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Untersuchungsausschuss

„Zickenkrieg und Kindergarten“

Im U-Ausschuss „Zulagen Ludwigsburg“ haben gestern die ehemaligen Dekane ausgesagt. Auch die vom Ausschuss eingesetzte Ermittlungsbeauftragte stellte ihren Bericht vor. Da keine neuen Erkenntnisse mehr erwartet werden, sollen die Zeugenbefragungen jetzt enden.

Ludwigsburg. Die CDU-Abgeordnete Marion Gentges brachte ihre Eindrücke des gestrigen Tages mit dem Ausspruch „Zickenkrieg und Kindergarten“ auf den Punkt. Denn auch in der 20. Sitzung des U-Ausschusses, der die Vorgänge an der Ludwigsburger Verwaltungshochschule klären soll, hat man kaum Neuigkeiten erfahren. Hauptsächlich stand wieder die schwierige Zeit unter der 2015 abgewählten Rektorin Claudia Stöckle im Fokus.

„Die Hochschule ist auf einem guten Weg, dafür ist vor allem der neue Rektor Wolfgang Ernst maßgeblich verantwortlich“, fasste die Ermittlungsbeauftragte Heike Haselhoff-Grupp ihren Bericht im Zeugenstand zusammen. Die frühere Präsidentin des Landessozialgerichts war 2018 vom Untersuchungsausschuss als Sonderermittlerin an die Hochschule geschickt worden. Ihr Auftrag: Den Ist-Zustand der Einrichtung feststellen. Dafür hat sie zahlreiche Gespräche geführt.

„An der Hochschule wir sachlich gearbeitet, allerdings könnte von den Professoren noch mehr publiziert werden“, meint Haselhoff-Grupp. Die Mehrzahl der Professoren und Studenten sei zufrieden. Rektor Ernst arbeite sehr zukunftsorientiert. „Aber natürlich kann er es nicht allen recht machen“, so die Sonderermittlerin zu einzelnen Stimmen, die sich nach wie vor kritisch über den Zustand der Verwaltungshochschule äußern. „Die Unzufriedenheit einiger Professoren ist keine Besonderheit der Verwaltungshochschule. So etwas gibt es in allen Organisationen dieser Größe.“ Sie sei sich aber sicher, dass die Gräben, die aus der Zeit unter Stöckle stammen, überwunden werden können. Das Problem, dass einige Professoren unrechtmäßig Zulagen erhalten – deswegen soll es bald einen Prozess vor dem Landgericht geben – sorge allerdings auch heute noch für Unruhe an der Hochschule.

Bereits am Vormittag saßen die beiden ehemaligen Dekane im Zeugenstand. Claudia Schneider wiederholte, was auch andere Zeugen schon erzählt hatten. Rektorin Stöckle sei 2012 zunächst gut gestartet, ab Herbst 2013 sei die Situation an der Hochschule aber eskaliert. Kern des Problems sei gewesen, dass Stöckle im Prinzip keine Ahnung davon gehabt habe, wie man eine Hochschule leitet. Sie komme eben aus der Verwaltung und habe keine Wissenschaftskarriere aufzuweisen. „Eine Hochschule ist aber kein Landratsamt“, so Schneider. „Man hätte ihr erklären müssen, wie eine Hochschule funktioniert.“

Hinzu komme ihr völlig unangemessener Umgangsstil. Bei einer Weihnachtsfeier mit Pensionären der Hochschule habe sie zum Beispiel das Vorgänger-Rektorat als „kriminelle Vereinigung“ und die Hochschule als einen Sumpf voller Arbeitsverweigerer bezeichnet.

Im März 2014 hatten sich die beiden Dekane und sieben weitere Professoren mit einer Resolution an den Hochschulrat und den Senat gewandt, um auf die unüberbrückbaren Differenzen mit der Rektorin Stöckle hinzuweisen. Diese Resolution sei ein Hilferuf gewesen, so Schneider. Man habe gehofft, dass Stöckle abgewählt werde oder ihr jemand zur Seite gestellt wird. Nachdem daraus kurzfristig nichts wurde, waren die Dekane der beiden Fakultäten im Sommer 2014 zurückgetreten. Die Atmosphäre heute bezeichnete die Professorin als gut. „Was ich für meine Arbeit brauche und benötige, das bekomme ich.“

Auch der ehemalige Dekan Jürgen Hottmann bemängelte den Führungsstil und die Wortwahl Stöckles. Unter der Rektorin habe sich nicht nur das Rektorat zerstritten, auch das Verhältnis zu den Professoren und den Mitarbeitern der Hochschulverwaltung sei massiv gestört gewesen. Die Zulagenproblematik hätte dabei übrigens keine Rolle gespielt, so Hottmann.

Auch er habe im Rückblick erkannt, dass die Resolution nicht das bewirkt habe, was die Unterzeichner erreichen wollten. Aber: „Es war ein Versuch, die Situation zu retten.“ Im Gegensatz zu seiner damaligen Kollegin Schneider ist er aber nicht der Ansicht, dass sich das Wissenschaftsministerium eher in die Krise hätte einschalten sollen.

Im März soll ein letzter Termin des Ausschusses stattfinden. Dann wird erneut Ministerin Theresia Bauer (Grüne) zu ihrer Rolle als Krisenmanagerin befragt. Nach der Sommerpause will der Ausschuss nach über zwei Jahren Arbeit seinen Abschlussbericht vorlegen.

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