Ludwigsburg | 12. Oktober 2017

Die ersten 1000 Kilometer besser nicht mit Vollgas fahren

Das neue Auto gleich mal so richtig auszupowern, klingt verlockend. Als stolzer Neubesitzer sollte man das aber besser nicht tun. Zwar gelten nicht mehr so starre Einfahrregeln wie zu Käfers Zeiten, trotzdem sollten neue Autos behutsam an ihre Höchstleistung herangefahren werden. Ein spezielles Einfahröl braucht heute kein Neuwagen mehr. Die Zylinder im Motor sind heutzutage dank modernster Technik so präzise gefertigt, dass es kaum noch Unebenheiten gibt, die bei Kolbenbewegungen abgerieben werden. So kann auch auf den vorzeitigen Ölwechsel, mit dem die abgeschmirgelten Materialpartikel früher entfernt wurden, verzichtet werden. Allerdings gilt nach wie vor, dass Neuwagen circa die ersten 1000 Kilometer nicht mit Vollgas gefahren werden sollten. Denn trotz verbesserter Zylinderoberflächen – richtig eingelaufen sind diese bei Neuwagen noch nicht. „Wer gleich Vollgas fährt, riskiert, dass die Zylinderoberflächen nicht geglättet, sondern großflächig abgetragen werden“, so Eberhard Lang vom Tüv Süd. Dies kann zur Folge haben, dass der Ölverbrauch mit der Zeit deutlich über die vom Hersteller angegebene Menge ansteigt und die Lebensdauer des Motors verringert wird.

Auch wenn es noch so verlockend ist, das neue Auto sollte behutsam eingefahren werden. Foto: underdogstudios/Fotolia
Auch wenn es noch so verlockend ist, das neue Auto sollte behutsam eingefahren werden. Foto: underdogstudios/Fotolia

Doch nicht nur beim Motor sollte man etwas Geduld aufbringen. „Mit einigen Teilen am Auto verhält es sich wie mit neuen Wanderstiefeln. So wie die Schuhe eingelaufen werden müssen, so müssen manche Bauteile eingefahren werden“, erklärt Lang. Wenn also die Stoßdämpfer am Anfang Schläge nicht sauber abfangen, ist dies noch kein Grund zur Beanstandung. Auch die Reifen haben erst nach einigen Kilometern richtig Griff. „Die Einfahrstrecke liegt bei etwa 150 Kilometern und rührt daher, dass Reifen im Neuzustand noch von einem Trennmittel umhüllt sind, das es erlaubt, den Reifen besser aus der Form zu lösen, in der er vulkanisiert wurde.“ Dieses Trennmittel muss zunächst durch Alltagseinsatz heruntergefahren werden. Das gilt ebenso für neu angeschaffte Winterreifen. Unmittelbar nach der Montage sollten die Besitzer deshalb das Fahrverhalten nicht überbewerten und entsprechend vorsichtig fahren.

Wie Reifen und Stoßdämpfer benötigen auch die Bremsen von Neuwagen etwas Einfahrzeit. Erst wenn sich Beläge und Scheiben aufeinander eingespielt haben, verzögern sie wirklich schnell und richtig dosiert. „Bei Neuwagen ist aus diesem Grund eine vorausschauende Fahrweise ganz besonders wichtig“, rät Lang. Gleiches gilt übrigens anfangs auch für Fahrzeuge mit generalüberholten Bremsen.

Bei manch neuem Fahrzeug nervt zudem der Geruch. Ausdünstungen aus neuen Kunststoffteilen sind nicht nur für die Nase unangenehm – die Dämpfe können müde machen und so das Reaktionsvermögen beeinträchtigen. Deshalb ist es ratsam, einen Neuwagen immer gut zu lüften.

Claudia Wohlhüter
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