09. April 2014

«Ein für übern Sofa» - Kunst kaufen auf der Art Cologne

Köln (dpa) - Michael Ballack mustert die Kunst auf der Art Cologne mit eben jenem torgefährlichen Blick, den man von ihm gewohnt ist.

Art Cologne
Kunstinteressierte Frauen auf der Art Cologne. Foto: Oliver Berg
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Fotowand mit Blumensträußen des chinesischen Künstlers Ai Weiwei in Köln. Foto: Oliver Berg
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Skulptur von Antony Gormley auf der Art Cologne. Foto: Oliver Berg
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Ob er Gefallen findet an dem Werk, das entfernt an ein weiß lackiertes Fabriktor erinnert, lässt er sich nicht anmerken. Sucht er nach etwas Bestimmtem? «Nein.» Wird er immer fündig? «Nein.» Wo hat er seine Bilder zuhause hängen? «Das ist zu privat jetzt!»

Michael Stich ist auskunftsfreudiger. Der Wimbledon-Sieger von 1991 besucht die größte deutsche Kunstmesse jedesmal. Nicht immer nimmt er etwas mit, «aber man gibt sich Mühe». Er ist offen für alles Zeitgenössische. Ein Messebesucher spricht ihn an, er will ihn fotografieren. Stich stellt sich vor ein Bild mit leuchtenden Farben.

Die Art Cologne hieß früher Kölner Kunstmarkt, und wenn es vielleicht auch nicht wie auf dem Marktplatz zugeht, so doch sicher wie im Kaufhaus. «Ich such ein für übern Sofa», sagt eine Frau in Lederstiefeln. Eine Dame mit Hut verabschiedet sich von einem Aussteller mit den Worten: «Ich denk nochmal drüber nach.» Ein Aussteller wiederholt im Gespräch mit einer Kundin: «Alles klar, ist notiert: Was ganz, ganz Kleines.» 

Ungefähr 30 Frauen vom Typ Millionärsgattin mit Prada-Tasche, hochhackigen Schuhen und teils sehr kurzen Röckchen werden im Rudel über die Messe geführt. Eine Parfumwolke umgibt sie. «Eine von uns ist Kunstsammlerin und lädt uns zu ihrem Geburtstag immer zu einem Rundgang über die Messe ein», verrät eine von ihnen. Sie wirkt müde. Da ertönt von vorne der Ruf: «So meine Lieben, eine letzte Galerie, dann seid ihr durch, dann gehen wir zum Mittagessen, ein Stockwerk tiefer!»

Am Stand von Hauser & Wirth aus Zürich herrscht vornehme Ruhe. Dies ist eine Galerie von Weltruf. Im Mittelpunkt des Stands steht eine Arbeit des hochdotierten US-Künstlers Paul McCarthy. Die lebensgroße Figur eines Mannes mit Tiroler Hut und heruntergelassenen Lederhosen lehnt gegen ein riesiges Fass und vollführt stoßartige Unterleibsbewegungen. Eine sich bewegende Skulptur also. Titel: «Alpine Man.» Galerie-Direktorin Anna Helwing weiß zu berichten, dass McCarthy das Alpengebiet durchaus kennt: «Er ist ein extrem guter Skifahrer.»

Thaddaeus Rodac aus Paris bietet dieses Jahr jede Menge Sachen von Georg Baselitz an, darunter eine dreieinhalb Meter große Bronzefigur für 1,3 Millionen. Regelt die Galerie auch den Transport? «Wir gehen nicht davon aus, dass jemand das in der Handtasche mitnimmt», kommt die etwas schnippische Antwort. «Ja, wir organisieren das, wir kennen die Transporteure. Wenn's nicht gerade in Sibirien ist, da hab' ich jetzt auch keinen im Adressbuch.»

Was soll man nur nehmen? Die Pelzmützen, die sanft pulsieren, so als wäre in ihnen noch Leben? Die riesigen Glasaugen mit ihren sich drehenden Pupillen und zuckenden Lidern? Oder den «Video Palace» aus aufeinandergestapelten Videorecordern, Tonbandapparaten und Lexikareihen?

Plötzlich ein begeisterter Ausruf: «Das ist ja mal ein schönes Design!» Ein Mann steht mit blitzenden Augen vor einem großformatigen Bild. Aber er meint nicht das Bild, er meint das Kleid einer Bekannten.

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