Ludwigsburg | 30. Dezember 2017

Sanierungsstau im Heizungskeller – Gute Planung statt Notfall

Die Sanierungsquote bei gasbasierten Heizungen betrage lediglich rund drei Prozent im Jahr, die von Ölheizungen rund ein Prozent pro Jahr. Kurzum: Hausbesitzer tauschen eine Heizung erst aus, wenn sie kaputt ist. Viele fragen sich: Warum eine noch funktionierende Heizung für viel Geld austauschen?

Die Experten raten, sich bereits im Vorfeld Gedanken über eine neue Heizung zu machen, bevor der Notfall eintritt. Foto: ZVSHK/dpa
Die Experten raten, sich bereits im Vorfeld Gedanken über eine neue Heizung zu machen, bevor der Notfall eintritt. Foto: ZVSHK/dpa

Ein Hauptgrund für die niedrige Austauschquote sind die hohen Kosten für eine neue Anlage. Das Problem: Wer die Mittel hat, denkt nicht sofort an die Heizung. „Das Geld ist da, und es wird auch investiert“ – aber eher in ein schickes Auto, eine vorzeigbare Küche oder auch gerne in den Badezimmer-Ausbau, berichtet Frank Ebisch vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima. Da hilft kaum das Argument, dass langfristig Ersparnisse bei den Betriebskosten möglich sind.

Hinzu kommt die Unsicherheit: Langfristiges Ziel ist es, aus Klimaschutzgründen den Verbrauch von Öl, Kohle und Gas zu drosseln. In der Politik wurde in den vergangenen Jahren immer wieder ein Steuerbonus für die Heizungssanierung diskutiert, der aber nicht kam. Dagegen sank der Ölpreis zeitweise deutlich.

Stellt sich die Frage, welche Probleme der Erhalt einer Heizung für den Hausbesitzer haben kann. Der Klimaschutz ist ein übergeordnetes politisches Ziel und die erwartbaren Ersparnisse bei Betriebskosten können Haushalte nur einfahren, wenn sie vorher Geld investieren. Welchen praktischen Nachteil sollte es aber geben, die ältere Heizung zu erhalten, solange sie gut läuft?

„Wenn ein Kessel optimal läuft und zum Wärmebedarf des Hauses passt, muss er nicht unbedingt ausgetauscht werden“, sagt zwar Marcus Weber von der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online. Doch seien die wenigsten Anlagen richtig eingestellt.

Immerhin: Öl- oder Gasheizkessel werden heute durch öl- oder gasbasierte Brennwerttechnik ausgetauscht. Diese ist energieeffizienter als die alten Niedertemperaturkessel. Der BDH spricht von möglichen Einsparungen von 30 Prozent der Energiekosten. „Aber man verzichtet auf alle anderen Möglichkeiten“, sagt Ebisch.

Solarthermie lasse sich zwar bei praktisch allen Heiztechnologien noch nachrüsten, erklärt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband Solarwirtschaft. „Effizienter und preiswerter ist es jedoch, im Falle einer Heizungsmodernisierung gleich auf ein Kombisystem zu setzen, da das Gesamtsystem dann gleich optimal aufeinander angepasst werden kann.“

Auch wer sich keinen frühzeitigen Heizungsaustausch leisten kann, sollte Folgendes tun: Zunächst empfiehlt Ebisch, sich mit dem Szenario „Was wäre wenn“ auseinanderzusetzen. „Besitzer von Heizungen, die über 15 Jahre alt sind, sollten sich Gedanken machen, was sie künftig haben wollen, und sich darüber informieren.“ Auch Weber von co2online betont: „Wenn ich eine 25 Jahre alte Heizung habe und diese geht kaputt, sollte ich die Schublade aufziehen und einen Plan herausholen können.“ Das kann kein ausgereifter Schlachtplan sein, der sich auf die Schnelle umsetzen lässt. Aber man sollte sich mindestens informiert haben, was möglich ist, und entschieden haben, was man künftig möchte.

BDH-Sprecher Frederic Leers erklärt außerdem: „Viele Hausbesitzer haben kein Gespür dafür, wie es um den energetischen Zustand ihrer Heizung bestellt ist.“ Daher raten alle Experten übereinstimmend den Hausbesitzern, ihren Heizungsbauer oder den Schornsteinfeger beim nächsten Routinetermin um eine Einschätzung zum Gesamtzustand und zum energetischen Zustand der Heizung zu bitten.

Hinzu kommt das Thema Förderung, bei dem Wissen und etwas Planung von Vorteil sind, denn bei vielen Angeboten müssen Hausbesitzer vor Beginn der Arbeiten einen Antrag stellen sowie bestimmte Standards erfüllen. (tmn)

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