Ludwigsburg | 11. August 2018

Ein Haus aus Holz oder aus Stein

Ein Haus aus Stein oder Holz? Das ist in erster Linie eine Frage des individuellen Geschmacks. Die meisten Bauherren in Deutschland entscheiden sich für Massivhäuser aus Stein oder Beton. Doch es gibt immer wieder auch Holzhäuser in Neubausiedlungen.

Ob nun Holz besser ist oder Stein, lässt sich nicht so einfach und für alle Bauherren beantworten. „Sowohl mit Holz als auch mit Stein lassen sich gute Häuser bauen, die den aktuellen Anforderungen an Wohnqualität und Energieeffizienz entsprechen“, sagt Gabriele Heinrich, Geschäftsführerin des Verbraucherschutzverbands Wohnen im Eigentum in Bonn. Trotzdem gibt es Argumente, die im individuellen Fall für die eine oder die andere Bauweise sprechen. Ein Überblick:

Das Holzhaus

Laut Oliver Mertens vom Deutschen Massivholz- und Blockhausverband in München sind 18 Prozent aller Neubauten in Deutschland Holzhäuser. Sie werden nicht nur im skandinavischen Stil oder als Blockhaus erbaut. Die Konstruktion hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert, so dass vielfältige Gestaltungsvarianten möglich sind. „Auf den ersten Blick ist oft gar nicht zu erkennen, ob es sich um ein Stein- oder Holzhaus handelt“, sagt Mertens.

Ein Hauptargument für den Baustoff Holz ist ein Gefühl, das manche empfinden, wenn sie ein Holzhaus betreten oder gar darin leben. Es wird als behaglich, wohltuend und heimelig beschrieben. Ein wesentlicher Vorteil von Holzhäusern ist ihre Nachhaltigkeit, denn Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der Kohlendioxid aus der Atmosphäre speichert. Wird er verbaut, bleibt das CO2 dauerhaft gebunden – und das ist gut fürs Klima.

Auch in puncto Energieeffizienz steht das Holzhaus anderen Bauweisen nicht nach – zumal sie alle die gesetzlichen Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) erfüllen. „Vollholz erreicht gute Dämmwerte allein durch den Wandaufbau. Teilweise kann auf zusätzliche Dämmung verzichtet werden“, erklärt Mertens. „Und zweischalige Wände mit einer Kerndämmung schaffen sogar so hohe Dämmwerte, dass sie die Anforderungen der EnEV übertreffen.“ Ein weiteres Argument: „In Vollholzhäusern strahlt die Wand keine Kälte ab. Daher wird ein angenehmes Raumklima erzeugt“, so Oliver Mertens.

Auch lassen sich Holzhäuser gut als Fertigbauten realisieren, entweder als ein- oder mehrschalige Massivholzwände oder zugeschnittene Blockbohlen, die auf dem Bauplatz zum Haus zusammengefügt werden. „Beides hat den Vorteil, dass die Hölzer im Trockenen bearbeitet werden und erst dann auf die Baustelle kommen. Auf diese Weise muss anschließend keine Baufeuchte aus dem Haus entfernt werden“, erklärt Oliver Mertens. Das ist wichtig, denn Feuchtigkeit, die nicht entweichen kann, ist der größte Feind des Holzes – ein Nachteil des Baumaterials. Deshalb muss es während des Baus und besonders danach vor der Witterung geschützt werden.

„Statt chemischer Imprägnierungen setzen gute Baufirmen auf konstruktiven Holzschutz“, sagt Mertens. „Dabei kommt es darauf an, das Haus so zu planen, dass das Wasser nicht an empfindliche Stellen herankommt und insgesamt gut abfließen kann.“

Ein weiterer Punkt, auf den Bauherren achten sollten, ist der Schallschutz. „Ein guter bis höherer Schallschutz ist beim gemauerten Massivbau konstruktiv leichter zu gewährleisten“, erklärt Heinrich. „Soll bei Holzkonstruktionen ein ausreichender bis hoher Schallschutz erreicht werden, ist dies mit zusätzlichen und kostenintensiveren Maßnahmen verbunden.“

Das Steinhaus

Die weitaus größere Zahl von Bauherren entscheidet sich in Deutschland für ein Haus aus Mauerwerk. Ronald Rast, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau, spricht von über 74 Prozent der 2017 fertiggestellten Einfamilienhäuser.

Er wirbt einerseits mit dem Preis: Steinhäuser der gleichen Qualität seien etwas günstiger als Holzbauten. Außerdem sei diese Bauweise widerstandsfähiger bei Wetterphänomenen wie Hochwasser.

Auch Steinhäuser erfüllen die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV). Die Steine können tagsüber die Wärme der Sonne aufnehmen und Temperaturspitzen im Wohnraum abbauen. Nachts, wenn die Außentemperaturen sinken, geben sie die gespeicherte Wärme an den Raum ab. „Dieser Effekt sorgt für eine Senkung des jährlichen Energiebedarfs um bis zu zehn Prozent“, so Rast.

Die Massivhaus-Produzenten nehmen ebenfalls für sich in Anspruch, besonders gesunde und behagliche Häuser zu bauen. „Die vier Mauersteinarten Kalksandstein, Leichtbeton, Porenbeton und Ziegel bieten in dieser Hinsicht allesamt beste Voraussetzungen, da ihre Bauteile und Oberflächen keine Gase, Stäube oder Fasern freisetzen“, sagt Rast.

Ein Nachteil bei Stein- oder Betongebäuden ist die sogenannte Baufeuchtigkeit. Da Materialien wie Beton, Mörtel, Putz, Estrich und Anstrich viel Wasser enthalten, muss in einem Massivhaus je nach Konstruktion in den ersten drei Jahren mit einer höheren Luftfeuchtigkeit gerechnet werden. In dieser Zeit ist der Verbrauch von Heizenergie in der Regel höher.

Katja Fischer
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