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75-Jährige zieht Einspruch gegen Strafbefehl zurü

Bei Ausfahrt aus Feldweg Motorradfahrer übersehen – 22-Jähriger muss mehrere Operationen über sich ergehen lassen

Freiberg. Weil eine 75-Jährige einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung nicht akzeptieren wollte, legte sie Einspruch dagegen ein, nahm sich einen Rechtsanwalt und landete vor dem Ludwigsburger Amtsgericht. Sie hatte einen schweren Unfall mit einem 22-jährigen Motorradfahrer verursacht. Laut einem Sachverständigen war diesem kein Mitverschulden nachzuweisen, so dass die Frau den Einspruch zurückzog und ihre Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen zu jeweils 30 Euro akzeptiert. Im Falle einer Verurteilung hätte sie ein Fahrverbot kassiert.

Der Unfall passierte am 29. Mai dieses Jahres gegen 21.22 Uhr auf der Landesstraße 1113 bei Freiberg. Der Motorradfahrer war unterwegs von Ingersheim nach Ludwigsburg und durfte in diesem Streckenabschnitt 100 Stundenkilometer schnell sein. Laut Aussage des Gutachters musste er nicht damit rechnen, dass die Rentnerin aus dem Feldweg Wamsäcker heraus fährt, wo sie mit ihrem Hund spazieren war. Der Motorradfahrer konnte nach den Angaben einer Augenzeugin, die hinter ihm fuhr, weder ausweichen noch rechtzeitig bremsen. Bei dem Zusammenstoß brach er sich beide Unterarme, und zog sich eine Schulterverletzung zu. Seiner Aussage zufolge nach leidet er noch heute an den Verletzungen und muss jede Woche mehrmals in Behandlung. Drei Operationen hat er schon hinter sich, weitere stehen ihm noch bevor.

Die Angeklagte sagte aus, dass sie keinen Motorradfahrer gesehen hätte. Die Landesstraße sei vollkommen frei gewesen. Auf einmal hätte es einen Knall gegeben. Dann erst hätte sie den Motorradfahrer hinter sich wahrgenommen und sei zur Unfallstelle zurückgefahren.

Motorradfahrer bewusstlos

Der Motorradfahrer konnte sich aufgrund seiner vorübergehenden Bewusstlosigkeit an nicht mehr viel erinnern. „Ich habe ein Auto überholt, aber ich weiß nicht mehr, wie schnell ich war“, sagte er im Zeugenstand. „Ich weiß noch, dass da ein Auto herausgefahren kam.“ Auf die Frage des Gerichts, ob er denn in der einsetzenden Dämmerung Licht an seinem Fahrzeug angehabt hätte, antwortete er, dass das Licht an seinem Motorrad immer an sei. „Das kann man gar nicht ausschalten.“

Die Augenzeugin, welche von dem Motorradfahrer überholt wurde, war ihren Angaben nach von Bietigheim-Bissingen nach Freiberg mit etwa 70 bis 80 Stundenkilometern unterwegs. Und dies auch in dem Bereich, nachdem die Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 Stundenkilometer aufgehoben ist. Das Gras an dem Feldweg, aus dem die Rentnerin herauskam, sei aber ziemlich hoch gewesen. Ihrer Ansicht nach hätte die Rentnerin den Motorradfahrer eventuell nicht gesehen. Sie selbst hätte, weil sie langsam gefahren sei, noch bremsen können, aber der Motorradfahrer nicht mehr.

Nach den Berechnungen des Gutachters ist der Motorradfahrer auf keinen Fall zu schnell gefahren. Er konnte seinen Angaben zufolge nicht damit rechnen, dass an der Stelle Leute auf die Landesstraße ausfahren. Polizeibeamte sagten aus, dass sich das Motorrad zum Zeitpunkt der Unfallaufnahme noch genau an der Unfallstelle befunden hätte, das Auto der Angeklagten aber nicht mehr. Die Angeklagte hätte aufgrund eines Schocks auch nicht direkt vernommen werden können, sondern erst später zu Hause. Und dort hätte sie nichts dazu sagen wollen. Das Gericht kam aber klar zur Überzeugung, dass die Frau dem 22-Jährigen die Vorfahrt genommen hat.