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KOMMENTAR

Zum Auftakt deplatziert

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Gut gemeint, aber leider gar nicht gut angekommen ist die satirische Auseinandersetzung Jochen Fabers. Er wollte provozieren und zur Diskussion anregen, das ist ihm gelungen. Mit Blick auf die Zielgruppe wäre er jedoch gut beraten gewesen, mehr Sensibilität zu zeigen. Wer kennt sich schon mit der Tradition des Kasperletheaters aus – vor allem, wenn er aus einem anderen Kulturkreis stammt? Und um zu wissen, dass einige Zitate aus dem 1859 geschriebenen Puppenspiel „Kasperl unter den Wilden“ stammen, müsste man wohl Theaterwissenschaften studiert haben. Stücke wie diese, die dazu beigetragen haben, ein verzerrtes und herabwürdigendes Bild von Menschen aus Afrika zu vermitteln, sind glücklicherweise längst in der Mottenkiste der Geschichte verschwunden. Das trifft auch auf Bilderbücher zu, mit denen bis vor wenigen Jahren, die aus der Kolonialzeit stammenden Klischees befeuert wurden.

Wörter und Bilder prägen das Denken: Deshalb gibt es ja Schokoküsse und keine Mohrenköpfe mehr. Doch wer sich der Wörter und der Bilder bedient, die auf der Tabuliste stehen, trägt zu deren Verbreitung bei. Bei aller künstlerischer Freiheit sollte man sich dieser Verantwortung bewusst sein. Die „schauerliche Zitate- und Figurenschau“ mag Erzieher zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Rassismus und dessen Ursachen anregen. Bei einem Fest zum Auftakt eines Afrikaprojekts wirkte diese Inszenierung deplatziert.

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