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Gastronomie

Wunsch nach Zelten bleibt unerfüllt

Der Gemeinderat hat sich dem Vorschlag der Stadtverwaltung angeschlossen, in diesem Winter zwar Heizstrahler zu erlauben, aber keine, die mit Gas betrieben werden. Außerdem dürfen auf Flächen der Stadt, zum Beispiel dem Marktplatz, keine Zelte oder Pavillons aufgestellt werden. Wirte reagieren darauf mit Unverständnis.

Der Blaue Engel darf auf seiner Außenfläche ein Zelt aufstellen, weil der Hof als private Fläche zur Filmakademie gehört. Auf öffentlichen Flächen der Stadt, zum Beispiel dem Marktplatz, sollen Zelte oder Pavillons in diesem Winter aber nicht erlaubt
Der Blaue Engel darf auf seiner Außenfläche ein Zelt aufstellen, weil der Hof als private Fläche zur Filmakademie gehört. Auf öffentlichen Flächen der Stadt, zum Beispiel dem Marktplatz, sollen Zelte oder Pavillons in diesem Winter aber nicht erlaubt sein. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Während sich andere Städte schon entschieden hatten, wurde in Ludwigsburg länger über das Thema Heizpilze diskutiert. Auch im Gemeinderat war man sich uneinig: Die Grünen-Fraktion wollte das bisher bestehende Verbot von Heizstrahlern nicht aufheben, die FDP hingegen hatte einen Antrag gestellt, doch auch die gasbetriebenen Pilze zuzulassen. „Es geht uns vor allem um die, die bereits solche Heizpilze besitzen und die sie in diesem Winter ausnahmsweise nutzen könnten“, erklärte Sebastian Haag (FDP). Der Grünen-Stadtrat Michael Vierling hielt dagegen: „Wenn wir es dieses Jahr erlauben, bauen die Wirte nächstes Jahr wieder Druck auf.“

Regeln betreffen nur die Flächen im Besitz der Stadt

Florian Lutz (Freie Wähler) plädierte dafür, die Gastronomen selbst entscheiden zu lassen, ob sie Gasheizpilze nutzen wollen oder nicht. Er, der mit dem Café Stüble Lutz am Marktplatz selbst betroffen ist, habe bereits beschlossen, keine Heizstrahler zu nutzen.

Der Energieverbrauch der elektrischen Heizstrahler sei in der Corona-Ausnahmesituation zur Unterstützung der Wirte vertretbar, so Daniel O’Sullivan für die SPD. Jedoch lehne seine Fraktion den Antrag der FDP ab. Die Gasheizpilze seien zu gefährlich. Elga Burkhardt (Lubu) schloss sich der Grünen-Fraktion an und sprach sich dafür aus, Heizstrahler nicht zuzulassen. Letztendlich entschieden sich die Stadträte mit 22 Ja-Stimmen und gegen die Stimmen der Grünen, von Lubu und Teilen der CDU für den Vorschlag der Stadtverwaltung. Das heißt: Heizstrahler ja, aber aus Gründen des Brandschutzes keine gasbetriebenen.

Das betrifft jedoch nur Gastronomen auf öffentlichen Flächen, die im Besitz der Kommune sind. Auf privaten Grundstücken dürfen Restaurantbesitzer weiterhin auch gasbetriebene Heizstrahler verwenden.

Stadt: Durch Zelte entstehen nur noch mehr geschlossene Räume

Die Heizpilze sind ein Thema, das derzeit bundesweit diskutiert wird. Im Südwesten haben zum Beispiel schon Stuttgart, Heilbronn, Pforzheim und Karlsruhe das Verbot für diesen Winter ausgesetzt. Doch einigen Wirten am Ludwigsburger Marktplatz ist eine Sache viel wichtiger, über die in der Gemeinderatssitzung kaum gesprochen wurde: die Möglichkeit, Zelte und Pavillons aufzustellen. Die Stadtverwaltung hatte in ihrem Beschlussvorschlag sowohl Zelte als auch Pavillons verboten. „Wenn die Gastronomen zumindest Pavillons aufstellen dürften, wäre das ein Entgegenkommen“, so Klaus Herrmann (CDU). Doch am Ende stimmten die Stadträte mit drei Enthaltungen einstimmig für das Verbot von Zelten und Pavillons.

Die Stadtverwaltung begründete die Entscheidung auf Nachfrage unserer Zeitung damit, dass es nicht das Ziel sei, noch mehr geschlossene Räume zu schaffen. Die Bereitschaft der Gäste, geschlossene Räume zu nutzen, sei nach wie vor verhalten. „Deshalb spielen gerade die Außenfläche für die Gastronomen weiterhin eine ganz essenzielle Rolle“, so eine Sprecherin. Bei vielen Gastronomen am Ludwigsburger Marktplatz trifft diese Entscheidung auf großes Unverständnis. Adriano Moro ist enttäuscht. „Wir sind langsam aber sicher verzweifelt, dass man uns solche Steine in den Weg legt.“ Er und sein Bruder Francesco Moro hatten eigentlich geplant, ein Zelt über die Außenfläche ihres Restaurants La Signora Moro zu stellen, um damit die verlorenen Plätze im Innenbereich zu kompensieren.

Unverständlich ist für die Moros vor allem, dass auch der Infektionsschutz als Grund gegen Zelte und Pavillons genannt wird. „Nach dieser Logik müsste man auch die Bewirtung im Innenbereich verbieten.“ Die Gäste, die sich dabei sicher fühlten, könnten doch im Zelt Platz nehmen, wenn es ihnen in einem Innenbereich weniger wohl ist.

Das Verbot von Pavillons zwinge die Gäste, im Winter in die Restaurants hineinzugehen, so Jürgen Feyhl, Inhaber des Café Baron. Das verstehe er nicht, immerhin mache er gerade jeden Tag die Erfahrung, dass sich viele Menschen in den Innenräumen nicht sicher fühlen. Nachdem davon auszugehen war, dass Zelte und Pavillons verboten werden, habe er bereits bei der Stadtverwaltung nachgefragt, ob wenigstens ein Pavillon ohne Seitenwände, also ein Dach gegen den Regen, möglich sei. Doch der Antrag wurde abgelehnt. „Ich verstehe nicht, was da der Unterschied zu Schirmen ist“, sagt Feyhl.

Auf privaten Flächen gibt es für Zelte die Genehmigung

Auch das Ristorante Permesso wollte eigentlich einen Pavillon anschließend an die Arkaden aufstellen. Jetzt, wo auch die Weihnachtsmeile abgesagt wurde, sei man sich nicht sicher, ob man über den Winter überhaupt außen bewirten möchte. „Ein Zelt zu mieten und schick einzurichten, ist überhaupt nicht wirtschaftlich“, sagt hingegen Florian Fleischmann von Lange am Markt. Deshalb wurde von Anfang an nicht mit einem Zelt geplant. Stattdessen sollen es sich die Gäste bei ihnen im Winter draußen mit Fellen, Kerzen und eventuell sogar weihnachtlicher Deko gemütlich machen.

Beim Blauen Engel auf dem Akademiehof hingegen steht bereits jetzt ein Zelt. Das ist erlaubt, denn die Außenfläche gehört nicht der Stadt, sondern der Filmakademie. Diese hat als Privateigentümer die Aufstellung eines Zeltes erlaubt, die Stadt hat es genehmigt. Das Zelt sei auch deswegen erlaubt worden, weil der Blaue Engel als Mensa für die Filmakademie dient, so Fabian Lippe. Von 11.30 bis 14.30Uhr ist das Zelt für Studenten und Mitarbeiter reserviert. Es kann an einer Seite komplett geöffnet werden, an der anderen gibt es Fenster. So kann stoßgelüftet werden, erklärt Lippe. „Es ist sehr bedauerlich, dass die Kollegen am Marktplatz oder in der Seestraße keine solche Möglichkeit haben“, sagt er.

Kommentar:

Zelte und Pavillons wären ein guter Kompromiss

Die Gastronomie ist nicht die einzige Branche, die unter der Coronapandemie leidet, ganz sicher nicht. Es ist klar, dass auch für andere Bereiche Hilfen nötig sind, etwa für die Kultur und den Einzelhandel. Doch trägt die Gastronomie maßgeblich dazu bei, dass eine Stadt lebendig ist und bleibt. Stadtverwaltung und Gemeinderat sollten die Wirte so gut es geht unterstützen. Das ist mit der Entscheidung des Gemeinderats nicht passiert. Auch auf der LKZ-Facebookseite zeigt der größte Teil der mehr als 100 Kommentatoren Entrüstung. „So kommen noch viel weniger Menschen nach Ludwigsburg als sowieso“, so schreibt ein Nutzer. Ein anderer: „Man kann sich echt nur schämen für diese Entscheidung!“

Dass die Gasheizpilze nicht erlaubt werden, ist noch verständlich. Viele Gastronomen wollten diese sowieso nicht nutzen.

Das Unverständliche an der Entscheidung des Gemeinderats ist, dass Zelte und Pavillons auf allen öffentlichen Flächen grundsätzlich verboten werden. Zumal die Gastronomen dort nun zuschauen müssen, wie auf privaten Flächen Zelte aufgebaut werden können.

Unverständlich auch, dass über Zelte und Pavillons in der Sitzung kaum jemand ein Wort verloren hat. Denn einige Gastronomen hätten diese Möglichkeit gerne gehabt. Sie hätten damit die geschrumpfte Anzahl an Plätzen im Innenraum ausgeglichen. Erster Bürgermeister Konrad Seigfried spricht davon, dass „eine Hocketse in einem engen Zelt alles andere als sinnvoll ist“. Doch auch in Zelten oder Pavillons könnten Hygienekonzepte durchgesetzt, Abstände eingehalten und regelmäßig gelüftet werden. Ein wenig Vertrauen in die Gastronomen wäre angemessen, auch sie wollen ihre Gäste nicht gefährden. Die allermeisten tun bereits in den Innenräumen alles dafür, dass sich die Gäste sicher fühlen. Zelte und Pavillons wären ein guter Kompromiss gewesen. Sicherlich wären nicht plötzlich überall in der Stadt Zeltdörfer entstanden. Nicht alle Wirte wollten diese Gelegenheit nutzen. Aber denjenigen, die sich bereits Gedanken dazu gemacht hatten, wäre in dieser schwierigen Zeit ein Stein vom Herzen genommen worden. (cas)

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