Ludwigsburg | 13. Januar 2018

Die neuen Trends bei Teppich und Parkett

Die Zeiten, in denen nur ein einziger Bodenbelag fürs ganze Leben verlegt wurde, sind vorbei. Mehr noch: „Der Boden wird heute als Designelement in einem Raum betrachtet, nicht mehr nur als eine Notwendigkeit“, erklärt Susanne Schmidhuber. „Er wird Teil der Rauminszenierung.“ Schmidhuber hat das Konzept der Weltleitmesse für Teppiche und Bodenbeläge Domotex entwickelt, die noch bis zum 15. Januar in Hannover stattfindet.

Auf der Weltleitmesse für Teppiche und Bodenbeläge Domotex in Hannover präsentiert die Branche noch bis zum 15. Januar ihre Neuheiten. Fotos: Deutsche Messe/dpa
Auf der Weltleitmesse für Teppiche und Bodenbeläge Domotex in Hannover präsentiert die Branche noch bis zum 15. Januar ihre Neuheiten. Fotos: Deutsche Messe/dpa
Längst mehr als nur eine Notwendigkeit: Die Bodenbeläge werden bunter und individueller und zu einem Teil des Raumkonzepts.
Längst mehr als nur eine Notwendigkeit: Die Bodenbeläge werden bunter und individueller und zu einem Teil des Raumkonzepts.

Der Teppich, das Laminat, Vinylboden – als Hingucker und Schmuck des Raumes? Das bietet den Herstellern viele Möglichkeiten, ihre Kreativität auszuleben und ihre Produktpalette auszubauen. „Das Angebot wächst rasant, sowohl was die Materialien als auch deren Zusammensetzungen und Designs betrifft“, bestätigt Richard Kille, Sachverständiger für Fußbodentechnik und Raumausstattung aus Köln.

„Alle Produkte werden immer stärker personalisiert und individualisiert“, sagt Messeexpertin Schmidhuber. Möglich ist das wiederum dank des technologischen Fortschritts. „Es ist heute kein Problem, kleine Stückzahlen zu produzieren, ohne damit die Preise in die Höhe zu treiben“, erklärt der Architekt Peter Ippolito, Vorsitzender der Domotex-Jury für die Trendauswahl „Framing Trends“.

Vor wenigen Jahren noch mussten die Hersteller in großen Mengen produzieren. Und wer etwas abseits des Massenmarktes suchte, musste dafür tief in die Tasche greifen. Das hat sich grundlegend geändert.

Mit dem Wunsch einhergehend, dem Boden immer mal wieder einen neuen Look zu verpassen, hat sich auch die Art des Verlegens gewandelt. „Es wird nicht mehr geklebt, sondern schwimmend, also mit Klicksystemen, oder lose verlegt“, erklärt Kille.

Das hat zum einen den Vorteil, dass der Untergrund, der beim Entfernen eines alten verklebten Belags schon mal beschädigt wird, nicht jedes Mal neu vorbereitet werden muss. Zum anderen wird das Verlegen einfacher – ein Bodenleger wird nicht mehr zwingend gebraucht. Auch lässt sich der Belag einfacher wiederverwenden und beim Umzug mitnehmen.

„Die Veränderbarkeit spielt heute eine ganz große Rolle“, betont auch Jury-Chef Ippolito. Das hat zugleich zur Folge, dass nun Planken und Fliesen den Markt dominieren. Sie sind zumeist auf Vinyl gefertigt, „haben aber nicht mehr den seriellen Look wie noch vor ein paar Jahren“.

Zugleich werden Feinsteinzeug-Fliesen beliebter. Die übliche Standardgröße 60 mal 60 Zentimeter verändert sich dabei. „Jetzt haben wir Großfliesen von 3 mal 1 Meter oder mehr“, erklärt der Architekt Ippolito.

Auch das Design verändert sich stetig – ebenfalls dank der besseren Produktionsmöglichkeiten. „Eine Feinsteinzeugfliese in Holzoptik galt früher als peinlich, heute ist sie überzeugend im Design“, meint Ippolito. „Es lässt sich oft visuell kaum ein Unterschied zum Echtholzboden erkennen.“ Zudem habe sich die taktile Qualität verbessert: „Sie verfügen über Prägematrizen, die eine täuschend realitätsnahe Oberfläche erzeugen.“

Zudem werden die Beläge bunter: „Grün, Braun, Beige und Orange sind die gefragtesten Farben, denn sie tragen zu einem kuscheligen Raumgefühl bei“, sagt Kille.

Auch wenn es sich bei einigen Exponaten, die auf der Domotex gezeigt werden, noch um Prototypen handelt, zeigen sie doch, was die Zukunft bringen wird. „Da sehen wir beispielsweise sich selbstreinigende Böden“, verrät Schmidhuber. „Ich habe einen gerollten Teppich gesehen, der an die Steckdose angeschlossen wird, sich leicht erwärmt und ein antibakterielles Mittel ausströmen lässt.“

Andere Hersteller verbauen Sensoren, die registrieren, wenn ein Mensch hinfällt, und dann einen Alarm auslösen. „Es gibt auch Matten, die als Wecker fungieren. Sie schlagen Alarm und gehen erst aus, wenn man sich mit dem gesamten Körpergewicht auf sie stellt“, berichtet Schmidhuber. Das seien zwar alles noch Unikate. Sie belegen jedoch, wie intensiv sich die Branche mit dem Thema beschäftigt.

Jana Illhardt
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