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Auf das "E" kommt es an

An einem einzigen Buchstaben sind sie zu erkennen: an einem „E“, um das die amtlichen Kennzeichen bei Elektroautos verlängert werden. Gleich neben der Ziffernkombination steht es. Wer ein Elektroauto kauft, braucht aber trotzdem eine grüne Plakette, um in Umweltzonen wie im Kreis Ludwigsburg unterwegs sein zu dürfen. Behördenmühlen mahlen eben langsam. Der Bund gab die E-Schilder im Sommer 2015 frei und bisher gelang es den Ländern noch nicht, ihre Vorschriften für die Umweltzonen anzupassen. Der Schmerz hält sich in Grenzen. 

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Denn Halter von Elektroautos profitieren mit diesem speziellen Nummernschild von bestimmten Privilegien. So dürfen sie zum Beispiel ohne Gebühr parken oder auf der Busspur fahren – allerdings nur, wenn die jeweilige Kommune vor Ort auch die Voraussetzungen dafür schafft. Ludwigsburg tat dies, Esslingen auch. In Ludwigsburg heißt das Motto: Gratis-Parken außerhalb der Parkhäuser. Nur: Der E-Mobilist muss sich vorher schlau machen, Infotafeln sparen sich die Kommunen meist. Aber wer ein Stromauto steuert, muss planen können. Das weiß auch der ADAC, der jetzt seine Langzeitversuche mit fünf E-Auto-Typen veröffentlichte. Dass er mit mickrigen Reichweiten argumentiert, wundert nicht, wenn er beim Nissan Leaf behauptet, dieser schaffe pro Akkufüllung realistisch 60 bis 100 Kilometer. Wer genau hinschaut, erkennt rasch: mit einem Modell aus dem Jahr 2012. So lassen sich Vorurteile pflegen. Mein Modell Baujahr 2016 hat eine stärkere Batterie – die maximal 250 Kilometer Reichweite sind aber immer noch nicht drin. Den besten Wert errechnete der Bordcomputer mit 207 Kilometern. Der geringste schwankt um 170 Kilometer. Bei 74 Prozent Energie mit gut 150 Stundenkilometer auf der Autobahn leuchtet in blauen Ziffern des Reichweitenmessers „100“ auf. Er läuft und läuft und läuft. Was für den Käfer galt, attestiert der ADAC dem Leaf nach drei Jahren und 65 000 Kilometern. Bei mir sind es inzwischen gut fünfeinhalb Tausend, die ich lautlos unter die Räder brachte. Eine erste Bilanz des Langzeitversuchs fällt durchaus positiv aus: „Keine Angst vor außergewöhnlichen Reparaturen oder erhöhten Verschleißkosten.“ Doch der geringe Wiederverkaufswert eines Elektroautos drückt die Kosten in der Wirtschaftlichkeitsberechnung hoch. Wer will in fünf oder sechs Jahren einen gebrauchten Wagen erstehen, der neuen E-Modellen bei den Reichweiten deutlich unterlegen ist? Ich bin überzeugt: Die Technik schreitet voran, die Distanz pro Akkufüllung wächst. „Das Auto der Zukunft hat null Emissionen“, heißt es inzwischen bei Daimler  – die Energiedichte der bislang verwendeten Lithium-Ionen-Akkus werde verdoppelt, während die Kosten sich halbieren. So die Aussage. Gute Aussichten. Wenn in knapp drei Jahren mein Leasingvertrag ausläuft, sind wieder alle Optionen offen und ich bleibe nicht auf veralteter Technik sitzen. Apropos Technik: Heute gibt es nichts zu klagen über nicht funktionierende Ladestationen. Derzeit hält eine Batteriefüllung zwei bis drei Tage. Es gibt ja auch noch die Bahn.