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Ford macht auf seinem Elektrokurs einen Bogen um Saarlouis

Die Tage der Verbrenner-Autos sind gezählt. Monatelang hoffte die Belegschaft eines Ford-Werks im Saarland auf eine Investitionsentscheidung, Politiker putzten Klinken. Doch das half nichts.

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Die Tage der Verbrenner-Autos sind gezählt, die Zukunft ist elektrisch - auch im Saarland? Monatelang hatte die Belegschaft eines Ford-Werks auf eine positive Investitionsentscheidung gehofft, Politik Foto: Gerry Broome

Saarlouis. Hiobsnachricht für das Saarland: Der US-Autobauer Ford hat sich bei einem wegweisenden Investitionspaket gegen sein Werk im saarländischen Saarlouis entschieden.

Stattdessen soll eine Elektroauto-Plattform - auch «Architektur» genannt - im spanischen Valencia entstehen, wie der Konzern am Mittwoch bekanntgab. Dort sei «das am besten positionierte Werk», um Fahrzeuge auf Basis einer Elektro-Architektur zu produzieren, hieß es von der Firma.

Die Entscheidung trifft die 4600 Ford-Beschäftigten im Saarland hart. Denn die Autoproduktion ist an dem Standort nur bis 2025 gesichert, dann läuft die Herstellung des Verbrenner-Modells Ford Focus aus. Die Belegschaft hatte gehofft, dass die Jobs dank Elektroinvestitionen auch danach großteils sicher sind. Diese Hoffnung macht der Beschluss des Managements nun zunichte.

Markus Thal, Betriebsratsvorsitzender des Standortes Saarlouis, zeigte sich tief erschüttert und wütend: «Wir wurden belogen, betrogen und verarscht. Drei Jahre hat man uns gegen die Wand laufen lassen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken. In einer ersten Stellungnahme sprachen die Betriebsräte von einem «abgekarteten Spiel» und einem «Scheinverfahren». Man habe gekämpft und alles gegeben, sei der klare Sieger im Bieterwettbewerb gewesen und werde nun um den Erfolg gebracht.

Gesamtbetriebsrat kritisiert: «Komplettversagen»

Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates in Deutschland, Benjamin Gruschka, bezeichnete die Entscheidung von Ford als «Komplettversagen der Europazentrale». Nach Ansicht der Betriebsräte habe die Standortentscheidung offenbar von Beginn an festgestanden. Als Grund, warum man den Arbeitnehmervertretern in Spanien und Deutschland einen aufwendigen Bieterprozess aufgezwungen habe, komme eigentlich nur die Absicht in Frage, «weitere Zugeständnisse von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Valencia abzupressen, obwohl die spanischen Arbeitsbedingungen in den letzten 15 Jahren bereits massiv verschlechtert worden sind».

Nach der Grundsatzentscheidung des Managements stehen in Valencia nun Umstrukturierungen an. Die Investitionssumme und das konkrete Automodell werden zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt - möglicherweise gibt es auch mehrere Modelle.

In Saarlouis sieht die Zukunft düster aus. Es drohe eine Schließung oder ein Verkauf, sagte Betriebsrat Gruschka mit Blick auf das Focus-Produktionsende 2025. Die möglichen Konsequenzen wären «verheerend» für Saarlouis, das Saarland und die Europaregion Saar-Lor-Lux.

Weiter Suche nach Wegen

Ford-Europachef Stuart Rowley sagte der dpa, dass die Entscheidung pro Spanien keine Entscheidung zur Schließung des Standorts in Saarlouis sei. «Wir bemühen uns nun um Wege, um so vielen betroffenen Beschäftigten wie möglich eine Zukunft zu geben.» In technischer und strategischer Hinsicht seien die beiden Standorte gleichauf gewesen, in finanzieller Hinsicht sei Valencia hingegen im Vorteil gewesen.

Auf die Frage, ob Saarlouis im Ford-Konzern nach 2025 noch eine Zukunft habe, sagte Rowley, man werde nun eine Task Force gründen und das weitere Vorgehen mit den Arbeitnehmervertretern und der saarländischen Landesregierung besprechen. Man blicke auf Möglichkeiten, die innerhalb und außerhalb von Ford liegen. Konkreter wurde er nicht.

Der Betriebsrat glaubt nicht mehr an entsprechende Angebote von Ford. «Das sind Beruhigungspillen, von denen haben wir genug bekommen», sagte der Arbeitnehmervertreter Thal der dpa. «Die können sie alle mitnehmen und nun anderen einführen.» Nun müsse man sehen, welche rechtlichen Möglichkeiten es noch im Rahmen des Tarifvertrages gebe.

Aufholjagd bei Ford

Ford ist im Umbruch. Im Zeitalter der Elektromobilität hinkte der US-Autobauer zunächst Wettbewerbern hinterher und schien die Zeichen der Zeit zu verschlafen. Inzwischen investiert Ford aber kräftig in die Elektromobilität, um auch in Zukunft im Wettbewerb bestehen zu können. In den Plänen der Amerikaner spielt die Kölner Europazentrale eine große Rolle, insgesamt zwei Milliarden US-Dollar will der Konzern dort in den kommenden Jahren investieren und Elektroautos herstellen, die Produktion soll Ende 2023 starten.

In der Domstadt hat Ford rund 15.000 Beschäftigte. Dort basieren die geplanten Stromer auf der Elektroplattform von VW. In Valencia will Ford eine eigene Plattform installieren, um damit weitere Elektromodelle zu bauen. Wann dort die ersten Ford-Stromer vom Band rollen, ist unklar - «später im Jahrzehnt», heißt es hierzu vage.

Die Entscheidung, die neue Plattform nicht in Saarlouis anzusiedeln, war von Branchenexperten erwartet worden. Die Personalkosten seien in Spanien nun mal niedriger als in Deutschland, sagt Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Zwar habe Ford vor einiger Zeit Milliardeninvestitionen für Köln beschlossen, wo die Lohnkosten ebenfalls relativ hoch seien. Der dortige Standort sei aber viel größer und habe zudem zahlreiche Zulieferer in seinem Umfeld.

Für den Fortbestand des Ford-Werks in Saarlouis hat Bratzel wenig Hoffnung. Möglich sei, dass die Focus-Produktion noch um ein, zwei Jahre verlängert werde, aber das würde das Ende nur hinauszögern. Damit Saarlouis doch noch in die Elektroproduktion einbezogen wird, müsste Ford in den kommenden Jahren einen Verkaufsboom bei Stromern erleben. «Aber das ist absolut nicht in Sicht - mengenmäßig dürften die Standorte, wo bisher investiert werden soll, ausreichen.»

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