Logo

Stadtteilfest

Zu wenig Helfer und Sponsoren: Kiesranzenfest in Ludwigsburg-Neckarweihingen fällt aus

Es war das Stadtteilfest im Flecken mit garantiertem Spaßfaktor und großem Zulauf, doch nach zweijähriger Coronapause findet das Kiesranzenfest in Neckarweihingen 2022 nicht mehr statt. Ob es überhaupt jemals weitergeht, ist fraglich. Ein kleiner Trost: In ein paar Wochen gibt es drei Tage lang eine Hocketse bei der Feuerwehr.

2019 fand das letzte Kiesranzenfest mit dem Schubkarrenrennen statt.Archivfoto: Ramona Theiss
2019 fand das letzte Kiesranzenfest mit dem Schubkarrenrennen statt.Archivfoto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. „Der Aufwand ist einfach zu groß. Um so ein Fest zu machen, kriegt man das mit ein paar Leuten nicht mehr hin.“ Matthias Nagel als Cheforganisator des Kiesranzenfests hat 2017 den dazugehörigen Verein gegründet, um ebendies zu vermeiden – dass ein paar Aufrechte ein Fest stemmen, das mittlerweile große Dimensionen angenommen hat. „Das gehört mittlerweile zu den Großveranstaltungen.“ Doch nach zwei Jahren Zwangspause wegen Corona gab es dieses Jahr keine Initialzündung in Neckarweihingen. Eigentlich hätte das 16. Stadtteilfest im Zeitraum der vergangenen zwei Wochen stattgefunden – allein, es fehlten die Beteiligten. Viele Vereine, sagt Nagel, müssten sich nach der schmerzhaften Coronazeit auch erst wieder neu sortieren.

Der Kiesranzenfestverein, laut Nagel bestehend aus zehn bis 15 Mitgliedern – den Vereinen und dem Vorstand – macht keine Einnahmen, hat aber viele Ausgaben. Auflagen zu Sicherheit und Ordnung, Absperrungen und der Organisationsaufwand kosten Geld, die der Verein bisher mit Sponsoren abgedeckt hatte. Daneben gab es eine städtische Förderung, um ihre Kosten für Wasser, Strom und Ähnliches aufzufangen. Die Sponsoren jedoch, die das Gros abdeckten, sind heute zurückhaltend. „Wer sponsert denn heute überhaupt noch etwas?“, fragt Matthias Nagel.

Die Vorbereitungen kosten Zeit, die Sponsoren bleiben aus

Erst jetzt, drei Jahre nach dem letzten Kiesranzenfest 2019, habe er eine weitere Rechnung für die damals gespielte Musik von der Gema erhalten. „Die haben nachgerechnet und fordern jetzt 700 Euro.“ Er stellt die Sinnfrage: „Es hat keinen Wert, etwas zu erhalten, was sich nicht lohnt und kaum mehr bezahlbar ist.“

„Es ist ein Riesenaufwand“, sagt auch Rico Ballack, neben Nagel einer der Macher in Verein und Festkomitee. Seit 2005 ist er mit dabei und sagt: „Es hat sich keiner mehr gekümmert. Das war alles zu viel.“ Bereits die Jahre zuvor sei immer weniger Geld von den Sponsoren gekommen, von Firmen oder Einzelhandel. 2019 war schon ohne Corona beschlossen worden, das einstige Bürger- und Einzelhandelsfest nicht mehr mit einem verkaufsoffenen Sonntag zu begleiten – zu wenig hat Neckarweihingen da mittlerweile zu bieten.

Eine kleine Hoffnung auf eine Fortsetzung bleibt

Dabei ging es an den drei Tagen doch – im Gegensatz zum überregional bekannten Fasnetsumzug – um den Charakter des Stadtteils, das Zusammengehörigkeitsgefühl in Neckarweihingen, das Miteinander und Kennenlernen. „Das war immer ein wirklich schönes Fest“, sagt Rico Ballack. „Aber solange sich nicht mehr Leute mit uns darum kümmern und die Sponsoren wegbleiben, ist es nicht zu schaffen.“

So ganz ist die Hoffnung nicht geschwunden, dass es 2023 vielleicht doch noch weitergehen könnte. Immerhin findet in Kürze ein Neckarweihinger Netzwerktreffen mit der Stadtteilbeauftragten Gabriele Graef statt, die ihre Unterstützung zugesagt hat und hofft, dass sich im Verbund mit Vereinen, Schulen, Kitas und anderen Einrichtungen noch eine Lösung finden lässt. Der Verein sei noch nicht aufgelöst, betont Matthias Nagel.

Jetzt gibt es erstmal eine Feuerwehrhocketse statt eines Stadtteilfests

Eine Hocketse, wie sie etwa 2021 der KSV Neckarweihingen veranstaltet hat, sei stabiler, sagt Matthias Nagel. Solche Feste seien auf kleinem Raum mit begrenztem Aufwand, Auflagen und sicheren Einnahmen verbunden. Und so ist es sicherlich kein Zufall, dass die Freiwillige Feuerwehr Neckarweihingen, die eng mit dem Festkomitee verknüpft ist, vom 9. bis 11. Juli erstmals eine Hocketse an ihrem Feuerwehrhaus veranstaltet. Ebenfalls bei den Ehrenamtlichen dabei ist auch Rico Ballack: „Da feiern wir dann ein fröhliches Fest.“

Die Hocketse beginnt am Samstag, 9. Juli, mit Livemusik und Bar am Abend, am Sonntag gibt es zur Hocketse natürlich Fahrten mit dem Feuerwehrauto für die Kinder, kühle Getränke und Leckeres aus der Küche und vom Grill auf den Biertischen, der Montag bildet den Abschluss.

Autor: