Ludwigsburg | 07. Juni 2017

Jeder Vierte bekommt bei Erkältung Antibiotika

Die Medikamente helfen gar nicht bei durch Viren verursachten Erkrankungen – Zunehmende Resistenzen sind das Problem

Falscher Einsatz gefährdet die Wirksamkeit der Medikamente. Foto: LKZ-Archiv
Falscher Einsatz gefährdet die Wirksamkeit der Medikamente. Foto: LKZ-Archiv

Zahlen der Techniker Krankenkasse (TK) in Baden-Württemberg zeigen eine Trendwende bei der Verordnung von Antibiotika durch niedergelassene Ärzte: Vergangenes Jahr haben knapp 24 Prozent der Beschäftigten, die erkältungsbedingt krankgeschrieben waren, Antibiotika verschrieben bekommen.

Im Jahr 2014 waren es noch rund 31 Prozent. Das zeigen Vorabdaten aus dem aktuellen Gesundheitsreport der TK. Schaut man auf die Beschäftigten, die erkältungsbedingt nur kurz und zwar ein bis maximal drei Tage krankgeschrieben waren, bekommen sogar nur noch gut 17 Prozent Antibiotika verordnet. Bundesweit beobachtet die TK ebenfalls einen Rückgang, der Durchschnitt 2016 lag bei rund 27 Prozent.

„Ärzte und Patienten sollten bei dem Thema nicht lockerlassen. Denn nicht jede Erkältungskrankheit erfordert ein Antibiotikum. Die überwiegende Zahl der Erkältungsinfekte ist durch Viren hervorgerufen - und gegen eine Virus-Infektion hilft das Medikament nicht. Antibiotika wirken nur gegen Bakterien“, erklärt Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. Ein falscher Einsatz gefährde die Effektivität dieser hochwirksamen Mittel.

Es können sich multiresistente Erreger (MRE) bilden, gegen die Antibiotika nichts mehr ausrichten können. Weltweit verbreiten sich Resistenzen immer mehr. Multiresistente Erreger sind Bakterien, die durch ihre Antibiotika-Resistenzen die Therapie von Patienten erschweren. Wichtige Vertreter sind: Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE), Multiresistente gramnegative Stäbchen-Bakterien (Gruppen verschiedener Erreger) sowie 3MRGN, das sind Bakterien, gegen die drei definierte Antibiotika-Gruppen keine Wirkung zeigen und 4MRGN, Bakterien, gegen die vier definierte Antibiotika-Gruppen keine Wirkung zeigen „Ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen ist Patientenaufklärung“, sagt Vogt. Ein mit Hygieneexperten der Berliner Charité entwickeltes Informationskonzept ging kürzlich bei der TK online: Es verbindet sachliche Aufklärung und praktikable Handlungsempfehlungen, um Versicherte für das Thema zu sensibilisieren.

Im Juli startet außerdem auch in Baden-Württemberg das Projekt „Resistenzvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen“ (Resist).

Der Ersatzkassenverband vdek, die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und unter anderen die KV Baden-Württemberg wollen damit die Menge unnötiger Antibiotikaverordnungen weiter verringern.

Auch die Politik setzt ihre Anstrengungen im Kampf gegen die Resistenzbildung fort. So hat das Bundeskabinett in der Nachfolge der 2008 beschlossenen Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) vor zwei Jahren die „DART 2020“ verabschiedet. Sie bündelt Maßnahmen, die erforderlich sind, um Antibiotikaresistenzen zu reduzieren. (red)

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