Ludwigsburg | 18. Juli 2017

Sport für Mensch und Langohren

Das Interesse an Kaninchen liegt quasi in der Familie, doch die 22-Jährige hat neben der Zucht das Kaninhop für sich entdeckt. Dabei springen die Vierbeiner in einem Parcours, ähnlich wie beim Reitsport, über Hindernisse. Casanova ist eines der sportlichen Springkaninchen von Marie Zwiefelhofer. Im elterlichen Garten in Sachsenheim befindet sich der Stall mit den Boxen. Dort leben circa 40 Kaninchen unterschiedlicher Rassen. Neugierig recken die Tiere mit dem flauschigen Fell dem Besucher ihre Näschen entgegen. Die meisten von ihnen verkrümeln sich allerdings schnell wieder, wenn sie bemerken, dass außer einigen Streicheleinheiten nichts zu holen ist.

Allez hopp: Casanova meistert die Hindernisse, begleitet von Marie Zwiefelhofer, mit elegantem Schwung.
Allez hopp: Casanova meistert die Hindernisse, begleitet von Marie Zwiefelhofer, mit elegantem Schwung.
Der erst wenige Wochen alte Nachwuchs drängt sich um den Fressnapf.
Der erst wenige Wochen alte Nachwuchs drängt sich um den Fressnapf.
Stimmt das Vertrauen zwischen Mensch und Tier, klappt es auch mit dem Kaninhop.
Stimmt das Vertrauen zwischen Mensch und Tier, klappt es auch mit dem Kaninhop.

„Die Kaninchen haben das Springen im Blut“, erklärt Marie Zwiefelhofer. „Die sehen das Hindernis, laufen los und springen darüber“, so die 22-Jährige. Sollte das mal nicht so klappen, gibt es einige Tricks: Das Rufen mit Namen und das Kitzeln am Popo zum Beispiel macht den Kaninchen Beine. Außerdem gibt es durchaus Unterschiede bei den Rassen: Die Zwergwidder, die Vater Martin Zwiefelhofer züchtet, sind vom Typ her eher gemütlich. Mit einer Mischung aus Hasenkaninchen und Zwergscheckenmix hat Marie Zwiefelhofer die besten Erfahrungen gemacht.

„Caligula, der Vater von Casanova und King Louie, war der beste Hopper, den ich hatte“, so die junge Frau. Als das Tier an einer Stroh- und Heuallergie erkrankte, hatte es viele, viele Nachkommen gezeugt, die von ihrem Vater die Begabung zum Springen geerbt hatten. Marie Zwiefelhofer hat mit ihrer Stelle im Reisebüro ihren Traumjob sowie mit der Kaninchenzucht und dem Kaninhop eine ausfüllende Freizeitbeschäftigung gefunden, die ihr viel Spaß bereitet.

Durch Gerhard Bayha, Kaninhop-Beauftragter vom Landesverband der Rassekaninchenzüchter Württemberg und Hohenzollern, wurde Marie Zwiefelhofer auf diese Sportart aufmerksam, die dem Bewegungsdrang dieser Tiere entgegenkommt. Immer nur vor dem Fressnapf zu sitzen, ist auf die Dauer nicht nur langweilig, sondern macht die Tiere auch träge. Kaninchenfreunde aus Schweden haben dafür das Kaninhop vor rund 25 Jahren sozusagen erfunden. In Deutschland hat diese Sportart, die die Vierbeiner und auch deren Besitzer auf Trab hält, seit Mitte der 90er Jahre ihre Fans gefunden. Freude am Springen ist die wichtigste Voraussetzung, die Kaninchen erfüllen sollten. Außerdem sollten die Tiere nicht zu scheu sein, sondern an ihren Besitzer gewöhnt sein.

Bevor es an den Start geht, wird dem Kaninchen ein Brustgeschirr angelegt. Während es an der Leine gehalten wird, springt es über Hindernisse. Je nach Können treten die Vierbeiner in verschiedenen Klassen an: In der schwierigen Klasse haben die Hoppler zum Beispiel zehn Hindernisse zu bewältigen, die maximal 40 Zentimeter hoch sind. Hinzu kommen drei Weitsprünge mit einer Länge von maximal 55 Zentimetern und ein beherzter Sprung über einen Wassergraben.

Benötigt werden neben einer Leine und einem passenden Geschirr Hindernisse, bei denen sich die Tiere nicht verletzen. Ideal sind Stangen, die aus der Halterung fallen, sobald das Tier dort mit seinen Füßen hängen bleibt. Der Untergrund sollte weich sein: Ein ideales Trainingsgelände ist eine Wiese. Über solch einen Platz verfügt Marie Zwiefelhofer, auch wenn das saftige Grün offenbar eine große Ablenkung darstellt, der weder King Louie noch Casanova so recht widerstehen können. Es gilt bestimmt nicht als unerlaubtes Doping, wenn man während des Trainings mal einen Grashalm knabbert.

Auch was die Trainingsintervalle anbelangt, lässt die junge Frau Milde walten: Allzu oft holt sie ihre Kaninchen nicht aus dem Stall. „Wenn man zuviel mit ihnen übt, haben sie keine Lust mehr“, schildert die Kaninhop-Expertin ihre Erfahrungen. Sie dosiert die Übungseinheiten so, dass die Tiere sich darauf freuen, ihren Stall verlassen und springen zu dürfen. Casanova und King Louie sind jedenfalls motiviert bis in die Spitzen ihres dichten Fells, als Marie Zwiefelhofer die Stalltüren öffnet, einen nach dem anderen herausholt und ihnen das Geschirr anlegt. Dieses wird übrigens passgenau von Hand angefertigt. King Louie scheint besonders aufmerksam bei der Sache zu sein: Ob er Marie Zwiefelhofer auch gehorcht? „Manchmal“, sagt sie und gibt zu bedenken, dass Kaninchen durchaus intelligente Tiere sind. Die Leine ist eher als Notbremse gedacht. Sollte mal eines der beiden Kaninchen versuchen, in Richtung Straße auszubüchsen, so lassen sich die Ausreißer leichter einfangen. Ende Juli reisen die besten Hopper mit ihrer Besitzerin nach Bremen: Dort findet die Deutsche Meisterschaft im Kaninhop statt. Rund 600 Kaninchen aus ganz Deutschland werden dort in verschiedenen Klassen an den Start gehen.

Ohne die Unterstützung ihres Vaters Martin könnte Marie Zweifelhofer ihr Hobby nicht ausüben: Er füttert die Tiere, wenn seine Tochter bei der Arbeit ist oder unterwegs ist. „Das Misten ist aber meine Aufgabe“, betont die junge Frau.

von marion blum
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