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Girls‘ Day

Zukunft der Girls’ Day Akademie ungewiss

Verein Furiosa organisiert das Projekt wegen personeller Probleme künftig nicht mehr – Abschlussveranstaltung mit 13 Teilnehmerinnen

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Die jungen Frauen der diesjährigen Girls’ Day Akademie präsentieren ihre Werkstücke. Fotos: Oliver Bürkle
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Tamara und Karina haben diesen Greifarm gebaut.

Ludwigsburg. Neun Jahre fand die Girls' Day Akademie statt – nun soll vorerst Schluss sein, denn das Projekt wird unter der Leitung des Vereins Furiosa (Verein zur Förderung der Frauenweiterbildung) nicht weitergeführt. Schuld daran sind personelle Probleme. „Ich werde älter, die Mädchen, die an der Akademie teilnehmen, bleiben aber gleich alt“, sagt Wilma Sanio. Die 66-Jährige hatte die Akademie zusammen mit ihren Kolleginnen Petra Berthot und Hiltraut Vieth organisiert und betreut. Die schwierige finanzielle Situation habe bei der Entscheidung keine Rolle gespielt – das Projekt lebt von Spendengeldern. „Wir hätten es auch im nächsten Jahr gestemmt“, ist sich Sanio sicher.

Am Mittwoch fand nun die Abschlussveranstaltung der diesjährigen Girls' Day Akademie an der Maximilian-Lutz-Realschule in Besigheim statt. 13 Schülerinnen trafen sich über das ganze Schuljahr hinweg jeden Mittwochnachmittag, um zu werken und Firmen zu besuchen, die technische Ausbildungsberufe anbieten. Das Ziel: Mädchen die Mint-Berufe – Mathematik, Informatik, Natur und Technik – näherzubringen.

Über 400 Mädchen hatten in den vergangenen neun Jahren an der Akademie teilgenommen. „Wir hätten uns nicht vorgestellt, dass sie über so lange Zeit hinweg läuft“, sagt Hiltraut Vieth, die sich im vergangenen Jahr aus dem Projekt zurückgezogen hatte. In den stärksten Zeiten hätten in einem Jahr 63 Mädchen teilgenommen. Mit ihnen seien die Betreuer in einem Doppeldeckerbus zum Bavaria Filmstudio gefahren – und in einer Baustelle steckengeblieben. „Keine Akademie war wie die andere, sie wurde von den Mädchen geprägt“, sagt Vieht.

Bei der letzten Abschlussveranstaltung präsentieren die Teilnehmerinnen aus diesem Jahrgang ihre Werkstücke, die in der Akademie entstanden sind – so wie Tamara (14) und Karina (15), die einen Greifarm gebaut haben, der mit Plastikspritzen zu steuern ist. „Ich wollte etwas Technisches ausprobieren, weil ich das nicht im Unterricht habe“, sagt Karina. Spaß hat die Akademie gemacht, aber ob sie später etwas mit Technik machen will, glaubt sie nicht. „Das ist auch okay“, sagt Barbara Wild vom Verein Faszination Technik, der die Akademie von Anfang an unterstützte. Wichtig sei, dass die Mädchen sich ausprobieren.

Dass Projekte wie die Girls' Day Akademie auch für Unternehmen wichtig sind, wissen diese. „Gerade die Kombination von Maßnahmen ist es, die die Mädchen zu den technischen Berufen bringt“, sagt Stefan Ziegler von Bosch. Das Unternehmen wolle 20 bis 25 Prozent weibliche Azubis haben. „Davon sind wir aber noch weit entfernt“, so Ziegler.

„Mir tut es im Herzen weh, dass die Girls' Day Akademie aufhören soll“, sagt Schulleiter Christoph Hofer. Endgültig ist das Aus allerdings nicht: Furiosa und der Verein Faszination Technik hoffen, dass das Projekt unter einer anderen Leitung fortgesetzt wird.

Faszination Technik allerdings werde die Akademie nicht fortführen, so Geschäftsführerin Barbara Wild. „Wir würden das Projekt weiterhin unterstützen, aber wir können es personell und finanziell in der jetzigen Form nicht stemmen.“ Für das kommende Schuljahr wird keine Akademie angeboten. Aber, so hoffen alle, vielleicht das Jahr darauf.