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Asylbewerber

Wohnraum für 600 Flüchtlinge

Die Massenflucht nach Deutschland erreicht mehr und mehr auch die Stadt Ludwigsburg. Allein im nächsten Jahr muss sie für mindestens 600 Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung zusätzlich Wohnraum schaffen. Vier neue Standorte für Massenunterkünfte werden in dieser Woche diskutiert.

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Obwohl dieses Viertel an der B 27 schon dicht bebaut ist, will die Stadt in diesem Innenhof Wohnraum für 300 Menschen schaffen.Fotos: R. Theiss
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Auch für die Ecke Osterholzallee/Strombergstraße ist eine Unterkunft geplant.
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Der Modulbau mit dem Namen Cube.Archivfoto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Welche schwerwiegenden Folgen die Ereignisse des Jahres 2015 haben, zeichnet sich jetzt zunehmend auch in Ludwigsburg ab. Nachdem die großen Unterkünfte in Fabrik- und Turnhallen nacheinander vom Landkreis, der für die Erstunterbringung von Asylbewerbern verantwortlich ist, geschlossen werden konnten, landen nun Hunderte anerkannte oder geduldete Flüchtlinge im Zuständigkeitsbereich der Stadt. Wurden Ludwigsburg im laufenden Jahr knapp 250 Flüchtlinge vom Landkreis für die Anschlussunterbringung zugewiesen, rechnet die Verwaltung für 2018 schon mit 600. Zusätzlich zu den bestehenden Unterkünften für Flüchtlinge muss also Wohnraum für mindestens 600 weitere Menschen geschaffen werden.

Wohnungen stehen dafür auf dem angespannten Markt in der Stadt aber keine mehr zur Verfügung. Also muss Ludwigsburg wie auch schon im laufenden Jahr selbst Unterkünfte bauen. Vier Standorte sollen am Donnerstag in einer gemeinsamen Sitzung von Bau- und Sozialausschuss diskutiert werden:

Stuttgarter Straße/Jägerstraße: 300 Menschen will die Stadt hier im Innenhof einer Anlage mit Mehrfamilienhäusern unterbringen (Foto oben). Die Wohnhäuser stammen noch aus der amerikanischen Besatzungszeit, die sechs Hektar große Grünfläche gehört der Wohnungsbau Ludwigsburg (WBL). Die WBL will dort zehn Modulbauten (genannt Cubes, Foto rechts) aufstellen. Allerdings sollen dort maximal 100 Flüchtlinge untergebracht werden. Die übrigen Wohnungen für weitere 200 Menschen sollen als Sozialwohnungen genutzt werden.

Osterholzallee/Strombergstraße:Auch auf diesem Wiesengrundstück (Foto) an der Ortsausfahrt Richtung Asperg sollen zwei Doppel-Cubes aufgestellt werden. 120 Flüchtlinge könnten so auf dem städtischen Areal untergebracht werden.

Gemeindehalle Hoheneck: Hinter der Gemeindehalle in der Hohenecker Hartstraße liegt ein Fußballplatz. Auch hier möchte die Stadt in Zukunft Flüchtlinge unterbringen. Ein Doppel-Cube soll für 60 Menschen zur Heimat werden.

Kleines Feldle Pflugfelden:Im Stadtteil Pflugfelden plant die Verwaltung ebenfalls eine weitere Unterkunft für 60 Menschen. Sie liegt an der Straße Kleines Feldle gegenüber der Häuser mit den Hausnummern zwei bis acht auf einem Grundstück, das schon als potenzielles Wohnbauland gehandelt wurde, bisher aber als wenig geeignet galt.

Die bisher vorgeschlagenen Standorte werden nicht ausreichen. Sie bieten nur 340 Flüchtlingen Platz, es fehlt also weiterer Wohnraum für über 200 Menschen. „Daher sind weitere Objekte oder Standorte insbesondere in Neckarweihingen, Poppenweiler und Oßweil erforderlich“, heißt es dazu in der Vorlage der Stadtverwaltung. Interessant dürfte auch die Frage danach werden, wie der Bau der Unterkünfte finanziert wird. Im laufenden Jahr hat die WBL bereits Darlehen in Höhe von 4,6 Millionen Euro bei der KfW zum Bau von Flüchtlingsunterkünften aufgenommen. Auch die hier vorgestellten Bauten sollen alle von der Wohnungsbau errichtet und dann an die Stadt vermietet werden.

Die WBL hat in den vergangenen Monaten Erfahrungen mit dem Modularholzbau Cube gesammelt. Erste Unterkünfte in dieser Bauweise wurden im Schlösslesfeld an der Brucknerstraße und zuletzt am Jahnstadion in der Bebenhäuser Straße aufgestellt.

Ein weiterer Standort für diese Modulbauten steht bereits fest: Die Ditzinger Straße in Pflugfelden. Dort soll in Cubes Wohnraum für 60 Menschen geschaffen werden.

Info: Der Ausschuss diskutiert am kommenden Donnerstag, 9. November, ab 17 Uhr öffentlich die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen. Die Sitzung findet im Rathaus statt.