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Wohnen
Baugenehmigungen gesunken - IG BAU spricht von Alarmsignal

Wohnungsbau
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland weiter gesunken. Foto: Carsten Hoefer
Bezahlbare Wohnungen werden bundesweit händeringend gesucht. Doch die Behörden verzeichnen weiter sinkende Zahlen bei den Baugenehmigungen. Könnten Umbauten und Dachaufstockungen Entlastung bringen?

Wiesbaden. Nach einem Rückgang der Baugenehmigungen im ersten Halbjahr wächst die Sorge, dass in Deutschland auch in diesem Jahr nicht ausreichend neue Wohnungen entstehen.

«Wir befürchten, dass sich die ernüchternde Wohnungsbau-Bilanz 2021 von nur 293.000 fertiggestellten Wohnungen aufgrund der neuen Marktrealitäten in diesem Jahr fortsetzen wird», sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Tim-Oliver Müller, mit Blick auf gestiegene Materialkosten und höhere Zinsen. Die Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) sprach von einem Alarmsignal.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Donnerstag sank die Zahl der Genehmigungen für den Neu- und Umbau von Wohnungen im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,1 Prozent auf 185.772 Einheiten. In neu zu errichtenden Wohngebäuden bewilligten die Behörden 161.177 Wohnungen und damit ebenfalls 2,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Bei Einfamilienhäusern gab es einen deutlichen Rückgang um 17,0 Prozent auf 41.765. Die Zahl der bewilligten Wohnungen in Zweifamilienhäusern stieg leicht um 1,6 Prozent auf 16.622. Bei Mehrfamilienhäusern gab es ein Plus von 7,8 Prozent auf 99.755 Wohnungen.

Die Baugenehmigungen entsprechen nicht unbedingt der Zahl der Fertigstellungen. So werden bewilligte Wohnungen zunächst häufig nicht gebaut, weil Handwerker und Baufirmen keine Kapazitäten haben. Die Zahl der Genehmigungen ist aber ein wichtiger Indikator für den Wohnungsmarkt. «Die Nachfrage nach Wohnungen ist rückläufig, obwohl der Bedarf - gerade an bezahlbarem Wohnraum - weiterhin hoch ist», erläuterte Müller. Grund dafür seien die seit Beginn des Ukraine-Krieges explodierenden Rohstoffpreise sowie die höheren Zinsen. Die hohen Preise könnten sich viele private Bauherren nicht mehr leisten. «Es werden auch einige Immobilieninvestoren Wohnungsbauprojekte zurückstellen oder im schlimmsten Fall stornieren, weil sie sich nicht mehr rechnen.»

Jährlich müssten bis zu 400.000 Wohnungen fertig werden

Nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft müssen in Deutschland jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen fertig werden, um die Nachfrage nach Immobilien zu stillen und die Wohnungsnot in Städten zu bekämpfen. Die Bundesregierung hat sich zudem das Ziel gesetzt, für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen.

«Vor allem bei den Sozialwohnungen und bei bezahlbaren Wohnungen gibt es in weiten Teilen Deutschlands einen erheblichen Mangel», sagte IG BAU-Chef Robert Feiger. Er forderte Alternativen zum Neubau. «Konkret geht es darum, den Umbau und die Dachaufstockung voranzubringen – mit einem Baurecht, das dies ermöglicht und nicht erschwert.» Allein durch den Umbau von Büros, die durch das Homeoffice nicht mehr gebraucht würden, könnten bis zu 1,9 Millionen neue Wohnungen entstehen.

© dpa-infocom, dpa:220818-99-427098/4