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Bahnhof

Zustände „unzureichend bis katastrophal“

Stadtseniorenrat übt harte Kritik – Bahnhofsmanager kann keine zeitnahen Lösungen anbieten

In der Kritik: der Bahnhof. Foto: LKZ-Archiv
In der Kritik: der Bahnhof. Foto: LKZ-Archiv

Ludwigsburg. Der Stadtseniorenrat Ludwigsburg hat bei seiner Mitgliederversammlung, die bereits vor der Coronakrise stattfand, mit der Vorsitzenden Erika Göller im Haus Edelberg den Ludwigsburger Bahnhof in den Blick genommen. Als Referenten begrüßte die Mitgliederversammlung Ludwigsburgs Bahnhofsmanager Axel Müller. Er stand dem Stadtseniorenrat Rede und Antwort zu Problemen, die mit dem Ludwigsburger Bahnhof in Zusammenhang gebracht werden. Dies ist seit knapp zwei Jahrzehnten auch immer wieder ein Thema auf der Tagesordnung des Stadtseniorenrats.

Als attraktiver Eingang zur Stadt werden die Ladengeschäfte mit Gleisanschluss wahrhaftig nicht empfunden. Und die Umgebung sorge für ein hohes Maß an Unsicherheit bei den Senioren, hieß es bei der Versammlung. Die Vermüllung des Geländes tue ein Übriges, um sich dort nur so kurz wie nötig aufzuhalten.

Bereits ein Protokollauszug aus der Sitzung des Stadtseniorenrats vom 29. September 2014 beklagt „die große Problematik der nicht funktionierenden Aufzüge. Ein Mitglied berichtet, dass die Erneuerung der Aufzüge Monate dauern kann“. Hier hat sich also im Lauf der Jahre nichts geändert und wirksame Abhilfe ist auch nicht in Sicht.

Schuld daran sind nach Ansicht des Stadtseniorenrats vor allem die komplizierten Eigentumsverhältnisse. Für die Gleise, die Treppen zu den Bahnsteigen, die Unterführung und die Aufzüge ist die Deutsche Bahn zuständig, für das Reisezentrum und seine Geschäfte eine Münchner Immobiliengesellschaft. Die Stadt Ludwigsburg hat nur beim Omnibusbahnhof das Sagen, wo Änderungen mit den LVL zu klären sind. So läuft die Diskussion immer wieder darauf hinaus, Schuld für Missstände dem anderen zuzuschreiben.

Die Zustände im Bereich des Bahnhofs werden von den Vertretern des Stadtseniorenrats von absolut unzureichend bis katastrophal empfunden. Besonders ältere Menschen, Menschen mit Handicaps, Menschen, die auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind, finden hier unwürdige Verhältnisse vor, so die einhellige Meinung.

Diese Gebäudeanlage, die in keiner Weise den Vorstellungen entspreche, die mit dem Begriff Bahnhof verbunden seien, gehöre durch einen funktionalen Neubau ersetzt, betont bei dieser Diskussion Christine Becker, die Leiterin des Seniorenbüros Ludwigsburg.

Insbesondere die häufig nicht funktionierenden Aufzüge zwingen Menschen mit Handicaps zu geradezu aberwitzigen Aktionen, um am öffentlichen Leben teilzunehmen. Zwei Beispiele wurden bei der Mitgliederversammlung genannt. Beispiel 1: Ankunft Bahnhof Ludwigsburg im Rollstuhl. Der Heimweg ist nicht möglich, weil der Aufzug nicht funktioniert. Dies zwingt den Rollstuhlfahrer mit der nächsten S-Bahn weiter nach Kornwestheim zu fahren, da er dort barrierefrei zu einem Bus gelangen und mit diesem dann nach Ludwigsburg fahren kann. Problem gelöst.

Beispiel 2: Nach einem gesetzeskonform europaweit ausgeschriebenen Wartungsvertrag vergibt die DB diesen an einen Betrieb, der seinen Sitz in Weimar hat. Schnelle Abhilfe bei Störungen ist da nicht zu erwarten. Jetzt ist ein Subunternehmer im Kreis Ludwigsburg zwischengeschaltet und man ist gespannt auf Hilfe bei Störungen und wie die Wirtschaftlichkeitsberechnung dank europaweiter Ausschreibung für den günstigsten Anbieter aussieht.

Fehler der Vergangenheit, die sich die Stadt vor Jahren beim Bau des neuen Bahnhofsgebäudes mit dem Immobilieninvestor geleistet hat und deren negative Auswirkungen bis heute, seien zu korrigieren. Und auch in der jüngsten Vergangenheit habe sich mancher Fehler im Umgang mit dem Bahnhof und seinem Gelände eingeschlichen, wobei „viel verbrannte Erde“ hinterlassen worden sei, meint Axel Müller, der mit Kritik an den Zuständen an seinem neuen Arbeitsplatz, dem Bahnhof, nicht spart.

Die Mitglieder des Stadtseniorenrats sind sich mit Axel Müller einig, dass die bestehenden Zustände nicht hinnehmbar sind und dem Teilhabegedanken Hohn sprechen. Müller jedoch warnt vor Hoffnungen auf schnelle Abhilfe, denn vor den Jahren 2025/26 seien keine durchgreifenden Änderungen zu erwarten. Angesichts eines beständig steigenden Fahrgastaufkommens sei ein zweiter Durchgang unter dem Bahnhof unerlässlich. Ein Plan, der zwar zurzeit wegen Geldmangels vom Tisch sei, aber die Hoffnung darauf und auf funktionierende Aufzüge sollte noch nicht gänzlich begraben werden.

Zu den Schwerpunkten der Arbeit des Stadtseniorenrats zählt Erika Göller vor allem die öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen, zum einen die Teilnahme an der LKZ-Gesundheitsmesse „gesund & aktiv“ sowie das festliche Weihnachtskonzert in der Friedenskirche. Die Zusammenarbeit mit dem Netzwerk City-Ost wie auch das Projekt der Kulturbegleitung in Kooperation mit dem Seniorenbüro wertet Göller als markante Positionen im Jahresgeschehen. Nicht minder gilt das für die Teilnahme am Projekt „KinoKaffeeFilm“ mit dem Central&Union Filmtheater Ludwigsburg.

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