Ludwigsburg | 13. Oktober 2017

SUVs sind für die Autoindustrie eine Bank

Wie lässt sich der Erfolg von SUVs erklären. Was zieht die Menschen in diese Autos?

Rüdiger Hossiep ist Wirtschaftspsychologe an der Ruhr-Universität Bochum. Foto: Heinemann/tmn
Rüdiger Hossiep ist Wirtschaftspsychologe an der Ruhr-Universität Bochum. Foto: Heinemann/tmn

Man kann das Auto als gepanzertes Selbst verstehen. Ich kann mich mit einem SUV stärker von der Außenwelt abschotten und transportiere auch etwas nach außen. Es erzeugt so etwas wie ein Überlegenheitsgefühl. Man sitzt höher, ist vermeintlich für jede Lage gut gerüstet und hat mehr Bodenfreiheit. Die geht aber auch mit überproportionalem Spritverbrauch einher. Denn wenn die Autos einige Zentimeter höher liegen und entsprechend große Stirnflächen haben, sorgt das eben für einen schlechten Cw-Wert.

Aber es gibt auch handfeste Vorteile?

Ein SUV erzeugt ein gewisses Überlegenheitsgefühl. Es ist leiser und es entkoppelt einen mehr von der Umwelt. Man fühlt sich nicht nur sicherer, das ist auch so. Denn im Falle eines Crashs hat in der Regel derjenige den Vorteil, der das schwerere Fahrzeug hat. Und man ist dem Unbill durch andere Verkehrsteilnehmer weniger ausgesetzt.

Mit einem SUV kann man sich Respekt verschaffen?

Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass Autofahrer, die an einer grünen Ampel stehen bleiben, umso später vom Hintermann angehupt werden, je größer ihr Auto ist. Fahren Sie mal mit einem Kleinstwagen und anschließend mit einem großen SUV rum. Sie werden völlig andere Erfahrungen im Verkehr machen. Mit dem großen SUV lassen Sie die anderen Leute ziemlich in Ruhe.

Stehen die SUVs allgemein für ein gewisses Schutzbedürfnis?

Ja und diese Schutzbedürftigkeit dürfte sogar noch zunehmen, denn der Straßenverkehr wird ja immer enger und ruppiger. Autofronten werden in diesem Zuge auch immer aggressiver gestylt. Durch die rauer gewordene Verkehrsumwelt, die Dichte des Verkehrs, höheren Zeitdruck und schnellere Fahrzeuge wird sich der Trend verstärken. Letztlich ist das eigene Auto ja ein Rückzugsort zum Mitnehmen. Öffentliche Verkehrsmittel bieten dies so nicht, so dass man im doppelten Wortsinn eher angreifbar ist. Auch aus diesem Grund erleben wir eine Renaissance des Individualverkehrs gerade bei Frauen, die sich dann sicherer fühlen. (tmn)

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