Hypnose
Ludwigsburg | 17. Juli 2013

In Trance lässt Anspannung nach

Immer mehr Mediziner lassen sich entsprechend fortbilden – Gerade auch bei Zahnbehandlungsangst wirksam

Jetzt auf meiner Lieblingsinsel sein, das würde mich entspannen. Also beschreibe ich das Eiland und fixiere mit dem Auge das Licht der Taschenlampe. Die Gedankenreise beginnt und Trance setzt ein. Hypnose ist mehr als nur Show, immer mehr Mediziner lassen sich entsprechend fortbilden.

Hypnose soll nämlich nicht nur Schmerzen lindern und psychische Belastungen vermindern, sie ist gerade in der Zahnmedizin auf dem Vormarsch. Es gibt nämlich Menschen, die massive Angst vor dem Zahnarztbesuch haben, Dentalphobie nennt sich dieses Leiden. Das Betreten einer Zahnarztpraxis ist für sie der blanke Horror.

Die Folge ist Vermeidungsverhalten. „Ich habe Patienten, die waren schon zehn Jahre und länger nicht mehr beim Zahnarzt“, erzählt Dr. Heike Bächler aus Remseck--Hochberg. Aber je länger der letzte Besuch zurückliegt, umso aufwendiger wird dann eine notwendige Behandlung und umso größer ist wieder die Angst davor.

Sanfte Entspannungsmusik

Die Zahnärztin hat sich auf solche Problempatienten spezialisiert, sie nimmt ihnen das unangenehme Gefühl. Das geschieht auch mit Hypnose. Leise Entspannungsmusik und stimmungsvolle Wand- sowie Deckenmalereien deuten bereits darauf: In dieser Praxis ist alles etwas anders. Angstpatienten lernen hier, ihre unangenehmen Empfindungen auf ein Minimum zu reduzieren oder sogar ganz auszuschalten.

Allein schon die etwas andere Atmosphäre trägt dazu bei, dass Betroffene deutlich weniger Angst spüren. Hinzu kommt Dr. Heike Bächlers angenehme Stimme. Sie ermutigt die Patienten, an etwas Schönes zu denken. „Meistens ist es ein Urlaubsziel, aber auch ein Waldspaziergang oder eine Wanderung in den Bergen werden häufig genannt“, berichtet die Zahnärztin.

Der Patient fixiert schließlich das Licht einer Taschenlampe oder aber ein Pendel, während die Ärztin diesen schönen Ort beschreibt und schließlich den Trancezustand einleitet, der für eine tiefe Entspannung sorgt. Solche Zustände sind laut Dr. Heike Bächler nichts Seltenes. Sie treten immer dann auf, wenn der Mensch sich auf etwas ganz Bestimmtes konzentriert und alles andere um sich herum ausschaltet.

„Manche geraten beim Fernsehen in Trance, andere bei langen Autofahrten oder beim Lesen eines spannenden Buches“, sagt die Zahnärztin. Kinder befinden sich häufig beim Spielen in solchen Trancezuständen. Um die kleinen Patienten zu beruhigen, hat die Zahnärztin Conny parat. Das ist eine knuddelige Handpuppe mit Zöpfen, die so nett sprechen kann. Oder aber der niedliche Affe, der einfach zum Liebhaben ist.

Fasziniert sind nicht nur Kinder überdies von dem Balancevogel, der wie selbstverständlich auf der Fingerspitzeschwebt. Und Jugendliche halten laut Dr. Bächler gerne das Knautschherz in der Hand.

„Die meisten Angstpatienten haben ein Trauma aus der Kindheit“, weiß die Zahnärztin. Im Klartext: Statt die kleinen Patienten zu beruhigen, wandten Zahnärzte früher oftmals rüde Methoden an, um die Behandlung durchführen zu können. Der Spruch „reiß dich zusammen“ zählte da noch zu den harmlosen Mitteln. Dr. Heike Bächler gibt ihren Patienten auch Tipps, wie sie durch Selbsthypnose schnelle Tiefenentspannung in Stresssituationen erlangen können.

Die Medizinerin gehört der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose (www.dgzh.de) an, die sich ganz klar von Showhypnose mit einem mächtigen Hypnotiseur und einem willenlosen Medium abgrenzt.

Mit seriöser medizinischer Hypnose habe dies nichts zu tun, Bühnenhypnose sei in den meisten Fällen wirklich nur Show, versichert die DGZH. Dr. Heike Bächler nennt Hypnose eine Form der Kommunikation und die funktioniere nur, wenn der Einzelne auch gewillt sei, sich in einen Trancezustand versetzen zu lassen. „Es gibt Menschen, die nicht abschalten können, da gelingt

Hypnose dann sehr schlecht“, merkt sie an. Die DGZH, in der bereits 1600 Zahnärzte zusammengeschlossen sind, geht aber davon aus, dass 80 Prozent gut auf Hypnose ansprechen.

Die 1994 gegründete Gesellschaft mit Sitz in Stuttgart macht unter anderem Fortbildungsangebote für Ärzte. Dr. Heike Bächler hat ebenfalls eine solche halbjährige, 140 Stunden dauernde Zusatzausbildung absolviert, ihre Praxis wurde entsprechend zertifiziert und sie darf nun offiziell Hypnose anbieten. Auch wenn sie betont, dass Patienten jederzeit aus ihrem Trancezustand aufwachen können und nicht dem Arzt willenlos ausgeliefert sind, sichert sie sich zusätzlich ab.

Aus rechtlichen Gründen wird deshalb jede Hypnose mit der Kamera aufgezeichnet. Warum wirkt die Hypnose? Weil der Mensch ohnehin permanent Eindrücke filtert und er es somit gewohnt ist, die meisten Wahrnehmungen ins Unterbewusstsein zu verschieben. „Zehn Dinge um uns herum nehmen wir bewusst und etwa eine Million unbewusst wahr“, sagt Dr. Heike Bächler.

Angelika Baumeister
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