Ludwigsburg | 05. Januar 2018

„Acht von zehn sind mehr als drei von drei“

Gute Vorsätze können nicht nur im Privatleben, sondern auch im Beruf sinnvoll sein. Entscheidend ist allerdings, dass sie als konkrete Ziele formuliert werden, sagt Karrierecoach Michael Fridrich aus Aachen. Denn dann können Vorsätze nicht nur motivieren, sondern sogar die Einstellung zum Job verändern. Vage Absichtserklärungen sorgen dagegen eher für Frust und Ärger.

Damit es mit den guten Vorsätzen im neuen Jahr auch wirklich etwas wird, sollten diese nicht vage, sondern ganz konkret formuliert werden. Foto: Matthias Hübner
Damit es mit den guten Vorsätzen im neuen Jahr auch wirklich etwas wird, sollten diese nicht vage, sondern ganz konkret formuliert werden. Foto: Matthias Hübner

Viele haben für das neue Jahr gute Vorsätze im Stil von „Ich will mehr Sport treiben.“ Lohnt sich das auch beruflich?

Michael Fridrich: Absolut. Jedoch nur, wenn es sich um konkrete Ziele handelt – und nicht nur um Vorsätze!

Worin liegt da der Unterschied?

Fridrich: Ziele sind konkret und verbindlich und keine vagen Absichtserklärungen, bei denen immer Hintertürchen offen bleiben. Im Privatleben ist das der Unterschied zwischen „Ich trainiere ab 2. Januar zweimal wöchentlich für je eine halbe Stunde im Fitnessstudio“ und „Ich könnte mal wieder mehr Sport machen“.

Ein Beispiel im Beruf ist „Ich steigere mein Einkommen im kommenden Jahr um zehn Prozent“ – statt lediglich „Ich will eine Gehaltserhöhung“.

Also alles eine Frage der Formulierung?

Fridrich: Die Formulierung beeinflusst die eigene Einstellung. Es geht darum, zum Beispiel gewisse Reizworte zu vermeiden. „Ich muss“ setzt mich stark unter Druck und ist damit gefährlich. Auf der anderen Seite bieten Weichmacher wie „Ich könnte“ oder „eventuell“ zu viele Rückzugsmöglichkeiten.

Ein klar formuliertes Ziel schafft einen konkreten Handlungsrahmen, in dem ich mich bewege. Und es motiviert mich, weil es automatisch meine Einstellung verändert – weg von einer „Ja, aber“-Mentalität, die nur blockiert, hin zu einer Haltung im Sinne eines „Warum nicht?“.

Wie muss ein gutes Ziel dann formuliert sein?

Fridrich: Relativ bekannt ist das SMART-Prinzip, das sehr hilft. Das S in SMART steht für spezifisch, M wie messbar, damit ich es auch kontrolliere, A wie attraktiv, damit sich Entbehrungen und Mühen dafür auch lohnen, R wie realistisch und T wie terminiert, also mit einer festen Deadline verbunden.

Realismus haben Sie jetzt auch genannt – zu hoch zielen sollte man also nicht?

Fridrich: Aber auch nicht zu niedrig. Meiner Erfahrung nach ist es gut, wenn Ziele eher ambitioniert sind – und man dann nicht zu hart mit sich selbst ist, wenn man sie knapp verfehlt. Acht von zehn sind noch immer mehr als drei von drei.

Wie würden Sie diese Ziele festhalten?

Fridrich: In einem Unternehmen kann man die Ziele natürlich als Zielvereinbarung mit dem Vorgesetzten festhalten. Gerade wenn sich jemand um eine Beförderung oder eine Gehaltserhöhung bemüht, ist das nach wie vor ein sehr gutes Instrument. Sie können Ihre Ziele auch nur für sich notieren.

Ich pflege eine Tabelle auf meinem Computer mit acht beruflichen und vier persönlichen Zielen für das laufende Jahr. Die sehe ich jedes Mal, wenn der Rechner hochfährt. So habe ich immer auf einen Blick meinen aktuellen Wasserstand.

Aber führt das nicht dazu, dass man sich ständig über sich selbst ärgert?

Fridrich: Das hängt davon ab, wie wertschätzend und ehrlich Sie im Umgang mit sich selbst sind. Man sollte sich natürlich nicht in die Tasche lügen, um verfehlte Ziele zu erklären. Wenn es jedoch nachvollziehbare Gründe gibt, eine Krankheit etwa oder andere Hindernisse, spricht nichts dagegen, die laufenden Ziele zum Beispiel zur Jahresmitte anzupassen oder auch neu zu definieren.

Interview von Tobias Hanraths
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