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Neuer Studiengang

Zwei Städte umwerben Hochschule

Im Wintersemester 2020 sollte der Studiengang „Digital Engineering & Management“ der Weiterbildungsstiftung der Hochschule Reutlingen in Ludwigsburg starten. Jetzt meldet plötzlich Kornwestheim, dass die Hochschule aufs Salamander-Areal kommt. Ludwigsburgs OB Matthias Knecht ist äußerst überrascht.

Wischt Kornwestheim (oben mit dem Salamader-Areal) Ludwigsburg (unten mit dem Getrag-Areal) schon wieder eins aus?Archivfotos: LKZ
Wischt Kornwestheim (oben mit dem Salamader-Areal) Ludwigsburg (unten mit dem Getrag-Areal) schon wieder eins aus? Foto: LKZ
Wischt Kornwestheim (oben mit dem Salamader-Areal) Ludwigsburg (unten mit dem Getrag-Areal) schon wieder eins aus?Archivfotos: LKZ
Wischt Kornwestheim (oben mit dem Salamader-Areal) Ludwigsburg (unten mit dem Getrag-Areal) schon wieder eins aus? Foto: LKZ

Ludwigsburg. „Wir stehen unter enormem Zeitdruck“, sagt Daniel Geigis im Gespräch mit unserer Zeitung. Im Wintersemester 2020 will die Weiterbildungsstiftung der Hochschule Reutlingen mit dem neuen Studienprogramm „Digital Engineering & Management“ starten. Geigis führt als geschäftsführender Vorstand die Verhandlungen zum Standort. In Ludwigsburg stand das Thema im Juli auf der Agenda. Damals hat der Gemeinderat noch unter OB Werner Spec grünes Licht für eine Finanzspritze gegeben: Von 2020 bis 2024 sollen jährlich 150.000 Euro aus der Stadtkasse fließen.

Die Frage nach dem Standort war damals noch offen. Im Gespräch war unter anderem das Wüstenrot-Areal. „Das haben wir aktuell nicht mehr auf der Agenda“, so Geigis. „Wir benötigen einen Standort, den wir sofort und ohne aufwendige Umbaumaßnahmen beziehen können.“ „Ludwigsburg ist unser erster Partner“, sagt Geigis. Aber man habe auch mit Kornwestheim gute Gespräche geführt.

Gesucht werden rund 500 Quadratmeter Fläche, die Platz für Gruppenarbeit und einen großen Seminarraum bieten und noch dazu den innovativen Charakter des dualen Studiengangs widerspiegeln. Wichtig sei auch, dass es Erweiterungsmöglichkeiten gibt, denn Geigis strebt die Erweiterung um einen Masterstudiengang an.

In Kornwestheim auf dem Salamander-Areal gibt es ein solches Angebot. Unterschrieben sei zwar noch nichts. Kornwestheims Oberbürgermeisterin Ursula Keck hat jetzt in ihrer Haushaltsrede angekündigt, dass der Studiengang dort angesiedelt werden könnte. Kornwestheim will 50.000 Euro im Jahr beisteuern. Die Verbindung von alten Gebäuden und dem Thema digitaler Transformation sei auf dem Salamander-Areal reizvoll, die Verkehrsanbindung ist gut.

Ist Ludwigsburg also schon wieder aus dem Rennen und verliert erneut gegen Kornwestheim (Kasten rechts)? „Wir haben sehr gute Gespräche mit beiden Städten geführt“, sagt Geigis diplomatisch. „Vielleicht finden wir auch eine tolle gemeinsame Lösung.“

„Wir sind sehr überrascht“, sagt Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht über diese aktuelle Wendung. Zuletzt habe die Stadt Räume auf dem Getrag-Areal für die Hochschule angeboten und aussichtsreiche Gespräche mit der Weiterbildungsstiftung geführt, mit der man regelmäßig Kontakt gehabt habe. Knecht vermutet, dass der mögliche Standort in Kornwestheim dem hohen Zeitdruck geschuldet sei. Im Gegensatz zu Kornwestheim haben die Ludwigsburger Stadträte sogar 150.000 Euro pro Jahr zugesagt. „Allerdings steht diese Finanzierung unter Vorbehalt“, sagt Knecht. Und der Haushalt werde in Ludwigsburg erst am 12. Dezember eingebracht. Bis dahin herrscht für die Reutlinger Weiterbildungsstiftung also keine Sicherheit über die Ludwigsburger Finanzhilfen.

„Offenbar ist ihnen die zeitliche Sicherheit wichtiger als die finanzielle Unterstützung“, sagt Knecht. Das Projekt, das Knechts Amtsvorgänger Werner Spec eingeleitet hat, sei im Gemeinderat außerdem nach wie vor umstritten. Ludwigsburg müsse sich jedenfalls nicht auf Biegen und Brechen um diese Hochschule bemühen. „Das ist für uns kein Weltuntergang, wenn Kornwestheim der Standort wird.“ Denkbar sei noch eine interkommunale Zusammenarbeit. „Das macht aber nur Sinn, wenn Ludwigsburg dabei auch zur Geltung kommt.“

Im Gegensatz zu Kornwestheim sei Ludwigsburg ja schon ein Hochschulstandort, sagt der OB. Knecht, der selbst lange als Professor gearbeitet hat, kann sich vorstellen, dass die bestehenden fünf Hochschulen ihr Angebot ausbauen. „Wir brauchen nicht unbedingt eine sechste Hochschule.“ Vorstellbar wäre für Knecht ein Wirtschaftsstudiengang, den eine bereits ansässige Hochschule gemeinsam mit einem Partner von außen anbietet.

Für den Studiengang der Weiterbildungsstiftung der Hochschule Reutlingen haben inzwischen sieben Unternehmen ihre Unterstützung zugesagt. MHP ist eines davon. Weitere Namen will Geigis nicht nennen. „Die Bandbreite ist sehr groß“, sagt er. Banken, Firmen aus der Softwarebranche und dem produzierenden Gewerbe seien dabei. Auf die Rückmeldung weiterer sieben Unternehmen wartet Geigis. Auch hier würde die Entscheidung zum Standort Klarheit bringen.

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