkaufsoffenen Sonntag im März hätte das Konzept erstmals getestet werden sollen, doch Corona machte der Veranstaltung einen Strich durch die Rechnung.

Apropos Rechnung: Auf 24,5 Millionen Euro beläuft sich die Gesamtkalkulation der Landesgartenschau in Ludwigsburg. Auf die Stadt selbst kämen Kosten in Höhe von 8,5 Millionen Euro zu, den Rest erhofft man sich über Fördermittel und Eintrittsgelder zu finanzieren. Bei der aktuellen prekären Haushaltslage ist das ein großer Brocken. „Wir sind 14 Jahre voraus“, erklärte Knecht, denn Ludwigsburg liebäugelt mit der Landesgartenschau im Jahr 2034, wenn das Blühende Barock seinen 80. Geburtstag feiert. „Außerdem geht es anderen Städten und Gemeinden ebenso wie uns.“

17 Kommunen bewerben sich für den Austragungszeitraum zwischen 2031 und 2036. In den geraden Jahren (2032, 2034 und 2036) gibt es jeweils eine Landesgartenschau, die Jahre dazwischen sind sogenannte kleine Gartenschauen. Ludwigsburg steht mit seiner Bewerbung um eine Landesgartenschau in direkter Konkurrenz mit Bad Mergentheim, Crailsheim, Nürtingen, Offenburg, Rastatt, Schwaikheim/Winnenden und mit Tübingen.

Der ergrünte Ehrenhof ist gestern schon von ersten Nutzern in Beschlag genommen worden, die dort bei angenehmen Temperaturen und im Schatten ihre Mittagspause verbracht haben. „Bleibt das jetzt so?“, stellt sich die Frage. „Leider nein“, sagte Michael Ilk. Der Rollrasen ist nur auf einer Folie verlegt, „der bleibt nicht dauerhaft so schön.“ Zum anderen sei der Ehrenhof eben immer noch ein Parkplatz für städtische Mitarbeiter.

Das steht sinnbildlich für die Situation: Jede noch so schöne Planung muss eben auch in der Realität funktionieren. Aber im Idealfall hat Ludwigsburg 14 Jahre Zeit, um sich da einiges einfallen lassen zu können.

Für alle Ludwigsburger gilt derweil: Den „neuen“ Ehrenhof unbedingt ausprobieren! Einen besseren Ort an heißen Tagen, gibt es kaum in der Stadt. Eine Woche, dann werden hier wieder Autos parken.

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