19. Juni 2014

Ausstellung in Hamburg: Krieg und Propaganda

Hamburg (dpa) - Berstende Bomben, Soldaten in Schützengräben und Flieger am Himmel: «Over the Top» (Sturmangriff) heißt das riesige Foto des Australiers Frank Hurley, das die Besucher der Ausstellung «Krieg und Propaganda 14/18» im ersten Stock des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe begrüßt.

Krieg und Propaganda
«Over the Top»: Eine Kompositfotografie von Frank Hurley aus dem Jahre 1917. Foto: Axel Heimken
dpa
Krieg und Propaganda
Ein Propagandaplakat aus dem 1. Weltkrieg. Foto: Axel Heimken
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Es sollte die Menschen für einen Krieg begeistern, der über vier Jahre dauerte und mehr als 17 Millionen Menschen das Leben kostete. Aber - das Foto ist ein frühes «Fake», ein historisches Kompositionsbild, zusammengesetzt aus zwölf einzelnen Negativen. «Die Ausstellung will dafür sensibilisieren, dass man nicht alles glauben soll, sondern die Methoden der Propaganda durchschaut», sagt Kurator Dennis Conrad.

Mehr als 400 Exponate aus dem Deutschen Reich, Frankreich, England, USA, Russland, Italien und Österreich-Ungarn haben die Ausstellungsmacher in drei Jahren zusammengetragen und präsentieren sie in einer spannenden Schau auf 1000 Quadratmetern.

Anhand von Plakaten, Filmen, Skulpturen, Fotografien, Zeitungen und Alltagsgegenstände wie Kinderspielzeug sowie historischen Tonaufnahmen und Musik aus der Zeit des Ersten Weltkriegs zeigt die Schau bis zum 2. November die wichtigsten Formen, Strukturen und Methoden der Meinungslenkung, die bis heute in Konflikten und militärischen Auseinandersetzungen in immer neuen und subtileren Ausprägungen zu finden sind.

«Als eine der wesentlichen Ursachen für die Dauer und Intensität des Krieges wird heute die Propagandaarbeit der beteiligten Staaten angesehen, die als «neue Waffe» der Kriegsführung gilt», sagt Conrad. Das fing bereits mit der Mobilisierung an. Britische Rekrutierungsplakate setzen auf Gruppenzwang, den drohenden Gesichtsverlust gegenüber Freunden und Familie («It's your duty») und Prominente wie Lord Kitchener mit ausgestrecktem Zeigefinger («Your Country needs you»). Das Deutsche Reich setzt auf euphorische Fotos mit jubelnden Soldaten. «Es hat auch große Proteste gegen den Krieg gegeben, aber davon gibt es keine Bilder», erläutert Conrad.

Als die Deutschen in Belgien einmarschieren, setzen Großbritannien, Frankreich und Russland auf eine wirkungsvolle Hass-Propaganda. Die Zeichnungen des niederländischen Künstlers Louis Raemaekers illustrieren die Berichte über deutsche Gräueltaten mit drastischen Bildern und finden international Verbreitung.

Filme zeigen die Exekution einer Krankenschwester und den Untergang des Passagierschiffes «Lusitania» nach einem Angriff durch ein deutsches U-Boot. «Die Deutschen behaupteten, Frankreich und Großbritannien gönnen ihnen die Eigenständigkeit nicht. Frankreich und Großbritannien inszenierten dagegen den Kaiser als Diktator - nach dem Motto: «Ist der Diktator weg, ist Deutschland wieder frei»», sagt Conrad.

Um den Krieg zu finanzieren, nehmen im Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn Millionen Menschen an sogenannten Nagelungen teil. Dabei wurden bei feierlichen Massenveranstaltungen hölzerne Kriegswahrzeichen symbolisch mit Nägeln zum Preis von 50 Pfennig bis zu 100 Reichsmark beschlagen. «Heute würde man das als Crowd-Funding bezeichnen», sagt der Kurator. «Selbst im Kinderzimmer machte die Propaganda nicht halt, sie war omnipräsent und durchdrang alles.» Selbst als es hohe Verlustzahlen gab und viele Soldaten verletzt nach Hause kamen, glaubten die Menschen weiter an den Krieg. «Die Propaganda schaffte es, durch ihre Dauerbeschallung den Blick für die Realität zu versperren.»

MKG

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