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Postbote soll Frau sexuell belästigt haben

Aussage gegen Aussage steht es vor dem Amtsgericht im Falle einer sexuellen Belästigung in Eglosheim. Selbst das Gericht hegt Zweifel, ob sich der Vorfall so zugetragen hat, wie ihn eine 54-Jährige schildert. Sie behauptet, ein 27 Jahre alter Postbote habe sie begrapscht, was der junge Mann vehement in Abrede stellt.

Ludwigsburg. Der Postbote wird von der Stuttgarter Staatsanwaltschaft beschuldigt, die Frau am 18. Mai vergangenen Jahres von hinten umfasst und ihr an die Brüste gegriffen zu habe. Er habe in einer ekelerregenden Weise sein erigiertes Geschlechtsteil an ihr gerieben und versucht, die Frau auf eine Couch zu drücken, um mit ihr zu schlafen. Der Frau sei es zunächst nicht gelungen, sich loszureißen.

„Alles falsch“, sagte der Beschuldigte zu dieser Anklage. Er hätte zur Tatzeit ein Zimmer gesucht und eine Nachbarin der 54-Jährigen habe gemeint, sie hätte eins für ihn. Die 54-Jährige indes hätte ihre Nachbarinnen schlecht geredet und gesagt, sie würde sich nach einer Wohnung für ihn umschauen. Drei Tage später habe ihn die 54-Jährige gebeten, sie zum Einkaufen zu fahren. „Ich mag dich“, hätte die Frau beim nächsten Treffen bemerkt. Er hätte gemerkt, dass sie einen Mann sucht. Er selbst hingegen nur eine Bleibe.

Nur ein Vorwand der Frau?

Ahnend, dass die Wohnungssuche nur ein Vorwand sein könnte, habe er der 54-Jährigen trotzdem den Gefallen getan, ein Bett von einem Möbelhaus abzuholen, denn diese habe kein Geld für einen Transport gehabt. Ausgeladen habe er das Bett noch, erzählte der 27-Jährige. Aber nur bis zur Haustüre. Als die 54-Jährige wieder davon angefangen habe, sie möge ihn, wolle mit ihm zusammen sein und sich bei ihm bedanken, habe er zu ihr gesagt, sie könnte seine Mutter sein.

Erst elf Tage später zur Polizei

„Er ist so alt wie mein Sohn“, verneinte die vermeintlich Geschädigte jegliche Zuneigung zum Angeklagten. Sie habe diesem nur helfen wollen. Nach dem sexuellen Übergriff, so die Frau, habe der Angeklagte nur gelacht. Er wolle mit ihr schlafen. Als es ihr gelungen sei, in den Flur zum Telefon zu rennen, um die Polizei anzurufen, hätte der Angeklagte einen Hammer genommen, so die Frau. „Ich befürchtete, dass er mir den auf den Kopf schlägt.“ Die Polizei verständigt hat sie aber erst elf Tage später, in denen der Angeklagte ständig bei ihr aufgetaucht und gegen ihre Türe gehämmert haben soll.

Die Staatsanwaltschaft hatte Kenntnis davon, dass die 54-Jährige, ihren eigenen Angaben nach einmal Mitarbeiterin des Landeskriminalamtes, schon 15 Mal als Opfer bei der Polizei aufgetaucht ist.

Der Verteidiger sprach von einem „Hopp-oder-Top-Fall“ – je nachdem, ob der 27-Jährige die Wahrheit sagt oder die 54-Jährige. Ein Freispruch würde bedeuten, dass gegen die Frau ein Strafverfahren wegen falscher Verdächtigung eingeleitet werden müsste. Um das zu verhindern, hat die Staatsanwaltschaft bereits laut an eine Einstellung des Verfahrens gedacht.

Die Verhandlung wird im Februar fortgesetzt.