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Innenstadt

Wo können sich Jugendliche in der Stadt treffen?

Bärenwiese, Marktplatz, Akademiehof: Treffpunkte gibt es in Ludwigsburg einige. Doch nicht überall sind Jugendliche gern gesehen. Braucht die Barockstadt mehr öffentliche Plätze, an denen sich junge Menschen einfach nur treffen können? Wir haben mit zwei Jugendlichen vom Jugendgemeinderat darüber gesprochen.

Der Akademiehof ist ein beliebter Treffpunkt bei Jugendlichen. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Der Akademiehof ist ein beliebter Treffpunkt bei Jugendlichen. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Erst am Wochenende gab es auf dem Akademiehof wieder einen Polizeieinsatz. Dabei hat ein 26-Jähriger einen Polizisten so stark gebissen, dass dieser nun vorübergehend dienstunfähig ist. Immer wieder sorgen solche Vorfälle auf dem Akademiehof für Schlagzeilen. Und immer wieder fällt dadurch unter anderem auch schlechtes Licht auf die Jugendlichen, die sich dort gerne treffen. Aber ist der Akademiehof wirklich so schlecht wie sein Ruf? Nein, sagen die beiden Jugendlichen Lillian Scharnhorst und Steve Bellmann. Sie engagieren sich beide seit zwei Jahren im Jugendgemeinderat und spreche mit uns über Treffpunkte für Jugendliche. Steve Bellmann ist auch im Netzwerk für junge Menschen im öffentlichen Raum aktiv, das sich häufig mit dem Akademiehof beschäftigt. „Wir haben festgestellt, dass es schon ab und zu Zwischenfälle gibt. Die sind aber nicht so häufig“, sagt der 20-Jährige. Dem stimmt Lillian Scharnhorst zu: Es gebe eine große Gruppe von Jugendlichen, die dort Freunde treffen und „einfach einen netten Abend verbringen wollen“. Und dann eben eine kleine Gruppe, „die Stress macht“. Zum größten Teil sei es dort friedlich, sagen die Jugendlichen. Ein anderer Eindruck entstehe nur, weil eben gerade die Vorfälle, bei denen die Polizei kommen musste, in die Öffentlichkeit gelangen.

Während der Coronapandemie ziehe die Jugend häufig den Kürzeren, sagen die beiden Jugendgemeinderäte. Gerade weil so viele Freizeitbeschäftigungen und Treffpunkte weggefallen sind, seien öffentliche Plätze in den vergangenen Monaten noch viel wichtiger geworden. „Der Mensch ist einfach ein soziales Wesen und braucht Kontakte“, so Lillian Scharnhorst. Wenn diese wegen Online-Unterrichts und fehlender Vereinstreffen wegfallen, suchten sich Jugendliche andere Möglichkeiten.

Im Frühsommer hatte der Jugendgemeinderat in einer Umfrage Jugendliche gefragt, was in Ludwigsburg fehlt. Öffentliche Treffpunkte standen dort ziemlich weit oben. „Es ist einfach wichtig, dass es einen Platz gibt, an dem man nicht nur die Freundesgruppe, sondern mehr Leute trifft“, sagt Lillian Scharnhorst. Auch Cafés, zum Beispiel am Marktplatz, ziehen abends Jugendliche an. „Weil man da immer auch ohne Verabredung jemand Bekanntes trifft“, so Steve Bellmann. Auch die Bärenwiese sei ein beliebter Treffpunkt – etwa zu einem Picknick.

Die Jugendgemeinderäte finden es vor allem wichtig, dass es in der Innenstadt Treffpunkte hat, die Stadtteile spielten nur eine untergeordnete Rolle. „Wenn Freunde aus unterschiedlichen Stadtteilen kommen, trifft man sich in der Mitte“, so Lillian Scharnhorst. Aber kleinere öffentliche Plätze in den Stadtteilen könnten die Situation an den großen Treffpunkten auch entzerren.

Auf dem Akademiehof gab es schon in der Vergangenheit immer wieder Angebote wie Nachtflohmärkte und Open Stages. Das ist das englische Wort für „offene Bühne“. Dabei können Künstler oder Gäste spontan auftreten, die Länge der Auftritte ist festgelegt. Diese Programmpunkte wurden vom Netzwerk für junge Menschen im öffentlichen Raum organisiert. „Mit diesen Angeboten wollten wir nicht nur Jugendliche, sondern auch explizit andere Zielgruppen ansprechen“, so Steve Bellmann. Das Ziel sei gewesen, allen Altersgruppen ein Sicherheitsgefühl auf dem Akademiehof zu geben. Außerdem hatte man gehofft, dass dann diejenigen, die auf Ärger aus sind, nicht kommen.

Das Projekt sei noch nicht abgeschlossen, so Bellmann. Eigentlich habe man dieses Jahr wieder starten wollen mit Angeboten auf dem Akademiehof. Aber die Pandemie habe die Planungen zu unsicher gemacht. In ein paar Wochen sei es außerdem zu kalt dafür. Deshalb konzentriere man sich jetzt darauf, im nächsten Jahr weiterzumachen, wenn sich die Lage bis dahin entspannt hat.

Vor allem im Winter fehle es an Treffpunkten für Jugendliche. Einige Jugendliche würden im Winter im Marstall zusammensitzen. Auch die Eisdisco sei ein Treffpunkt, sagt Lillian Scharnhorst. „Da wär es schön, wenn es noch mehr geben würde“, so die Jugendgemeinderätin.

Und noch etwas fehlt den Jugendlichen in Ludwigsburg: Clubs und andere Möglichkeiten, feiern zu gehen. Seit die Rockfabrik in der Weststadt geschlossen hat, gibt es in der Barockstadt keine Diskothek mehr. Die Ludwigsburger Jugendlichen gingen stattdessen nach Stuttgart zum Feiern, wünschten sich aber einen Club in der eigenen Stadt. „Viele Mädchen wollen nachts einfach nicht mehr alleine mit der Bahn fahren“, erklärt Lillian Scharnhorst. Wenn es Möglichkeiten zum Feiern in Ludwigsburg gebe, wäre der Heimweg sicherer, sagt sie.

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