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Sparpotenziale hinter historischen Fassaden

Denkmalschutz und Energiesanierung – was sich im ersten Moment, wie ein großer Gegensatz anhört, kann durchaus miteinander vereinbart werden. Die Besitzer denkmalgeschützter Gebäude sollten die Sanierung aber sehr behutsam und nicht ohne die Ratschläge von Experten angehen. 

Historische Fassaden - Kleinbottwar
Außendämmung ausgeschlossen: historische Fassaden in Kleinbottwar ... Foto: Fotos: Archivbilder
Historische Fassaden - Marktplatz LB
und am Ludwigsburger Marktplatz.

Ob Besigheim, Bietigheim oder Ludwigsburg – es sind vor allem die historischen Gebäude, die den Charakter und den Charme dieser Städte prägen. Dass dies auch so bleibt, darüber wacht der Denkmalschutz. Trotzdem haben auch die Besitzer denkmalgeschützter Gebäude viele Möglichkeiten, Energie einzusparen. In jedem Fall sollte man sich rechtzeitig mit den unteren Denkmalschutzbehörden der Kommunen oder des Landkreises sowie mit Energieexperten und Architekten austauschen. Eine erfolgreiche energetische Sanierung historischer Gebäude erfordert Fachwissen und eine detaillierte Planung im Vorfeld. Dämmen: Dieses Thema ist bei historischen Gebäuden natürlich weitaus komplizierter als bei neueren Häusern. Nichts wäre schlimmer, als das alte Fachwerk oder die kunstvolle Jugendstilfassade hinter einer Außendämmung verschwinden zu lassen. Es bleibt also nur die aufwendigere und kostspieligere Möglichkeit der Innendämmung. Bei Blockrandbebauung ist aber oft nur die Fassade zur Straße hin verziert, Fassaden zum Hof und zu Nachbargebäuden sind nur verputzt und können daher auch von außen gedämmt werden. Bei Fachwerkhäusern sollte man zudem beachten, das Haus mit der Innendämmung nicht vollkommen abzudichten. „Wenn keine Wärme mehr nach außen dringt, kann das Mauerwerk nicht mehr richtig trocknen“, sagt Michael Müller, Berater der Ludwigsburger Energieagentur. Fenster: Auch die Erneuerung der Fenster muss bei denkmalgeschützten Häusern mit den Behörden abgesprochen werden. Oft sind Holzfenster vorgegeben, neue Energiesparfenster mit einem breiteren Rahmen, werden in der Regel abgelehnt, weiß Matthias Berg, ebenfalls Berater bei der Energieagentur. Eine Möglichkeit sind zusätzliche Fenster, die innen vor die bestehenden Fenster gebaut werden. So können die Originalfenster erhalten werden. Eine andere, allerdings kostspielige Möglichkeit, ist der Nachbau historischer Fenster nach modernen Standards. Dach und Decken: Unproblematischer ist das Dämmen von Dächern. „Mit einer Zwischensparrendämmung oder Untersparrendämmung bleibt die Optik des Dachs auf jeden Fall erhalten“, sagt Müller. Ebenfalls meist unproblematisch ist das Dämmen der Kellerdecke. Falls diese nicht gedämmt werden kann (Gewölbekeller), sollte der Fußboden des Erdgeschosses abgedichtet werden. Mittlerweile gibt es dafür hochwertige Materialien, zum Beispiel Vakuumdämmung. Jeder dieser Schritte sollte mit Fachleuten abgesprochen werden. „Schlecht angebrachte Dämmungen können zu Bauschäden führen“, warnt Müller. Bei innengedämmten Wänden muss zudem an Feinheiten wie luftdichte Steckdosen gedacht werden, sonst sind alle Mühen vergeblich. Mit einer sauber ausgeführten Sanierung kann man auch mit einem denkmalgeschützten Gebäude einen sehr guten Energiestandard erreichen, wissen die Energieberater – annähernd auf Neubauniveau. Zudem kann die Wohnqualität erhöht werden. Ein weiterer Nebeneffekt: Das Gebäude hält seinen Wert oder wird sogar wertvoller. Beratung und Finanzierung: Nur die wenigsten historischen Gebäude sind bislang energetisch auf einen modernen Stand gebracht. Dies dürfte zum einen an den hohen Abstimmungsanforderungen mit Denkmalamt, Energieberatern und weiteren Fachleuten liegen, zum anderen aber auch am großen Aufwand und den relativ hohen Kosten. In jedem Fall empfiehlt es sich, rechtzeitig das Gespräch mit Fachleuten wie den Beratern der Ludwigsburger Energieagentur zu suchen. Hier gibt es eine kostenlose, unabhängige Erstberatung. Zudem können einem hier weitere Ansprechpartner vermittelt werden. Auch bei den Förderprogrammen muss man sich einen Überblick verschaffen. So gibt es von der KfW-Bankengruppe zinsgünstige Darlehen oder Zuschüsse für energetische Sanierungsprojekte. Bei denkmalgeschützten Gebäuden kommen zudem Steuersparmodelle hinzu. Darüber hinaus gibt es vielerorts kommunale Programme. Die Stadt Ludwigsburg beispielsweise unterstützt in bestimmten Stadtgebieten Sanierungen mit 20 Prozent der förderfähigen Kosten. Zu diesen Gebieten gehören Grünbühl/Sonnenberg, die Untere Stadt sowie die Ortskerne von Poppenweiler und Neckarweihingen.

Infos und Kontakte:
Ludwigsburger Energieagentur: telefonische Beratung (0 71 41) 2 42 22 35 dienstags und mittwochs 15 bis 18 Uhr sowie donnerstags und freitags 10 bis 12 Uhr.
Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
Ansprechpartner der Denkmalbehörden: www.denkmalpflegebw. de. Die Broschüre der Denkmalpflege: „Kulturdenkmale sanieren – Energie sparen“ ist über die Energieagentur erhältlich.
Denkmalförderprogramm des Wirtschaftsministeriums