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Aktion

Wochenmarkt soll ab nächstem Jahr plastikfrei werden

Das Ziel ist hoch gesteckt: Ab dem nächsten Jahr sollen Einwegplastiktüten vom Wochenmarkt verbannt werden. Mit einem Aktionstag am 14. September soll für Alternativen wie Einkaufsnetze und Mehrweggläser geworben werden. Wie realistisch ist es, dieses Ziel zu erreichen? Die LKZ hat im Vorfeld mit Beschickern und Kunden gesprochen.

Andreas Holzwarth bietet bereits Stofftaschen an.
Andreas Holzwarth bietet bereits Stofftaschen an.
Inge Kauffmann packt zusammen mit Enkeltochter Hannah die Bohnen in die mitgebrachte Einkaufstasche ein.
Inge Kauffmann packt zusammen mit Enkeltochter Hannah die Bohnen in die mitgebrachte Einkaufstasche ein.
Früchte sind in Papiertüten und Pappschalen gut verpackt.
Früchte sind in Papiertüten und Pappschalen gut verpackt.
Bei eingelegten Oliven ist es nicht so einfach auf Plastik zu verzichten.
Bei eingelegten Oliven ist es nicht so einfach auf Plastik zu verzichten.
Julia Ade am Obststand.
Julia Ade am Obststand.
Gemüse muss nicht wie im Supermarkt in Plastik eingeschweißt sein.
Gemüse muss nicht wie im Supermarkt in Plastik eingeschweißt sein.

Ludwigsburg. Für Andreas Holzwarth ist diese Initiative zwar lobenswert, aber ein wenig auch so, als wolle man Eulen nach Athen tragen. „Wer auf dem Wochenmarkt einkauft, tut dies in der Regel ohnehin bewusster als die Kunden in einem Supermarkt“, findet er. Außerdem würden hier per se viele Waren unverpackt angeboten. Für ihn handelt es sich deshalb bei der geplanten Aktion um Greenwashing, also eine Art Verbrauchertäuschung. Sein Verbrauch an den umstrittenen kleinen Plastiktüten sei ohnehin gering, gibt er zu bedenken, dass bei ihm pro Markttag vielleicht zehn Tüten über die Theke gehen.

Vielleicht liegt das aber auch an seinem ganz besonderen Angebot: An seinen Stand bietet er recycelte, sprich frisch gewaschene Stofftaschen zu einem Preis von 50 Cent an. Der Ludwigsburger verkauft an seinem Stand vor allem Eier, Geflügelprodukte und Nudeln – um eine kleine Auswahl zu nennen. Die Eier werden ohnehin in Pappwaben verpackt. Aus Hygienegründen findet er es nahezu unmöglich, auf die Plastikverpackung für das Fleisch zu verzichten, das er in seiner Kühltheke anbietet.

Margarete Schmid aus Heilbronn lässt sich an dem Stand von Siegfried Göhner aus Steinheim ihren Wocheneinkauf an frischem Obst und Gemüse in eine große Papiertüte packen, die sie mitgebracht hat. „Ich versuche, auf Plastik zu verzichten“, erzählt die 72-jährige Frau aus Heilbronn. Und mit dieser Einstellung ist sie nicht allein. Sie müsse gar nicht so sehr darauf achten, die Ware nicht in Plastik zu verpacken, so Julia Ade. „Das machen unsere Kunden schon“, sagt sie.

Früher habe man den Salat ja auch einfach in ein Stück Zeitung eingewickelt, gibt sie zu bedenken. Heute greift man an dem Stand zu neutralen Papierbögen und Tüten aus Papier. „Viele Kunden bringen Netze oder Stofftaschen mit“, hat sie beobachtet. Diesen Trend bestätigt ihre Chefin Bettina Göhner: „Die Nachfrage nach Plastik ebbt ab“. Aber auch sie weist darauf hin, dass die Ware auf dem Wochenmarkt anders als im Supermarkt nicht doppelt und dreifach in Plastik verpackt ist. So werden die Beeren grundsätzlich in Schälchen aus Pappe angeboten.

Lassen sich Äpfel, Orangen und Gurken gut unverpackt in Einkaufskorb oder -netz transportieren, gestaltet sich das mit anderen Produkten weitaus schwieriger. Abdul Yilmaz aus Bönnigheim verkauft an seinem Wagen griechische Spezialitäten wie eingelegte Oliven, Schafskäse oder Frischkäseaufstriche. Ohne Plastik geht hier kaum etwas über die Theke, oder? „Viele Leute bringen zum Einkauf eigene Gefäße mit“, hat er festgestellt. Das könnte sich für die Zukunft auch Sarah Sartion aus Marbach vorstellen, die dort einige Oliven ersteht. „Es wäre toll, auf Plastik zu verzichten“, sagt sie. Sie selbst geht nur noch mit Einkaufsnetz und -korb zum Einkaufen auf den Wochenmarkt.

„Ich will nicht den Polizisten spielen und den Kunden Vorschriften machen, wie sie ihre Einkäufe zu verpacken haben“, sagt Wolfgang Gunßer, der vor allem Obst und Gemüse verkauft. Er sieht in erster Linie die Kunden in der Pflicht, wenn es um den Verzicht auf Plastik geht. „Früher haben die Leute fast immer einen Einkaufskorb dabei gehabt“, erinnert er sich. Jemanden wegzuschicken, der keine Tasche oder Tüte dabei hat, würde er schwierig finden.

„Viele Leute haben Einkaufsnetze dabei. Oder sie bringen Plastiktüten mit, die sie vorher schon viele Male benutzt haben“, so Inge Kauffmann aus Remseck, die an ihrem Stand Kartoffeln, Bohnen, Gurken, Rote Beete, Tomaten und anderes saisonales Gemüse aus eigenem Anbau anbietet. Falls gewünscht, verpackt sie alles auch direkt in die Einkaufstasche oder den -korb. So viel Zeit muss sein.

Eher skeptisch reagiert Fleischermeister Werner Tafelmaier aus Steinheim auf den angekündigten Plastikverzicht auf dem Wochenmarkt: Er zeigt mit der Fleischgabel auf ein Stück mariniertes Fleisch: „Wie soll ich das in ein Stück Pergamentpapier verpacken, so dass es hygienisch bleibt?“ lautet seine eher rhetorisch klingende Frage. „Wir sind verpflichtet, hygienisch einwandfrei zu arbeiten“, betont er. Schließlich handele es sich bei Fleisch und Wurst um Lebensmittel. „Das kann man zu Hause nicht so abwaschen wie Obst oder Gemüse.“

Allerdings verzichte man bei Tafelmaier bereits seit längerem auf Einkaufstüten aus Plastik. Dass Kunden Gefäße mitbringen und auf die Theke stellen, komme sehr selten vor. Tafelmaier Senior macht keinen Hehl daraus, dass er nicht viel davon hält, wenn verschiedene Aufschnitt- oder Fleischsorten zusammen in einen großen Behälter gefüllt werden.

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