Ludwigsburg | 26. September 2017

In diesem Beruf steckt Musik

Der Beruf, den Uwe Norkus ausübt, ist eher selten: Der Ludwigsburger ist Gitarrenbaumeister. In seiner Werkstatt in Ludwigsburg-Poppenweiler konzentriert er sich auf die Reparatur dieser Zupfinstrumente, die aus vielen Ländern der Welt stammen. Denn ob amerikanische Westerngitarre, griechische Bouzouki, indische Sitar, hawaiianische Ukulele oder europäische Mandoline: Zupfinstrumente werden in der ganzen Welt gespielt.

Hübsch aufgereiht sind hier die Ersatzteile aus Holz.
Hübsch aufgereiht sind hier die Ersatzteile aus Holz.
Ein ausgerissener Gitarrenkopf gehört zu einem der Schäden, die häufig vorkommen.
Ein ausgerissener Gitarrenkopf gehört zu einem der Schäden, die häufig vorkommen.
Uwe Norkus ist Gitarrenbaumeister. Im Keller seines Hauses in Ludwigsburg-Poppenweiler hat er seine Werkstatt. Fotos: Holm Wolschendorf
Uwe Norkus ist Gitarrenbaumeister. Im Keller seines Hauses in Ludwigsburg-Poppenweiler hat er seine Werkstatt. Fotos: Holm Wolschendorf

Dass er mal Instrumentenbauer werden würde, war Uwe Norkus nicht in die Wiege gelegt. Geboren ist er in Thüringen, aufgewachsen in Württemberg. Seine Familie ist im Jahr 1956 aus der DDR geflüchtet. „Ich war 13 oder 14 Jahre alt, als ich eine mit Stahl bespannte Wandergitarre geschenkt bekam“, erinnert sich der Mittsechziger im Gespräch. „Es ist keine Voraussetzung, aber sehr hilfreich, Gitarre spielen zu können“, erzählt der Instrumentenbauer.

„Musik war schon immer mein Ding“, sagt er. Joan Baez, Bob Dylan und Bob Seeger waren seine musikalischen Vorbilder. Norkus spielt übrigens nicht nur Gitarre, sondern singt seit einigen Jahren beim Chor „Gospel Power“ mit. Nach der Bundeswehrzeit machte er eine Ausbildung als Krankenpfleger, studierte Mathematik und Physik, bevor er sich an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg für ein Lehramtsstudium einschrieb. Das Erste Staatsexamen hatte er bereits bestanden, als er wieder umsattelte.

In Neumarkt-Sankt Veit an der österreichischen Grenze begann er mit seiner Ausbildung als Gitarrenbauer. Diesem Beruf sollte er treu bleiben und sogar so viel Gefallen daran finden, dass er später auch die Meisterprüfung ablegte. Bei Radio Barth in Stuttgart war er dann von 1979 bis zum Jahr 1995 tätig und übernahm vor allem die Reparatur dieser Instrumente. Das Radiohaus Barth war eines der ältesten württembergischen Musikfachgeschäfte, gegründet im Jahr 1878, und bis zur Schließung 1995 Kult. Dort eignete sich Norkus auch Kenntnisse im Geigenbau an. „Viele Musiker des Staatstheaters ließen sich von mir die Geigenbögen behaaren“, so Uwe Norkus. 45 Jahre alt war er, als Radio Barth den Betrieb einstellte und er arbeitslos wurde. Umschulen, das kam für ihn nicht infrage, also richtete er sich im Keller seines Hauses in Poppenweiler eine Werkstatt ein und baute sich einen Reparaturservice auf.

Jedes Musikinstrument, das in Gebrauch ist, zeigt Verschleißerscheinungen oder geht sogar kaputt. „Es gibt sehr viel, was kaputtgehen kann“, so der Experte. Der Kopf kann abbrechen, der Steg beschädigt werden oder der hölzerne Körper einen Riss bekommen. Doch auch bei individuellen Veränderungen von Gitarren ist das Können von Uwe Norkus gefragt. Hier kommt es auf die enge Zusammenarbeit mit den Musikern an. Ob zu dem Blues-Musiker Eddy Wilkinson, besser bekannt als Fast Eddy, oder Rudi Buttas, Gitarrist bei der Band Pur. Letzterer ließ sich bei einem Besuch in der Werkstatt nicht lange bitten und spielte der Enkelin von Uwe Norkus spontan ein Lied auf der Gitarre. Etliche Musiker haben sich auf einer Pinwand in der Werkstatt mit einer Unterschrift verewigt.

Das teuerste Instrument, das der Experte repariert hat, war übrigens eine handgefertigte amerikanische Gitarre, für die der Besitzer wohl 20 000 Euro gezahlt hatte. Bei solchen Stücken lohnt sich eine Reparatur auf jeden Fall, bei billigen Instrumenten eher nicht.

Fichte ist das Holz, das am besten für den Instrumentenbau geeignet ist. Je höher der Ort, an dem der Baum gestanden hat, umso besser. In den Bergen wachsen die Bäume langsamer, die Holzqualität ist besser, weist der Fachmann auf einen wichtigen Aspekt hin. Zu erkennen ist das an den Jahresringen, die bei dem langsam wachsenden Bäumen ganz schmal sind. Auch auf das Innenleben, sprich die Bebalkung, kommt es an. Diese sorgt für den guten Klang eines Instrumentes. Hinzu kommen kleine Extras wie das Bookmatsching, bei dem zwei Korpusteile aneinandergeleimt werden. Sein Wissen gibt Uwe Norkus weiter: Er bildet einen Gesellen aus. Der Beruf des Gitarrenbauers soll schließlich nicht aussterben.

von marion blum
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