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Unterwegs

Einblick in Alltag der Flüchtlinge

Achtklässler der Ludwigsburger Carl-Friedrich-Gauß-Privatschule besuchen Heim in Grünbühl-Sonnenberg

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Wollten wissen, wie es den Flüchtlingen im Ludwigsburger Heim geht: die Achtklässler der Carl-Friedrich-Gauß-Privatschulen.

Ludwigsburg. Wie leben Flüchtlinge hier bei uns in Ludwigsburg? Wie viele Flüchtlinge leben eigentlich in einem Flüchtlingsheim? Und was machen sie den ganzen Tag? Diese Fragen stellten wir uns, bevor wir Anfang Juli einen Ausflug zum Flüchtlingsheim gemacht haben. Zuvor hatten wir Geschenke für die Flüchtlinge gepackt – Handtücher, Bettwäsche, Duschvorhänge und Bälle für die Kinder. Die Geschenke haben wir von den Einnahmen gekauft, die wir zuvor durch einen Flohmarkt-Stand eingenommen haben. Nachdem wir etwa zehn Minuten mit dem Bus gefahren sind, mussten wir noch ungefähr weitere zehn Minuten zu Fuß zum Flüchtlingsheim in Grünbühl-Sonnenberg laufen. Wir haben später erfahren, dass in dem Heim 180 Flüchtlinge leben, darunter 43 Kinder.

Dort angekommen wurden wir freundlich von der Sozialarbeiterin empfangen. Die Flüchtlinge sahen uns neugierig an und waren etwas schüchtern – aber wir waren auch schüchtern. Wir überreichten ihnen die Geschenke, worüber sie sich gefreut haben. Viele der Flüchtlinge kommen aus afrikanischen Ländern, wie zum Beispiel Syrien, Libyen, Eritrea oder aus dem Irak. Wir wollten etwas über die Menschen erfahren, und so waren vier Frauen aus dem Irak bereit, mit uns ein Gespräch zu führen. Da sie die deutsche Sprache noch nicht so gut beherrschten, übersetzte uns die Sozialarbeiterin das Gespräch vom Deutschen ins Arabische und umgekehrt. Dabei erfuhren wir, dass die Frauen nach Deutschland wollten, da Deutschland ein sicheres Land ist, sie dort frei leben können und manche Familienmitglieder schon in Deutschland leben. Sie erzählten uns weiterhin, dass sie verschiedene, meist harte Wege benutzten, um nach Deutschland zu kommen.

Eine Frau erzählte zum Beispiel, dass sie zuerst in die Türkei floh, von dort mit einem Boot nach Italien und danach mit einem Auto nach Deutschland gefahren wurde. Auch erzählten sie uns, dass sie glücklich seien, hier in Deutschland zu wohnen. Sie wollen in ihre Heimatländer nicht zurück, solange sich die Lage dort nicht verbessert und die Kriege aufhören.

Nach diesem ausführlichen Gespräch gingen wir ins Haus, wo wir zusammen einen kurzen Spaziergang durch das Treppenhaus gemacht haben. In die Wohnungen gingen wir absichtlich nicht – um die Privatsphäre der Flüchtlinge zu schützen. Anschließend sind wir mit der Sozialarbeiterin und einer weiteren Sozialarbeiterin zurück in die Büroräume gegangen und führten dort mit ihr ein Interview.

Auf die Frage, wie die Flüchtlinge ihren Lebensunterhalt bezahlen, erzählten sie uns, dass die Flüchtlinge – wenn sie eine Aufenthaltsgenehmigung haben – monatlich nach dem Asylbewerberleistungsgesetz etwas Geld und eine „Ludwigsburg Card“ bekommen, mit der sie Vergünstigungen erhalten. Eine weitere Frage eines Schülers war, ob sich die Flüchtlinge untereinander verstehen, weil sie aus unterschiedlichen Ländern kommen. Die Sozialarbeiterinnen erzählten, dass sich die Flüchtlinge untereinander gut verstehen und es selten zu Konflikten kommt. Höchstens mal, wenn es ums Putzen geht.

Anschließend fragten wir die Sozialarbeiterin, warum sie sich dafür entschieden hat, mit Flüchtlingen zu arbeiten. Sie erzählte uns, dass sie hier in Ludwigsburg an der evangelischen Hochschule Soziale Arbeit studiert hat und in ihrem Auslandssemester im Libanon gemerkt hat, dass sie Menschen helfen möchte, denen es nicht so gut geht. Zudem hat sie selbst syrische Wurzeln.

Zum Schluss wollten wir noch wissen, wie man als Privatperson das Flüchtlingsheim unterstützen kann. Sie erklärte uns dass es zum Beispiel ein Patenschaft-Projekt gibt, bei dem sich Schüler mit Flüchtlingskindern treffen. Außerdem kann man als ehrenamtlicher Übersetzer helfen oder Kleider an die Kleiderkammer oder an das Diakoniewerk Karlshöhe spenden.

Nach mehr als einer Stunde war unser Besuch vorbei. Zu wissen, wie es den Menschen in ihren Heimatländern geht, macht uns traurig. Es war sehr schön, diese netten Menschen kennenzulernen und zu wissen, dass es ihnen hier in Deutschland besser geht – auch wenn sie ihre Familien vermissen. Wir hoffen, dass sich die Lage in ihren Ländern bessert, so dass die Menschen nicht mehr in Angst leben müssen.