22. Juni 2014

Kloster Corvey zu Unesco-Welterbe ernannt

Doha/Höxter (dpa) - Mit dem Kloster Corvey im westfälischen Höxter hat Deutschland ein neues Weltkulturerbe der Unesco. Die im Jahr 822 gegründete Benediktinerabtei wurde am Samstag in Doha im Golfstaat Katar von der Kulturorganisation der Vereinten Nationen auf die Liste der für die Menschheit wertvollen Stätten genommen.

Kloster Corvey
Das Unesco-Welterbekomitee ernennt das Kloster Corvey zur Welterbestätte. Foto: Jonas Güttler
dpa

Das Westwerk verbinde auf herausragende Weise die karolingische Architektur mit antiken Vorbildern zu einem Kunstwerk, teilte die deutsche Unesco-Kommission mit. Zudem habe die Reichsabtei im damaligen Frankenreich als geistiges, religiöses und politisches Zentrum eine entscheidende Rolle in Europa gespielt.

«Damit steht Corvey in einer Reihe mit den Pyramiden von Gizeh, dem antiken Pompeji und dem Kölner Dom - als erste Kulturstätte Westfalens», sagte der Landrat des Kreises Höxter, Friedhelm Spieker. Die Anlage stand seit 1999 auf der Warteliste für Welterbestätten der deutschen Kommission. Das unmittelbar an der Weser gelegene Kloster Corvey geht auf eine Gründung Ludwigs des Frommen (778-840) zurück, eines Sohns Karls des Großen, der mit dem Reichskloster den Anspruch über das eroberte Sachsenland festigen wollte.

Viktor Herzog von Ratibor, Besitzer der Anlage, bezeichnete die Ernennung als «eine Bestätigung für den außergewöhnlichen universellen Wert von Corvey». Seine Familie sehe den Welterbetitel als Verpflichtung, ihre Anstrengungen zum Erhalt fortzuführen, sagte von Ratibor in Doha. Auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) frohlockte: «Mit der Auszeichnung des Klosters wird die reiche Kulturlandschaft Westfalens noch mehr internationale Aufmerksamkeit bekommen.»

Birgitta Ringbeck, für das Auswärtige Amt offizielle Vertreterin Deutschlands im Welterbekomitee, verwies auf die einhellige Zustimmung in Doha: «Ohne Gegenstimme und ohne Einwände» sei die Entscheidung getroffen worden. «Das es so glattgeht, damit habe ich nicht gerechnet.» Ex-Bundesminister Klaus Töpfer, Ehrenbürger von Höxter, sprach von einer «fantastischen Vorlage, um die Region insgesamt stärker in den Mittelpunkt der nationalen und internationalen Betrachtung zu bringen». Der Titel Weltkulturerbe sei eine außerordentlich wichtige Größe zur Profilierung einer Region.

Das Kloster Corvey gehörte mit seiner Schule und Bibliothek im Mittelalter zu den wichtigsten Vermittlern der christlichen Kultur. Das Westwerk, ein der Basilika vorgesetzter Kirchenraum aus rotem Bruchsteinmauerwerk mit zwei Fassadentürmen und einem zentralen mittleren Turm, wurde zwischen 873 und 885 gebaut. Es blieb trotz mehrerer Umbaumaßnahmen im Wesentlichen erhalten.

Daneben bestimmte die Unesco auch andere Stätten zum Welterbe der Menschheit: so etwa das Fabrikgebäude Van Nelle im niederländischen Rotterdam, die Seiden-Fabrik in Tomioka in Japan, die Zitadelle von Arbil im Irak, das historische Dschidda in Saudi-Arabien, die alte Maya-Stadt Calakmul und den angrenzenden Regenwald auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán, das Verbindungssystem der Inka über sechs Länder Lateinamerikas, den knapp 2000 Kilometer langen Kaiserkanal in China oder den Stufenbrunnen Ran ki vav im indischen Patan.

Ausgeweitet werden sollte das Gebiet des grenzüberschreitenden Weltnaturerbes Wattenmeer, das sich über Deutschland, Dänemark und die Niederlande erstreckt. Das Gebiet ist bereits seit 2009 auf der Liste.

Insgesamt gibt es fast 1000 Welterbestätten, in Deutschland sind es nun 39. Zuletzt war für die Bundesrepublik der Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel aufgenommen worden. Auf der Warteliste stehen unter anderem die Speicherstadt in Hamburg und das Heidelberger Schloss.

Die nächste Tagung des Unesco-Welterbekomitees ist 2015 in Bonn geplant.

Schloss Corvey

Unesco-Weltkulturerbe

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