Ludwigsburg | 30. Dezember 2017

Wie viel Party feiern ist an Silvester erlaubt?

An Silvester knallt, zischt und heult es. Die einen finden es toll und feiern bis zum Morgen, während andere genervt sind und sich mit dem Kissen über dem Kopf im Bett verkriechen. Wohnen Partyfreudige und Silvestermuffel im selben Haus, kann das zu Problemen führen – muss es aber nicht. „Gegenseitige Rücksichtnahme“ lautet nach Aussage von Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund in Berlin das Stichwort für Silvester.

Bei einer Silvesterparty geht es oft laut zu. Trotz des Ausnahmezustandes an diesem Tag sollte, wer eine Feier in seiner Wohnung veranstaltet, Rücksicht auf die Nachbarn nehmen. Foto: Christin Klose/dpa
Bei einer Silvesterparty geht es oft laut zu. Trotz des Ausnahmezustandes an diesem Tag sollte, wer eine Feier in seiner Wohnung veranstaltet, Rücksicht auf die Nachbarn nehmen. Foto: Christin Klose/dpa

Partymuffel sollten in dieser Nacht eine „erweiterte Toleranzgrenze“ haben: „Wer Silvester um halb zwölf die Polizei anruft und sagt: ,Bei mir ist es zu laut‘ – ich glaube nicht, dass die Polizei ausrückt“, sagt Ropertz. Gleichzeitig gelte für die Feiernden: „Es ist kein Freibrief, am 31.12. die Wände wackeln zu lassen.“ Im Folgenden einige allgemeine Informationen zur Silvesternacht:

Ab wann muss Ruhe herrschen?

Rein rechtlich gesehen gibt es an Silvester keine Ausnahme. Auch dann gilt ab 22 Uhr die Nachtruhe. Das heißt, es darf nur noch so leise gefeiert werden, dass der Nachbar nichts davon hört. In der Realität sieht es allerdings anders aus – aus nachvollziehbaren Gründen. „Wenn um 24 Uhr geböllert wird und Raketen gestartet werden, ist es einfach absurd, wenn ich darauf bestehe, dass aus der Nachbarwohnung nichts zu hören ist“, erklärt Ropertz. Schließlich seien die Umgebungsgeräusche zehnmal lauter als das, was aus der Nachbarwohnung kommen könne.

Generell können Mieter auch bei der Silvesterparty mit kleinen Gesten Rücksicht zeigen, meint Julia Wagner vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland in Berlin. „Man kann die Bässe aus der Musik rausdrehen, dass es nicht so dröhnt und donnert, die Fenster schließen oder Filzgleiter unter den Stühlen befestigen. Gerade wenn man Parkett hat, kann man die Gäste bitten, die Schuhe auszuziehen.“

Muss die Feier angekündigt werden?

Nein, denn rein rechtlich hat dieser Hinweis keine Bedeutung. Allerdings: „Als freundliche Geste könnte man bei den unmittelbaren Nachbarn Bescheid geben“, rät Norbert Schönleber, Rechtsanwalt in Köln und im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Mietrecht und Immobilien im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Wer informiert oder vielleicht sogar gleich selbst zur Feier eingeladen wird, zeigt sich bei Partylärm vermutlich toleranter. Allerdings berechtigt eine Ankündigung nicht zu mehr Lärm. „Wenn ich eine Party ankündige, kann der Nachbar trotzdem verlangen, dass ich ab 22 Uhr die Musik leiser stelle“, sagt Julia Wagner.

Wo darf überall geknallt

werden?

Das Gesetz verbietet das Zünden von Feuerwerk in der unmittelbaren Nähe von Krankenhäusern, Kirchen, Kinder- und Altersheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern. In einigen Städten und Gemeinden gibt es weitere Feuerwerk-Verbotszonen. Ansonsten gelten keine Einschränkungen.

„Mietrechtlich ist es völlig egal, ob ich vom Hof, vom Balkon oder von der Straße die Raketen abfeuere“, sagt Ropertz. „Es muss aber gewährleistet sein, dass durch das Abschießen der Raketen keine Nachbarn gefährdet sind.“

Anwalt Schönleber ergänzt: „Ich muss darauf achten, dass es nicht zu Beschädigungen kommt. Da kann es vom Balkon aus kritisch werden, weil ich ins Dach oder Nachbarfenster schießen kann.“

Wer haftet für Schäden?

Geht einem Partygast das Sektglas zu Bruch, zahlt dessen Haftpflichtversicherung. Ist dagegen kein Verursacher festzustellen, bleibt der Geschädigte auf den Kosten sitzen. Als Gastgeber einer Party haftet man für alle mit, die man bewusst und gewollt eingeladen hat, sagt Schönleber. „Wenn nachzuweisen ist, dass für einen Schaden im Hausflur irgendein Besucher des Mieters verantwortlich ist, haftet dieser Mieter als Gastgeber.“

Selbst wenn herausgefunden würde, welcher Besucher es war, haftet der Mieter gegenüber dem Vermieter mit. Der geschädigte Vermieter kann seinen Mieter oder dessen Gast in Anspruch nehmen. Generell gilt: Wer einen Schaden mutwillig oder grob fahrlässig herbeiführt, kann die Versicherung nicht in Anspruch nehmen. „Wenn ich dadurch Schäden anrichte, dass ich gezielt in Wohnungen hereinschieße, kann ich anschließend nicht sagen: Meine Versicherung bezahlt den Schaden. Da hafte ich selbst“, betont Ulrich Ropertz.

Wer beseitigt den Dreck?

Wer zum Beispiel im Hausflur groben Dreck verursacht hat, macht ihn auch wieder weg. Wem das nicht schon der gesunde Menschenverstand sagt, der ist auch als Mieter dazu verpflichtet. „Das entsteht aus der Obhutspflicht aus dem Mietverhältnis heraus, dass ich die Sachen, die über den normalen Gebrauch hinausgehen, auch entferne, so dass es wieder einigermaßen sauber ist“, sagt Rechtsanwalt Schönleber. „Das betrifft alles, was zum Grundstück gehört.“

Auf den Straßen sind in der Regel am folgenden Tag die Reinigungsfahrzeuge der Stadt unterwegs. Das kann aber je nach Gemeinde unterschiedlich sein. Julia Wagner warnt: „Bei grober Verschmutzung können sogar theoretisch vom Ordnungsamt Bußgelder verhängt werden.“

Christina Bachmann
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