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Präsidentenwahl

Zwei Frauen wollen an IHK-Spitze

Kaktus-Initiative nominiert Stuttgarter Feinkosthändlerin Martina Ueberschaar als Gegenkandidatin für Marjoke Breuning

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Marjoke Breuning (links) und Martina Ueberschaar wetteifern am Dienstag darum, wer künftig als Präsidentin in die Stuttgarter IHK-Zentrale einzieht.Fotos: Jürgen Schmidt/privat
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Ludwigsburg. Stuttgart. Wenn am kommenden Dienstag die neugewählte Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart zusammentritt, steht die 1855 gegründete Kammer vor einer neuen Ära. Denn erstmals wird eine Frau an die Spitze der IHK treten. Neben Marjoke Breuning, die schon vor einem Monat ihre Kandidatur angekündigt hatte, schickt nun die Kaktus-Initiative mit Martina Ueberschaar eine weitere Frau ins Rennen.

Die beiden Bewerberinnen um das höchste Ehrenamt der IHK eint nicht nur das Geschlecht. Beide kommen aus dem Einzelhandel. Breuning ist Mitgeschäftsführerin des Wäsche- und Bademodengeschäftes Maute-Benger. Ueberschaar betreibt seit knapp zehn Jahren ihr Feinkostgeschäft La Fattoria in Stuttgart-Botnang. „Das Geschäft hat mir die Zwangsmitgliedschaft bei der IHK eingebracht“, sagt Ueberschaar und benennt damit eine der wichtigsten Forderungen der Kaktus-Initiative. In ihrer zweiten Wahlperiode in der Stuttgarter IHK-Vollversammlung wollen sich die Kammerkritiker für die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft, für Beitragsgerechtigkeit und für mehr Transparenz bei der IHK einsetzen. „In der IHK Region Stuttgart besteht ein großer Handlungsbedarf, was Transparenz, Demokratie und die Berücksichtigung von Minderheitenmeinungen angeht“, sagt Ueberschaar mit Blick auf die vergangene Wahlperiode. Das sei auch ein Grund für ihre Kandidatur gewesen. Die 50-Jährige will, dass die Vollversammlung zumindest zwischen zwei Kandidaten wählen kann. „Damit die Wahl auch wirklich eine Wahl ist.“

In diesem Punkt ist sie sich mit ihrer Konkurrentin um das Präsidentenamt einig. Auch Breuning hatte es bei der Bekanntgabe ihrer Kandidatur begrüßt, wenn sich noch weitere Bewerber finden würden.

Inhaltlich sind die beiden Anwärterinnen auf die Nachfolge von Georg Fichtner aber dann offenbar doch ein Stück voneinander entfernt. Als Breuning am vergangenen Dienstag den Kakteen ihre Aufwartung machte, habe sie sich als „Kandidatin der Mitte“ vorgestellt, hieß es aus den Reihen der Kammerkritiker. Das aber ist Ueberschaar und der Kaktus-Initiative insgesamt zu wenig. Die Unternehmerin plädiert für einen radikalen Wandel. „Demokratische Mitbestimmung und Selbstverwaltung müssen von den Mitgliedern ausgehen und können nicht von einigen großen Industriebetrieben und dem Hauptgeschäftsführer diktiert werden“, betont Ueberschaar.

Im Moment werde keineswegs das Gesamtbild der Wirtschaft in der Region abgebildet, kritisiert die Kandidatin. Das gilt nicht zuletzt für die wirtschaftspolitischen Positionen der IHK. Da hatte die Kaktus-Initiative der IHK-Spitze in den vergangenen Jahren immer wieder vorgehalten, nicht für alle Mitgliedsunternehmen zu sprechen, vor allem bei strittigen Themen wie dem geplanten Freihandelsabkommen TTIP oder Stuttgart 21.

Die wirtschaftspolitische Darstellung der IHK müsse entweder differenzierter werden, um auch Minderheitenmeinungen zu berücksichtigen, oder ganz aus der Agenda der IHK gestrichen werden.

Ihre Chance in der Vollversammlung schätzt Ueberschaar realistisch ein. „Wenn so viele kommen, wie wir vermuten, wird es wohl schwer sein, zu gewinnen“, meint sie, hofft aber auf einige Stimmen aus dem „anderen Lager“.

Gäbe es so etwas wie eine Direktwahl des IHK-Präsidenten, hätte Ueberschaar dagegen mehr Chancen auf das Ehrenamt. Sie hatte bei den Wahlen zur Vollversammlung in der Gruppe des Groß- und Einzelhandels die meisten Stimmen bekommen, Breuning die wenigsten der Gewählten.