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Empfang
Zum Abschied gibt‘s viel Applaus

Festlich eingeleitet wird der Empfang von dem Trompetenensemble der Jugendmusikschule. Im Foto auf der Leinwand: Werner Spec in seinen Anfangsjahren.
Festlich eingeleitet wird der Empfang von dem Trompetenensemble der Jugendmusikschule. Im Foto auf der Leinwand: Werner Spec in seinen Anfangsjahren.
Nach 16 Jahren an der Rathausspitze hat sich Werner Spec gestern Abend im Reithaus des Film- und Medienzentrums offiziell als Stadtoberhaupt verabschiedet. Nach den vielen lobenden Worten von unterschiedlichen Seiten fiel es ihm sichtlich schwer, nicht sentimental zu werden.

Auf Krawatten und Sakkos wurde trotz des feierlichen Anlasses angesichts der Rekordtemperaturen weitgehend verzichtet, die Programmhefte dienten den knapp 350 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Kirche, Hochschule, Sport und Gesellschaft vor allem dazu sich Luft zuzufächeln. Mehr als zwei Stunden dauerte das Programm, in dessen Mittelpunkt die Würdigung von Werner Spec und seinen Verdiensten für die Stadt stand.

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Verabschiedung OB Spec

„Die Welt gehört dem, der handelt“ – das war immer Ihre Devise“, mit diesem arabischen Sprichwort charakterisierte der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried in seiner Laudatio Werner Spec. Die Freude am Gestalten sei sein Lebenselixier, er bringe die nötige Durchsetzungsfähigkeit mit – manchmal auch zum Leidwesen des Gemeinderats. Trotzdem habe Werner Spec die Stadt geprägt, und zwar weit über die Amtszeit hinaus, die großartige Entwicklungen fallen. Seigfried ließ anklingen, dass manches davon „aus der Ferne viel großartiger wahrgenommen“ wird, als in Ludwigsburg selbst. „Bei all der Reibung hat sie nie die Energie verlassen“, so Seigfried. „Dieses Amt hat so wunderbar zu Ihnen gepasst“, lobte der Erste Bürgermeister die „kolossale Schaffenskraft“. „Werden Sie eigentlich jemals müde?“, wollte er von seinem „kongenialen Partner“ wissen. Mit diesem Tempo konnten nicht alle mithalten. „Sie müssten manchmal etwas innehalten, damit auch andere zu Ihnen aufschließen können“, habe er ihm deswegen vor Jahren geraten.

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„Ihr Blick ging immer auch über den Tellerrand hinaus, oft weit in die Zukunft gerichtet.“

Elke Kreiser
CDU-Stadträtin von 2002 bis 2019

Die ehemalige CDU-Stadträtin Elke Kreiser war eine von denen, die mit Spec Tempo mithalten musste. Sie hielt die Laudatio für den Gemeinderat und sagte: „Ich empfinde Wehmut über diese Zäsur.“ Spec habe in den vergangenen 16 Jahren deutliche Spuren in der Stadt hinterlassen und gemeinsam mit der Stadt und der Bürgerschaft zukunftsweisende und nachhaltige Projekte entwickelt. Auch wenn die erfolgreiche Arbeitsbilanz keine Wiederwahl gebracht habe, sagte sie: „Wir können stolz auf diese Jahre zurückblicken.“ Spec habe immer über den Tellerrand hinaus geblickt. „Man kennt Ludwigsburg mittlerweile in der ganzen Republik als Stadt mit Visionen, die auf vielen Ebenen eine Vorreiterrolle einnimmt.“

Werner Spec selbst gab gut gelaunt zu, dass er angesichts der hohen Temperaturen keine Rede vorbereitet hatte. Nach den vielen lobenden Worten gestand er: „Ich muss aufpassen, dass ich nicht sentimental werde.“ Die Zeit als Ludwigsburger Oberbürgermeister sei wundervoll und mit 16 Jahren die längste Station in seinem Berufsleben gewesen. „Sie haben mir einen unheimlichen Reichtum gegeben“, richtete er seinen Dank an die Bürger der Stadt. Er hinterließ zugleich ein paar warnende Worte: „Der Wohlstand von heute ist nicht vom Himmel gefallen“ sagte Spec. „Wir müssen uns ins Zeug legen.“ Auch seine Wahlniederlage ließ er nicht unkommentiert: „Ich habe keinen Gram. Ich bin nicht von einer Baustelle davongelaufen.“ Den neuen Lebensabschnitt sehe er als „Riesenchance ein neues Kapitel aufzuschlagen.“ Schließlich habe er sein Privatleben verdammt vernachlässigt.

Auch seinen Nachfolger im Amt, der ab September die Geschäfte übernimmt, vergaß er nicht: Matthias Knecht hat das Zeug, ein richtig guter Oberbürgermeister zu werden. Nach der bitteren Wahlniederlage bewies er im Moment des Abschieds Größe: „Mein Wunsch des heutigen Abends: Unterstützen Sie Matthias Knecht.“ Seiner freien Rede folgte minutenlanger Applaus der Ehrengäste.

Den Auftakt hatte das Trompetenensemble der Jugendmusikschule Ludwigsburg gemacht. Und Musik gab es auch zum Ende des offiziellen Teils: Die Brenz Band verabschiedete das Stadtoberhaupt mit drei Musikstücken. Wie schon auf der Equador-Reise, begleitete Spec die Musiker selbst gekonnt auf der Trompete. Gemeinsam mit den Musikern unter der Leitung von Horst Tögel, begleitet vom rhythmischen Klatschen der Gäste. Das letzte Lied: „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus.“