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Ausstellung in Ditzingen
Die Zutaten sind Betriebsgeheimnis: Barbara Holder-Steegmüller in der Städtischen Galerie

Barbara Holder-Steegmüller: „Ich bringe immer Sand mit nach Hause.“ Foto: Susanne Müller-Baji
Barbara Holder-Steegmüller: „Ich bringe immer Sand mit nach Hause.“ Foto: Susanne Müller-Baji
Farbverwerfungen geben den Blick auf Gewesenes frei: Barbara Holder-Steegmüller stellt in der Städtischen Galerie am Laien in Ditzingen aus. In ihren Werken verarbeitet sie zuweilen auch Urlaubsmitbringsel.

Ditzingen. Wer einmal ganz nah an die verwitterte Patina einer alten Mauer herangetreten ist, kennt das Gefühl, im Kleinen eine ganze Welt zu entdecken: Der Rost wirkt fast kristallin, der Grünspan sorgt für verblüffende Farbspiele und die abblätternde Farbe ist wie ein Fenster auf Gewesenes. So ist es nun auch in den informellen Arbeiten von Barbara Holder-Steegmüller, die ab dem Wochenende beim Ditzinger Kultur- und Kunstkreis zu sehen sind.

Man muss sich freilich Zeit nehmen bei der Betrachtung dieser Bilder. Denn die subtile Schönheit des Verfalls zeigt sich erst auf den zweiten Blick: Mal platzt die Farbe durchaus gewollt vom Untergrund ab, mal wirkt die Struktur wie Asche, mal ist es schon die Farbgebung allein, die einen mit voller Wucht trifft. Und auch wenn der Zufall immer wieder in den Gestaltungsprozess eingegriffen hat, sind die Exponate doch das Ergebnis sorgfältiger Schichtung und zahlreicher Experimente.

Hang zum Experiment, aber auch zur Strenge

Das zeigt sich schon in der Auswahl der Materialien, die bei Barbara Holder-Steegmüller oft Reisemitbringsel sind: „Ich bringe praktisch immer Sand mit nach Hause“, erzählt sie. Und der verleiht, mit Binder versetzt, ihrem Pinselduktus erst die richtige Struktur. Überdies kommen so exotische Materialien zum Einsatz wie Marmormehl oder Kaffeesatz sowie weitere „Zutaten“, die für Holder-Steegmüller aber in die Kategorie „Betriebsgeheimnis“ fallen.

Offensichtlich sind aber die rostigen Konservendosen, die nun einer Arbeit im Kabinett der Galerie eine mauerartige Struktur verleihen: „Die habe ich aus Marokko mitgebracht: Offenbar essen die Hirten dort nur Fischkonserven, die sie dann einfach wegwerfen“, erzählt die Künstlerin. So aber gehen Exponat und bauliche Gegebenheiten der historischen Ditzinger Galerieräume nun eine ganz besondere Liaison ein.

Inspiration in zeitgenössischen Fotografien

Der Hang zum Experiment, aber auch zu einer gewissen Strenge, ist möglicherweise ihrem vormaligen Beruf geschuldet: Bis 2006 war Barbara Holder-Steegmüller als Modedesignerin für avantgardistische Kleidung tätig. Dann entschied sie sich für ein Kunst-Werkstattjahr der Böblinger Volkshochschule und ist den einmal eingeschlagenen Weg seither mittels gut gewählter Workshops und Fortbildungen entschlossen weitergegangen: „Die farbige Malerei erlebte ich als Befreiung von der berufsbedingten Beschränkung auf die schwarze Linie“, sagt sie dazu.

Besondere Inspiration finde sie in den Fotografien des zeitgenössischen amerikanisch-kanadischen Fotografen Robert Polidori, der sich auf sogenannte „Lost Places“ spezialisiert hat und nun vor allem die verfallende Pracht von vorgestern einfängt. „Natürlich bilde ich seine Fotos nicht ab, es geht nur um die Inspiration, sagt die Künstlerin mit Blick auf den ungewöhnlichen Farbkontrast des Diptychons „Mansour“. Und manchmal tauchen weitere immaterielle Souvenirs auf: In „Agadir“ sind es die Formen der typischen Speicherbauten, und „Marrakesch“ bildet die charakteristische Farbe der marokkanischen Metropole ab.

Info: Die Werkschau in der Städtischen Galerie, Am Laien 3, in Ditzingen ist noch bis 9. Oktober, jeweils dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr, zu sehen.