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„Zur IHK gibt es keine Alternative“

Initiative pro Wirtschaft Stuttgart will Kammergegner in die Schranken weisen

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Heinrich Baumann, Nicole Porsch und Heike Gehrung-Kauderer (von links) setzen sich gegen die IHK-Rebellen zur Wehr. Foto: Birgit Ebner

Ludwigsburg. Stuttgart/Ludwigsburg. Heinrich Baumann ist besorgt. Das Mitglied der Vollversammlung der IHK Region Stuttgart will sich künftig nicht mehr bieten lassen, dass die Kammerkritiker um die Kaktusinitiative wichtige Entscheidungen wie etwa den Haushaltsplan der IHK stoppen und durch zahlreiche Anträge die Handlungsfähigkeit der Kammer aufs Spiel setzen.

Die IHK käme in ihren Gremien kaum zu Themen, die für die gut 160 000 Mitglieder von Bedeutungen seien, wie Ausbildung, Digitalisierung oder das Dienstleistungsspektrum der IHK, klagt Baumann, der auch Geschäftsführender Gesellschafter des Esslinger Automobilzulieferers Eberspächer ist. Stattdessen gehe es um die Pflichtmitgliedschaft oder um Stuttgart 21. Die Diskussionen darüber seien für die IHK nicht zielführend. Baumann hat zusammen mit Nicole Porsch, der Geschäftsführerin der Ludwigsburger Weinhandlung Bronner, und Heike Gehrung-Kauderer, die Chefin der Kauderer Hotelbetriebsgesellschaft in Esslingen, die Initiative pro Wirtschaft Stuttgart gegründet. Alle drei wollen als Mitglieder der IHK-Vollversammlung für die schweigende Mehrheit dort ein Sprachrohr sein. Rund 30 Unternehmen gehören inzwischen der Initiative an, darunter Bosch, Mahle, Trumpf, Kärcher, Daimler und Stihl.

Die Initiative, die gestern in Stuttgart offiziell an den Start gegangen ist, will durch transparente Informationen und sachliche Diskussionen die Bedeutung der IHK als Interessensvertretung der Unternehmen in der Region darstellen. „Die IHK ist wertvoll, und zu ihr gibt es keine Alternative“, sagt Nicole Porsch. Die neue Initiative wolle Reformen innerhalb der IHK im Dialog mit den Unternehmen aktiv mitgestalten. „Durch die wenig konstruktive Kritik einer kleinen Gruppe dürfen die Institution IHK und ihre Mitglieder keinen Schaden nehmen“, betont Porsch.

Baumann lässt keinen Zweifel am Ziel der Initiative. Er will die Kammerrebellen in die Schranken weisen und dafür sorgen, dass bei der nächsten Wahl der IHK-Vollversammlung die Anzahl der Kakteen schrumpft. Derzeit haben im Parlament der regionalen Wirtschaft die Kakteen 32 von 100 Sitzen, was sie beispielsweise in die Lage versetzt, Beschlussfassungen durch das Verlassen des Gremiums zu verhindern. Von solchen Tricks hat Baumann genug.

Seine Mitstreiterin Heike Gehrung-Kauderer, die ehrenamtlich für die IHK tätig ist, zeigt sich frustriert. „Wir ersticken in Formalitäten“, klagt sie. Zudem zeigt sie sich entsetzt über die Feindseligkeit, der die Kammerpräsidentin Marjoke Breuning ausgesetzt sei. Laut Baumann ist der zunächst von Breuning angestrebte Dialog mit den Kakteen „vollkommen gescheitert“. Die Kakteen sehen den Start der Initiative gelassen. „Das ist okay, wenn sich die Nicht-Kakteen ein Sprachrohr geben“, sagt Clemens Morlok, ein Sprecher der IHK-Kritiker. Das sei für ihn gelebte Demokratie, meint der Ditzinger Unternehmer. Seiner Einschätzung nach spitzt sich die Lagerbildung in der IHK Region Stuttgart weiter zu.