06. Juni 2014

Meerblick mit Zaun: Bürger wollen freien Weg zum Strand

Hooksiel/Rostock (dpa) - Strandhindernisse besonderer Art nerven Touristen an der niedersächsischen Küste: Dort ist der Gang zum feinen Sandstrand häufig mit Absperrgittern und Zäunen verstellt. Erst nach dem Bezahlen am Kassenhäuschen wird der Weg zum Wasser frei.

Zäune verhindern freien Strandzugang
Abgezäunte Deiche: Erst zahlen, dann an den Strand. Das gefällt nicht allen. Foto: Ingo Wagner
dpa

«Das geht gar nicht», schimpft der Friese Janto Just aus dem niedersächsischen Hooksiel bei Wilhelmshaven. «Ein Meer mit Zaun davor - das ist doch Oberquatsch.» Just und die Initiative «Freie Bürger für freie Strände» wollen das Gebührenmodell mit Drahtzaun abschaffen und klagen deswegen vor dem Verwaltungsgericht Oldenburg.

Die Diskussion um freie Strände und vor allem um Zäune wie in Niedersachsen köchelt seit Jahren immer wieder hoch. Die Gebührenpraxis ist umstritten, aber weit verbreitet: Auch in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern kostet der Strandzugang häufig Geld.

Gegen die Bezahl-Schranke mit Zaun in Hooksiel wollen Aktivisten nun am Pfingstmontag mit Leitern zum Übersteigen der Zäune demonstrieren. Dort an der Nordsee werden für Tagesgäste von außerhalb drei Euro Strandgebühr pro Person fällig, und zwar in der Saison von April bis Oktober: «Und dann ist vielleicht auch noch schlechtes Wetter, oder das Meer ist wegen Ebbe nicht zu sehen», sagt Just.

Zusammen mit anderen Klägern pocht er auf den Paragrafen 59 im Bundesnaturschutzgesetz. Danach muss der Zugang zu Natur und Landschaft für Erholungszwecke grundsätzlich frei sein. In Niedersachsen gebe es jedoch auf 120 von 134 Strandkilometern eine Abgabepflicht. «Auch bei einem Tageskurbeitrag muss Spazierengehen und Baden unentgeltlich möglich bleiben», verlangt der Niedersachse. Die Kommunen verdienten schon Millionen Euro an Übernachtungsgästen, daher sollten Tagesgäste verschont bleiben, wenn sie nur mal kurz baden wollten.

Tourismusverbände im Norden zeigen da mehr Verständnis für die Küsten- und Inselgemeinden, denn die Kommunen zahlten ja auch hohe Kosten für die Reinhaltung der Strände. Ob Kurbeitrag, Gebühr oder Abgabe für den Strandzugang: Die meisten Gäste hätten dafür Verständnis, wenn die Strände und Toiletten sauber seien. Gleichwohl werden im offiziellen niedersächsischen Landeskonzept zur Nordseeentwicklung Alternativen empfohlen, um den Strandzugang kostenlos zu ermöglichen, etwa über Parkplatzgebühren.

Anders als in Niedersachsen werden in Schleswig-Holstein kaum noch Strände mit Zäunen gegen zahlungsunwillige Besucher abgeschirmt, wenngleich auch hier vielfach Automaten und Kassenhäuschen bereit stehen. «Die Kommunen müssen ihre Aufwendungen refinanzieren», sagt Catrin Homp vom Tourismusverband Schleswig-Holstein. Außerdem müssten Übernachtungs- und Tagesgäste rechtlich gleichgestellt sein. Das Thema sei juristisch kompliziert, sagt Homp: «Wir haben schon alles rauf und runter diskutiert.»

Tobias Woitendorf vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern findet, dass für ein Freizeitvergnügen in sauberer Natur eine Strandgebühr durchaus in Ordnung ist. «Wer ins Kino geht, ist auch bereit, zu zahlen.» Zäune lehnt er jedoch ab - die gibt es in seinem Bundesland auch nicht an der Ostsee. «Die Gedanken und die Strände sind frei.»

Initiative Freie Strände

Tourismusverband Nordsee

Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern

Tourismusverband Schleswig-Holstein

Bundesnaturschutzgesetz § 59

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