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Innenstadt

Zwischen Hamsterkauf und Laissez-faire

Während manche Klopapier und Pastasoße horten, zeigte sich die Ludwigsburger Fußgängerzone gestern wie an einem sonnigen Sonntagnachmittag: geschlossene Geschäfte, gut besuchte Außengastronomie und reichlich Spaziergänger.

Bei manchen Geschäften und Marktständen dürfen nur wenige Kunden gleichzeitig an den Tresen Foto: Andreas Becker
Bei manchen Geschäften und Marktständen dürfen nur wenige Kunden gleichzeitig an den Tresen Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. Eigentlich sollten alle möglichst zu Hause bleiben, doch das warme Frühlingswetter lockt wieder einige in die Ludwigsburger Innenstadt. Zwar sind viele Geschäfte und Lokale zu, doch so mancher kommt noch in die Straßen um den Marktplatz. Ob für die üblichen Erledigungen am Wochenmarkt oder auch einfach zum Flanieren – mit der Menge an Spaziergängern vor den verschlossenen Ladentüren wirkt die Szenerie eher wie ein normaler Sonntagvormittag als eine Pandemiekrise.

In einem Supermarkt bietet sich das übliche Bild des Hamsterkaufs: kein Klopapier, kaum noch Fertig-Pastasoßen, immerhin reichlich Dosenkonserven und Brot. „Nein, wir kriegen erst morgen wieder eine Lieferung Toilettenpapier“, sagt eine Mitarbeiterin fast wie ein Mantra zum x-ten Kunden. Die drei Paletten, die heute früh angeliefert wurden, waren binnen zehn Minuten verkauft. Und das, obwohl die Regel, dass pro Kunde nur zwei Packungen verkauft werden, streng durchgesetzt wird. „Wir verräumen diese Ware nicht einmal mehr. Wir stellen nur noch die Paletten in den Gang“, schildert die junge Frau. Abgesehen davon läuft der Betrieb im Supermarkt normal, auch ohne Einlassbeschränkungen.

Das Marstall Center wirkt geradezu verwaist. Zwar sind hier Supermärkte und Drogerien noch offen, doch in den restlichen Schaufenstern ist es zappenduster. Die Stühle vor den Imbissbuden im oberen Geschoss sind hochgestellt und mit Absperrband ist ein Weg entlang der leeren Tische abgesteckt.

Von Angst oder Panik in der Innenstadt kaum eine Spur. Fast keiner trägt Gummihandschuhe oder gar Atemschutzmasken. Ein Vater erzählt, die größte Einschränkung, die er im Moment wahrnehme, sei, dass seine Kinder zu Hause sind. Sie hätten keinen Garten zu Hause und auf die Spielplätze dürfe man nicht. Sicherzustellen, dass dem Nachwuchs nicht langweilig wird, sei das Schwierigste. Abgesehen davon würde er aber noch normal einkaufen. Wenngleich er für die ein oder anderen Dinge kleine Vorräte anlegt.

Eine schwangere Frau erzählt, sie würde die Einschränkungen vornehmlich dann wahrnehmen, wenn sie Einkäufe für ihr Baby machen wollte, da die entsprechenden Geschäfte fast alle geschlossen sind. Alle übrigen Alltagserledigungen könne sie aber wie gewohnt bewältigen. Sie habe auch Verständnis für die Situation.

So setzt sich das Sonntagsgefühl auch am Nachmittag fort, als zahlreiche Sonnenhungrige die noch offenen Lokale am Marktplatz bevölkern. Ein bedenklicher Zustand wie Apothekerin Edith Klünder, von der Markt Apotheke findet. Die Leute scheinen die Situation nicht ernst zu nehmen. „Verbreitet sich der Virus weiter wie bisher, könnten wir bald Ausgangssperren haben“, befürchtet Klünder.

Unklar war in den vergangenen Tagen die Lage bei den Optikern und Hörakustikern. Sie wurden in der Liste der Landesregierung, welchen Branchen es ausdrücklich erlaubt ist, ihr Geschäft zu öffnen, nicht aufgeführt. In Asperg wurde daher Anfang der Woche zunächst in Absprache mit den Betrieben entschieden, dass diese ihre Läden geschlossen halten. In Ludwigsburg gab es währenddessen keine klare Maßgabe. Zwischenzeitlich hatte der Südwestdeutsche Augenoptiker-Verband vom Landesgesundheitsministerium die Bestätigung bekommen, dass Augenoptiker nicht schließen müssen. Gestern teilten die Stadtverwaltungen von Ludwigsburg und Asperg ausdrücklich mit, dass nun entschieden wurde: Sowohl Optiker als auch Hörakustiker sollen offen bleiben. Aus dem Ludwigsbuger Rathaus hieß es, dass diese beiden Branchen, ähnlich wie Apotheken, dem Gesundheitshandwerk angehören und daher für die Versorgung der Bürger wichtig seien.

Manche Geschäfte dürfen nun auch am

Sonntag öffnen

Zur Versorgung der Menschen in der Coronavirus-Krise dürfen Supermärkte, Drogerien, Apotheken und weitere Geschäfte nun auch an Sonntagen öffnen. Das Wirtschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg hat eine entsprechende Verordnung erlassen, wie es am Donnerstag mitteilte.

Jene Einrichtungen, die nicht aufgrund der Corona-Verordnung des Landes generell geschlossen bleiben müssen, dürfen auch an Sonn- und Feiertagen von 12 bis 18 Uhr öffnen. Dazu zählen neben dem Lebensmittel-Einzelhandel auch Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken und Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken, Sparkassen und Poststellen, Friseure, Reinigungen und Waschsalons, der Zeitungsverkauf sowie Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte sowie der Großhandel. Auch Optiker und Hörakustiker zähle man dazu, heißt es bei der Ludwigsburger Stadtverwaltung.

„Wir wollen die durchgehende Versorgung sicherstellen und erreichen, dass die Einkaufsströme entzerrt werden“, sagte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). „Je weniger Menschen gleichzeitig einkaufen gehen, desto niedriger ist die Ansteckungsgefahr.“ Die Regelung gilt, wie die Corona-Verordnung insgesamt, bis zum 15. Juni. (dpa)

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